Problemfall gelöst: Piëch darf sein Lkw-Reich bauen

Problemfall gelöst: Piëch darf sein Lkw-Reich bauen

, aktualisiert 28. November 2011, 10:22 Uhr
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Der Aufsichtsratsvorsitzende von VW und MAN, Ferdinand Piech, hat ein großes Problem gelöst.

von Martin Murphy und Markus FasseQuelle:Handelsblatt Online

Das Problem Ferrostaal hat Ferdinand Piëch gelöst - nun kann sich der VW-Patriarch endlich seinen Traum erfüllen: Mit einer weltweiten Lkw-Allianz aus VW, Scania und MAN will er den Markt aufrollen.

FrankfurtSeinem Lebenstraum, Volkswagen zum weltgrößten Autohersteller zu machen, ist Ferdinand Piëch einen gewaltigen Schritt näher gekommen. Nach der Übernahme von Porsche durch VW im vergangenen Jahr steht nun auch der Lastwagenallianz zwischen den VW-Beteiligungen MAN und Scania nichts mehr im Wege.

Bislang hatte der Streit über die einstige MAN-Tochter Ferrostaal die Integration von MAN in den VW-Konzern blockiert. Vor zwei Jahren hatte MAN 70 Prozent des Essener Großanlagenbauers an den arabischen Staatsfonds IPIC verkauft. Nachdem aber im vergangenen Jahr massive Korruptionsvorwürfe gegen Ferrostaal offenkundig geworden waren, drängten die Araber mit der Begründung von unkalkulierbaren Prozesskostenrisiken und möglichen Schadensersatzforderungen gegen Ferrostaal auf Kaufpreisminderung oder Rückabwicklung des Geschäfts.

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Die daraus resultierenden aktienrechtlichen Ungewissheiten hatten VW bislang gehindert, die Vollintegration einer zusammengefügten Lkw-Sparte zu vollziehen. Das Problem haben Piëch und seine Manager nun beseitigt: MAN kauft Ferrostaal zurück und reicht die Gesellschaft sofort für etwa 160 Millionen Euro weiter an die Hamburger Beteiligungsgesellschaft MPC.

Axel Schroeder, geschäftsführender Gesellschafter von MPC, bestätigte dem Handelsblatt die Übernahme. Aus Kreisen der Verkäufergesellschaften verlautete, dass die finalen Unterschriften am heutigen Montagmorgen erwartet würden.


Einkauf bündeln

Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender von VW und MAN, kann und will nun mit der langjährigen VW-Mehrheitsbeteiligung an Scania und der Übernahme der Mehrheit auch bei MAN im vergangenen Sommer einen weltweit führenden Lastwagenhersteller unter dem VW-Konzerndach schaffen. Die EU-Wettbewerbshüter haben vor wenigen Wochen bereits zugestimmt

In Konzernkreisen geht man davon aus, dass Volkswagen, nachdem das Ferrostaal-Problem gelöst ist, jetzt sehr schnell Fakten schaffen wird.
Als Erstes wollen Volkswagen und MAN wohl eine neue Klasse von Nutzfahrzeugen für den Stadtverkehr entwickeln, die gegen die erfolgreichen "Sprinter" von Daimler antreten soll. Gemeinsam mit Scania wollen MAN und VW zudem Hybrid- und Elektroantriebe entwickeln, die künftig auch bei Lkws stärker nachgefragt werden dürften.

Außerdem will Piëch in enger Absprache mit VW-Chef Martin Winterkorn den Einkauf für alle drei Lkw-Hersteller unter der Leitung des ehemaligen Audi-Vorstands Ulf Berkenhagen bündeln. Über größere Stückzahlen und die entsprechend besseren Konditionen verspricht sich das neue Lkw-Konglomerat langfristig Milliardeneinsparungen. MAN und VW treiben zudem gemeinsam die Globalisierung voran mit neuen Werken in China, Indien und Brasilien. Piëchs Ziel ist klar: der Angriff auf die Weltmarktführer Daimler und Volvo.

Aber auch für Ferrostaal (5300 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro), dessen Geschäft zuletzt massiv wegen der Korruptionsvorwürfe eingebrochen war und erstmals 2011 mit einem Verlust von 60 Millionen Euro abschließen wird, könnte es einen Neuanfang bedeuten. Denn gegen ein Bußgeld von 149 Millionen Euro wird die Staatsanwaltschaft München ihre Ermittlungen in der Schmiergeldaffäre einstellen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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