Porträt Bernd Romanski: Durch Dick und Dünn mit Hochtief

Porträt Bernd Romanski: Durch Dick und Dünn mit Hochtief

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Altkanzler Schröder unterstützt den Parteifreund und Hochtief-Urgestein Romanski bei dem Vorhaben Bürgermeister in Hamminkeln zu werden.

von Harald Schumacher

Erst der Aufstieg bei Hochtief, dann Querelen mit dem neuen Eigentümer ACS, heute Management-Nomade und Bürgermeisterkandidat in Hamminkeln: Die ungewöhnliche Karriere des Managers Bernd Romanski.

Bernd Romanski, der jetzt als Parteifreund von Altkanzler Gerhard Schröder und als Bürgermeisterkandidat im Niederrhein-Städtchen Hamminkeln Schlagzeilen macht, gehört zu den angesehensten Managern der deutschen Bauindustrie. Die Karriere des 56-Jährigen ist eng mit dem Essener Hochtief-Konzern verbunden. Begonnen hat diese mehr als nur geschäftliche Verbindung aber schon, als Romanski noch ein Kind war. Denn Romanskis Vater Joachim, der 1982 verstarb, arbeitete als Techniker bei Deutschlands führendem Bauunternehmen und brachte es als Betriebsrat bis zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats.

Romanski studierte Betriebswirtschaft in Bochum und sattelte bei Papas Firma weitere Qualifikationen als Industriekaufmann und Buchhalter drauf. Als ersten Auslandsjob entsandte Hochtief Romanski 1983 zu einer Großbaustelle nach Saudi-Arabien – und musste ihn dort im Jahr darauf aus dem Knast heraus holen. Der 25-Jährige steckte im Süden des Landes unweit der jemenitischen Grenze mit einem Dutzend anderer Häftlinge in einer dreckigen Arrestzelle – Grund war ein falscher Verdacht wegen eines Gelddiebstahls auf der Baustelle.

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Romanski verließ Hochtief 1991 – und kehrte nach 13 Jahren und zwei weiteren Jobwechseln zurück. Zunächst war er ab 2004 verantwortlich für das operative Geschäft bei der Gebäudedienstleistungssparte Hochtief Facility Management. 2011 wurde er Vorstand bei der europäischen Bausparte des Konzerns, Hochtief Solutions.

Romanski erhob Widerspruch – und musste gehen

Seit aber der spanische ACS-Konzern Hochtief 2011 feindlich übernahm, gab es enorme Spannungen bei Deutschlands Bauprimus. Top-Manager gingen reihenweise und nahmen ganze Managementteams mit. Den Verlust an Knowhow nahm ACS ungerührt in Kauf. Führungskräfte wie Romanski wollten den deutschen Bauriesen eigentlich operativ stärken und weiter entwickeln – die Spanier aber ordneten Hochtief konsequent ihren finanziellen Interessen unter.

Romanskis Abgang Anfang 2013 war spektakulär und gilt alten Hochtieflern als Akt der Zivilcourage und nicht als unternehmerisches Scheitern. Da lohnen die Details: Ende 2012 setzte der keinen Widerspruch duldende Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes Romanski den Hochtief- Solutions-Vorstandssprecher Rainer Eichholz Knall auf Fall vor die Tür und ernannte Romanski am 14. Dezember zu seinem Nachfolger. Dabei hatte Romanski zuvor deutliche Worte gefunden für die Situation bei Hochtief unter ACS.

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Damals noch als Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor bei Hochtief Solutions beschrieb er 2012 in der März-Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift „Baubude“ schonungslos die Folgen der feindlichen Übernahme: „Durch die Personalabgänge auf Vorstandsebene ist in Teilen die Verunsicherung bei den Mitarbeitern nach wie vor groß.“ Es falle vielen schwer, „die Schockstarre zu überwinden und zur Tagesordnung zurückzukehren“. Zur „allgemeinen Unsicherheit“ trügen verschlechterte Geschäftsaussichten bei. Weiterer Personalabbau – rund 100 Jobs hatte Romanski 2011 streichen müssen sei bei Hochtief Solutions 2012 auch in Deutschland „leider unvermeidbar“. Denn „fast sicher geglaubte Aufträge“ im Ausland, im Facility Management und bei öffentlichen Projekten seien Solutions entgangen. Dabei hätten „Presseberichte über mögliche Pläne von ACS eine Rolle gespielt“.

Auch zu den Eigenkündigungen vieler Kollegen nahm Romanski Stellung: Dass Kollegen freiwillig gingen, sei „für Hochtief eine relativ neue Erfahrung. Wenn mehrere Headhunter im Unternehmen einmal erfolgreich waren, dann bohren sie es weiter auf“. Höhepunkt des Klartext-Interviews: „Es gibt schwer gebeutelte Bereiche, bei denen ich ein hohes Maß an Verständnis habe, wenn Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.“ Hochtief – früher ein Top-Arbeitgeber – werde „auf dem Markt teilweise Schwierigkeiten haben, neue Leute zu bekommen“.

Wenn Fernandez von Romanski nach der Beförderung Beflissenheit erwartet hatte, lag er schief – und machte mal wieder kurzen Prozess. Zwei Wochen vor Silvester hatte der Spanier Romanski zum Solutions-Sprecher ernannt, Ende Januar musste er seinen Schreibtisch räumen.

Heute ist Romanski mit einer eigenen Beratungsgesellschaft von Hamminkeln aus in der Branche unterwegs und arbeitet als Interimsmanager. Aktuell hat ihn der frühere Hochtief-Konkurrent Bilfinger unter Vertrag. Mit dem Leben als Manager-Nomade dürfte allerdings Schluss sein, wenn die Hamminkelner den dort seit 1970 lebenden SPD-Mann im Herbst zum Bürgermeister wählen. Romanskis Auftrag wäre dann mal wieder eine Sanierung – die seiner Heimatstadt.

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