Privates Carsharing: Ein Ausflug mit dem Auto des Nachbarn

Privates Carsharing: Ein Ausflug mit dem Auto des Nachbarn

, aktualisiert 25. März 2016, 18:33 Uhr
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„Die Deutschen bieten tendenziell größere Fahrzeuge an als die Franzosen und fragen auch gerne mal zwei Fragen mehr.“

Quelle:Handelsblatt Online

Privates Carsharing ist noch ein Nischenangebot. Doch mit neuer Technologie sollen die Deutschen dazu bewegt werden, ihren Privatwagen zu vermieten. Künftig könnten Autos dabei auch mit dem Smartphone geöffnet werden.

DüsseldorfDie Franzosen drehen auf. Drivy, Marktfüher im privaten Carsharing in Deutschland, will sein Angebot erweitern. Privatautos sollen künftig über eine eingebaute Box auch spontan anzumieten sein. Im Interview spricht Drivy-Chef Heiko Barnerßoi über seine Wachstumspläne - und die irrationale Angst vor Autodieben.

Handelsblatt: Im vergangenen Jahr ist Drivy in Deutschland zum Marktführer im privaten Carsharing aufgestiegen. Wie geht es 2016 weiter?
Zunächst wollen wir das Wachstum weiter befeuern. Wir decken bereits drei der größten Märkte in Europa ab, dennoch wollen wir sowohl in diesen Ländern wachsen als auch weitere Märkte erschließen. Das heißt für uns vor allem unsere Markenbekanntheit weiter zu steigern und damit die Abdeckung und die Nachfrage weiter zu erhöhen. Gegen Jahresende werden wir uns dann auch neuen Kundensegmenten widmen.
Welche Kundensegmente meinen Sie konkret?
Wir wollen einen Service anbieten, der es möglich macht, mit wenigen Klicks ein Auto in direkter Nähe zu buchen. Besonders Geschäftsreisende machen einen großen Anteil des Mietmarktes aus. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die Produktpalette weiter auszubauen.

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Inwieweit lässt sich Ihr Angebot überhaupt erweitern?
Das Angebot und die Auswahl der Fahrzeuge und deren Verlässlichkeit als auch Präsenz in anderen Segmenten lassen sich immer verbessern. Wir überlegen außerdem, auch professionelle Vermieter auf der Plattform zuzulassen. Sobald das spruchreif ist, wird das die Angebotssituation für unsere Kunden nochmal verbessern. In Frankreich existiert das bereits, mein Ziel ist es, das noch im ersten Halbjahr in Deutschland etabliert zu haben.

Andere Carsharing-Unternehmen suchen derzeit die Nähe zu etablierten Autobauern, um ihr Wachstum voranzutreiben. Inwiefern ist das eine Option für Drivy?
Mit knapp einer Million Kunden in Europa sind wir für natürlich viele Partner interessant. Wir sind ständig in Gesprächen, auch mit Autobauern. Über die Details dieser Gespräche kann ich noch nichts verraten. Aber eventuell können wir hier im Laufe des Jahres erste Ergebnisse verkünden.

Worin unterscheidet sich der deutsche Markt für privates Carsharing von anderen Märkten, in denen Drivy aktiv ist?
Oberflächlich betrachtet gar nicht. Die Menschen sind auch hierzulande offen für Neues. Wenn man dann aber tiefer einsteigt, sieht man Unterschiede. Die Deutschen bieten tendenziell größere Fahrzeuge an als die Franzosen und fragen auch gerne mal zwei Fragen mehr. Unterm Strich gleichen sich aber Kunden und Nutzungsprofile.

Mit Drivy Open sollen Fahrzeuge künftig auch über eine Box angemietet werden können, ohne dass Vermieter und Mieter sich treffen müssen. Wo ist der Vorteil?
Wir verbessern damit gleich zwei wichtige Komponenten: Nutzer haben es einfacher, ein Auto zu mieten und auch den tatsächlichen Check-In zu machen. Es braucht weniger Zeit, man ist vollkommen unabhängig vom Autobesitzer und einem persönlichen Treffen. Zusätzlich sind damit dann auch kürzere Mieten interessanter. Auf Angebotsseite können Autobesitzer ihre Fahrzeuge einfacher und dadurch potentiell öfter vermieten. Da auch ihr Aufwand sinkt, wird die Antwortrate höher werden und damit das
Angebot insgesamt besser.


Privatautos mit dem Smartphone öffnen

Bei Konkurrenten lassen sich Autos schon lange auf der Straße anmieten, wo ist der Vorteil?
Kein anderes Unternehmen in Deutschland bietet ein Produkt an, dass die Bequemlichkeit der Technologie von Carsharing und den Nutzen von Mietwagen verbindet. Der Autobesitzer kann auch Anfragen zu Zeiten annehmen, an denen er selbst nicht vor Ort sein kann. Der Mieter findet noch schneller und flexibler ein passendes Auto, auch wenn die Anfrage einmal etwas spontaner ist, beispielsweise für einen Ausflug oder ein Wochenende oder auch kürzere Anmietungen.

Wie genau funktioniert das?
Nach einer Anfrage kann der Autobesitzer das Zeitfenster festlegen, in dem der Mieter das Auto per Smartphone öffnen und fahren kann. Der Mieter kann den Kontrollrundgang mit seinem Handy dokumentieren, den Tankstand eintragen und das Auto mit dem Smartphone öffnen. Der Schlüssel befindet sich im Auto, der Mieter kann dann einfach losfahren. Am Ende der Anmietung nutzt er wieder sein Smartphone, um zu kontrollieren, ob der Zustand des Autos dem entspricht, wie er es übernommen hat. Sobald er dies tut, wird das Auto abgeschlossen.

Können Autodiebe ein solches System nicht ausnutzen?
Zur Sicherheit für den Autobesitzer ist zusätzlich zu der Tatsache, dass er selbst die Zeiten festlegt, in denen der Mieter das Auto fahren kann, auch noch eine Wegfahrsperre in der Box installiert. Damit sind Drivy Open Autos sogar noch besser geschützt als andere. Selbstverständlich ist die Box von außen nicht erkennbar.

Haben Sie die Technologie für Drivy Open selbst entwickelt oder eingekauft?
Drivy hat die Software vollständig selbst entwickelt und ein Jahr in Frankreich erprobt. Auch der Einbau der Technologie und der Kundenservice werden vollständig intern von Drivy gewährleistet. So können wir gewährleisten, dass wir das Produkt kennen und den bestmöglichen Service anbieten können. Lediglich die Hardware, also die Box, wird nicht selbst von Drivy hergestellt. Hier arbeiten wir mit dem Marktführer für diese Technologien zusammen.
Wie massentauglich ist die Technologie?
Extrem massentauglich! Zwar startet Drivy Open zunächst nur in Berlin. Hier haben wir innerhalb von zwei Wochen mehr als 30 Autos mit der Technologie ausgestattet. Das Konzept funktioniert für jedes Auto, dass eine Zentralverriegelung besitzt. Aus Qualitätsgründen darf es darüber hinaus nicht älter als 15 Jahre und nicht mehr als 150.000 Kilometer gefahren sein. Die Rückmeldungen der Autobesitzer in Berlin sind sehr positiv, sodass Drivy Open schon bald auch in weiteren Städten starten wird. Die einzige Bedingung, die ein Mieter erfüllen muss, um ein Auto über Drivy Open anmieten zu können, ist der Besitz eines Smartphones mit Internetverbindung.

Wie leicht lassen sich Fahrzeuge umrüsten?
Sehr einfach. Der Einbau der Technologie dauert im Schnitt etwa eine Stunde. Der Autobesitzer vereinbart dazu einfach einen Termin mit einem Drivy-Mitarbeiter und schon wird die Box installiert.
Was kostet der Umbau und wer zahlt dafür?
Die Kosten für den Einbau der Technologie trägt Drivy. Für die ersten 100 Autobesitzer ist darüber hinaus auch die Nutzung der Box für sechs Monate kostenlos, danach kostet es monatlich 29 Euro.

Quellle:  Handelsblatt Online
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