Preisabsprachen: Ritter Sport schmollt und schweigt

Preisabsprachen: Ritter Sport schmollt und schweigt

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Die Petzer und der Abstreiter: Schokoriegel-Hersteller Mars lies Preisabsprachen in der Süßwaren-Industrie auffliegen. Auch Ritter Sport soll beteiligt gewesen sein. das Unternehmen streitet dies ab.

von Marcel Berndt

Saure Zeiten für Süßigkeiten-Hersteller. Zur wirtschaftlich schweren Lage kommt für die Produzenten nun noch eine 60-Millionen-Strafe vom Bundeskartellamt. Ritter Sport wehrt sich gegen den Vorwurf, Preise abgesprochen zu haben.

Für die Süßwaren-Industrie beginnt das Jahr mit einem Bußgeld von 60 Millionen Euro: Große Namen, wie Ritter Sport, Katjes, Nestlé und Bahlsen sollen sich gegenseitig abgesprochen haben, um gemeinsam Preiserhöhungen an den Verkaufsregalen durchzusetzen. Insgesamt seien daran elf Unternehmen beteiligt gewesen, berichtet das Bundeskartellamt, das eine Gesamtstrafe von 60 Millionen Euro verhängt hat.

Der Schokoriegel-Produzent Mars lies das Kartell 2008 auffliegen und ging mit einem sogenannte Kronzeugenantrag zum Bundeskartellamt. Dieses stellte daraufhin Untersuchungen an. Mit seinem Vorpreschen, entging das Unternehmen somit einem Bußgeld. Insgesamt verhängte die Bonner Behörde Strafen für drei Tatbestände: Innerhalb der sogenannten „Vierer Runde“ sollen sich 2006 bis 2008 hochrangige Mitarbeiter von  Ritter Sport, Mars, Nestlé und Haribo über ihre jeweiligen Verhandlungen mit Einzelhändlern ausgetauscht haben. So konnten sie laut Bundeskartellamt ihr weiteres Vorgehen in den Verhandlungen aufeinander abstimmen. Dafür hatte Haribo schon im August 2012 ein Bußgeld erhalten.

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Spezielle Preisabsprachen hätten innerhalb der „Vierer Runde“ nur zwischen Ritter Sport, Mars und Nestlé stattgefunden. Die Preise ihrer Schokoprodukte seien 2008 um durchschnittlich zehn Prozent gestiegen. Teils wurden sie umgesetzt, in dem die Hersteller den Verpackungsinhalt verkleinerten. Die elf beschuldigten Unternehmen sollen sich außerdem in der Konditionenvereinigung der Deutschen Süßwarenindustrie über ihre Verhandlungen und beabsichtigte Preiserhöhungen ausgetauscht haben.  

Während der Untersuchungen des Bundeskartellamts legte Ritter Sport außerdem Gespräche zwischen einem seiner Mitarbeiter und einem Mitarbeiter von Kraft Foods Deutschland offen. Dabei soll es auch mehrmals über beabsichtigte Preiserhöhungen gegangen sein. Diese freiwillige Offenlegung führte dazu, dass das Bundeskartellamt in diesem Fall Ritter Sport das Bußgeld erlies. Für die anderen beiden Fälle erhielt das Unternehmen ein Bußgeld von 7,5 Millionen Euro. Das ist niedriger als erwartet: Es wäre ein Bußgeld von bis zu 30 Millionen Euro möglich gewesen. Schon in einem Interview im Winter 2011 prophezeite Chef Alfred Ritter den drohenden Untergang des Unternehmens, sollte die Kartellbehörde ein derart hohes Bußgeld verhängen: „Das wäre das Ende. Die Firma wäre zwar nicht von heute auf morgen zahlungsunfähig, aber so sterbenskrank, dass ich sie nicht fortführen würde“, sagte Ritter damals.

Doch auch mit 7,5 Millionen will sich Ritter Sport nicht abfinden und hat Einspruch gegen die Vorwürfe erhoben: Ein Sprecher von Ritter Sport zeigte sich zuerst mit einem Gespräch mit der WirtschaftsWoche Online bereit, da man in diesem Fall offen kommunizieren wolle. Nach einer halbstündigen Unterhaltung, in dem er die Gespräche bestätigte, aber Preisabsprachen bestritt, überlegte es sich das Unternehmen mit seiner Offenheit nochmal. Die gemachten Aussagen wollte Ritter Sport nach einem Austausch mit seinen Anwälten dann doch nicht auf WirtschaftsWoche Online lesen.

„Wir sprechen kein Bußgeld aus, wenn wir keine stichhaltigen Beweise haben“, sagt der Sprecher des Bundeskartellamts, Kay Weidner, zum Einspruch von Ritter Sport. Die Behörde honorierte aber das Entgegenkommen des Unternehmens. Da es alle seine Kontakte von sich aus offen gelegt hatte, gab es zumindest keine Strafe für die Absprachen mit Kraft Foods: „Es ist richtig, dass Ritter für einen bestimmten Teilkomplex als Kronzeuge fungiert hat und deshalb insoweit kein Bußgeld verhängt wurde“, sagt Weidner. „Bei den anderen Tatkomplexen war aber auch Ritter an den Kartellverstößen beteiligt.“

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Zudem ist der Boden für Preisabsprachen durchaus fruchtbar: Die Süßwaren-Produzenten kämpfen einerseits mit ständig steigenden Preisen für Rohstoffe, wie Zucker, und andererseits mit der Markt- und Verhandlungsmacht der wenigen, deutschen Einzelhandelsriesen, wie Rewe, Edeka und Metro. Dadurch ist es schwierig die Preissteigerungen an die Händler weiter zu geben. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie spricht auf seiner Homepage von einer "Sandwich-Position", in der sich die Süßwaren-Produzenten befinden. Zugleich beklagt die Süßwaren-Industrie generell einen niedrigeren Absatz in Deutschland: Dieser ist laut dem Bundesverband 2012  um 0,6 Prozent zurück gegangen. So eine Lage verführt zu unritterlichem Verhalten.

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