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Premium-Autobauer: Daimler trotzt den Schwarzsehern

Quelle: Handelsblatt Online

So mancher Experte sah bei Daimler eine Gewinnwarnung nahen. Und tatsächlich sank der Gewinn im zweiten Quartal, aber weniger als erwartet - und die Prognose wurde bestätigt. Zudem gab es für den Rückgang gute Gründe.

Angriff auf dem Markt der Kompakten: Der Autobauer Daimler hat am Montag seine neue A-Klasse vom Band rollen lassen und trotz des schwachen Markts in Europa ein neues Rekordjahr in Aussicht gestellt. „Für das Gesamtjahr gehen wir davon aus, den Absatzrekord des letzten Jahres nochmals übertreffen zu können“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche in Rastatt.

Bild: Pressebild

Der Autobauer Daimler hat im zweiten Quartal trotz eines Absatz- und Umsatzsprungs einen kräftigen Gewinnrückgang verbucht. Der operative Gewinn schrumpfte wegen hoher Ausgaben für den Ausbau des weltweiten Produktionsnetzes und des Anlaufs neuer Pkw- sowie Lkw-Modelle in den Monaten April bis Juni auf 2,243 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Gewinn vor Steuern und Zinsen noch bei 2,581 Milliarden Euro gelegen. Der Umsatz stieg in den Frühjahrsmonaten um zehn Prozent auf 28,9 Milliarden Euro, der Absatz um acht Prozent auf 570.300 Fahrzeuge.

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Entwicklung im 2. Quartal nach Geschäftsfeldern

  • Mercedes Benz Cars

    Die Verkäufe in der Pkw-Sparte stiegen im zweiten Quartal um 4 Prozent auf 370.000 Einheiten - eine neue Bestmarke. Dank der viel nachgefragten neuen B-Klasse legte das Kompaktwagensegment um insgesamt 18 Prozent auf 53.200 Einheiten zu. Bei den SUVs stieg der Absatz um 10 Prozent auf 71.800 Fahrzeugen. Die S-Klasse behauptete ihre Position als Marktführer in ihrer Vergleichsklasse. Im C-Klasse-Segment setzte Daimler etwas weniger Einheiten ab: 110.200 - im Vorjahr 110.700.

  • Mercedes-Benz Vans

    Der Absatz von Mercedes-Benz Vans ist im zweiten Quartal leicht gestiegen - 69.300 gegenüber 68.000. In Westeuropa legte Daimler um zwei Prozent zu und setzte 46.500 Transporter ab - angesichts der Absatzkrise in den südeuropäischen Staaten ein gutes Ergebnis.

  • Daimler Trucks

    Daimler Trucks steigerte den Absatz um 34 Prozent gegenüber Vorjahr auf 122.200. In Westeuropa hat Mercedes-Benz Trucks seine Marktführerschaft weiter ausgebaut (Marktanteil 23,3 Prozent - Vorjahr 20,8 Prozent). In Brasilien ist der Absatz wegen einer neuen Abgasnorm sowie einer spürbaren Konjunkturabschwächung sehr deutlich gesunken.

  • Daimler Busse

    Der weltweite Bus-Absatz ging um 20 Prozent zurück (8400 gegenüber 10.600). Der Rückgang ist wie im ersten Quartal auf das schwächere Fahrgestellgeschäft in Lateinamerika zurückzuführen. In Westeuropa steigerte die Bussparte ihren Absatz um 2 Prozent auf 1.400 Einheiten.

  • Daimler Financial Services

    In diesem Segment stieg das Neugeschäft gegenüber dem Vorjahresquartal um 12 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Das Vertragsvolumen erreichte Ende Juni 76,1 Milliarden Euro und lag damit um 6 Prozent höher als zum Jahresende 2011. Bereinigt um Wechselkurseffekte betrug der Zuwachs 5 Prozent.

Damit schnitt der Stuttgarter Konzern, der als erster deutscher Autobauer seine Zahlen für das zweite Quartal auf den Tisch legt, besser ab als von Analysten erwartet. Daimler bekräftigte nach der ersten Geschäftsjahreshälfte seine bisherige Prognose und rechnet trotz der Eintrübung der Konjunktur weiterhin "mit einem Ergebnis aus dem laufenden Geschäft in der Größenordnung des Vorjahres". 2011 hatten die Schwaben operativ knapp neun Milliarden Euro verdient.

Viele Autobauer wären über solche Zahlen froh, aber Daimler gilt unter den deutschen Premiumherstellern dennoch als Sorgenkind. Analyst Arndt Ellinghorst von der Credit Suisse prognostiziert im Herbst eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr.

"Der Wandel von einer etablierten deutschen Unternehmensmarke zur globalen jungen Marke hat nicht funktioniert", sagt der Designkritiker Paolo Tumminelli. Das Durchschnittsalter der Mercedes-Käufer ist mit 55,4 Jahren deutlich höher als das Alter von Audi- oder BMW-Käufern. Die heutige Mercedes-E-Klasse hingegen, mit 305.000 verkauften Wagen im Jahr 2011 der wichtigste Umsatzbringer, fällt vor allem durch Solidität und gepflegte Biederkeit auf.

BWM und Audi wachsen stärker

Das drückt sich auch in den Geschäftszahlen aus: 2011 wurden in Westeuropa nur noch 599.000 Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz zugelassen - 19 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Konkurrent Audi hingegen steigerte den Verkauf in der vergangenen Dekade um 26 Prozent auf 684 000 Fahrzeuge, BMW um 25 Prozent auf 647 000. Das stille Wirtschaftswunder der letzten zehn Jahre - Wiedervereinigung, europäischer Binnenmarkt, Globalisierung - ging im Kernmarkt Westeuropa an Daimler vorbei.

Auch in China, dem größten Automarkt der Zukunft, ist Mercedes weit abgeschlagen. Im ersten Halbjahr 2012 brachte der Konzern dort nur 99 400 Fahrzeuge an den Kunden - 60 000 weniger als BMW und nicht einmal halb so viele wie Audi.

Rückblick chinesischer Markt 1. Quartal

  • Daimler

    Mercedes verkaufte in den ersten drei Monaten etwa 56.000 Autos an chinesische Kunden.

  • BMW

    China war im ersten Quartal 2012 der größte Absatzmarkt für die Bayern. Bis März verkaufte BMW mehr als 80.000 Fahrzeuge - ein Zuwachs von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

  • Audi

    Die Premium-Tochter von Volkswagen verkaufte bis März  90.000 Fahrzeug. Besonders gut kamen die neu eingeführte Generation der Langversion des A6  und der Luxuslimousine A8 an.

So klaffen Anspruch und Wirklichkeit immer weiter auseinander. Konzernchef Zetsche hat zwar das Ziel ausgegeben, mehr Autos zu verkaufen als die Konkurrenten Audi und BMW. Doch genau diese Wachstumswünsche schlagen nun auf die Bilanz durch. Denn Zetsche muss den Verkauf künstlich ankurbeln. Das Kundeninteresse ist schwächer als die Planvorgaben. Also wird der Preis heruntergepegelt. "Gerade in der beliebten Kategorie der Sports Utility Vehicles (SUV) ist Daimler deutlich billiger als BMW und Audi", sagt der Markenexperte Frank Dopheide. "Das passt nicht zu Daimler. Das verwirrt den Kunden."

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