Pro: Darf ein Medikament 60.000 Euro kosten?

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Pro: Darf ein Medikament 60.000 Euro kosten?

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Hendrik Jürges ist Professor für Gesundheitsökonomie und -management an der Bergischen Universität Wuppertal.

Der US-Arzneimittelhersteller Gilead verlangt für eine dreimonatige Therapie mit seinen Hepatitis-Mitteln exorbitant hohe Preise. Darf das sein? "Ja, wenn sie wirken", sagt Gesundheitsökonomie-Professor Hendrik Jürges.

Niemand würde auf die Idee kommen zu fragen „Darf ein Auto 60.000 Euro kosten?“, ohne gleichzeitig einen Bezug zur Gegenleistung herzustellen: „Was bekomme ich für mein Geld?“

Gemessen daran sind 60.000 Euro für neuartige Hepatitis- C-Medikamente nicht zu viel Geld. Ja, sie dürfen grundsätzlich so viel kosten, wenn sie wirken. Ein extrem hoher Preis kann nicht per se als Argument gegen ein Medikament oder eine neue Behandlungsmethode gelten.

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Zur Person

  • Hendrik Jürges

    Hendrik Jürges, 46, ist Professor für Gesundheitsökonomie und -management. Der studierte Volkswirt lehrt und forscht an der Bergischen Universität Wuppertal.

Es gibt aber einen Unterschied zum Auto: Teure Medikamente werden nicht vom Kunden, sprich: vom Patienten, bezahlt, sondern von der Versichertengemeinschaft, also der Gesellschaft. Und die muss zwei Fragen beantworten, um zu entscheiden, ob sie sich die Ausgaben leisten will.

Contra Darf ein Medikament 60.000 Euro kosten?

Der US-Arzneimittelhersteller Gilead verlangt für eine dreimonatige Therapie mit seinen Hepatitis-Mitteln exorbitant hohe Preise. Darf das sein? Manche Preise sind irrational, sagt Gesundheitsökonom Afschin Gandjour.

Quelle: dpa

Erstens: Welchen zusätzlichen Nutzen hat ein neues Medikament, verglichen mit einem bereits vorhandenen? Hier geht es nicht nur um den medizinischen Nutzen für den Patienten. Es müssen auch Ersparnisse im Gesundheitswesen berücksichtigt werden. Dazu zählen die Vermeidung langjähriger Behandlung und Folgekosten wie Lebertransplantationen bei Hepatitis-Patienten. Hinzu kommt der Erhalt der Erwerbsfähigkeit. Die Antwort hierauf muss uns die medizinische und gesundheitsökonomische Forschung liefern.

Zweitens: Wie viel sind wir als Gesellschaft bereit, für diesen zusätzlichen Nutzen auszugeben? Das muss in einem demokratisch legitimierten Prozess nach transparenten Kriterien entschieden werden. In Deutschland steckt beides noch in den Kinderschuhen. England ist hier weiter. Dort gilt als grober Richtwert, dass neue Medikamente und Operationen etwa 40.000 Euro pro gewonnenem Lebensjahr kosten dürfen.

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Darüber, ob 40.000 Euro für ein zusätzliches Lebensjahr bei guter Gesundheit zu viel oder zu wenig sind, wird man sicher geteilter Meinung sein. Dass für Medikamente mit einem hohen zusätzlichen Nutzen letztlich auch ein hoher Preis bezahlt wird, ist aber ein Gebot ökonomischer Rationalität, gerade wenn das Budget irgendwann an Grenzen stößt.

Klar ist aber auch: Die Entwicklungskosten für neue Medikamente taugen nicht als alleinige Rechtfertigung für hohe Preise. Wenn ein Autobauer Milliarden für ein neues Modell ausgegeben hat und der Kunde keinen Vorteil gegenüber seinem alten Fahrzeug sieht, wird der Preis auch nicht sehr hoch ausfallen können.

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