Prognose gekappt: Siemens-Aktionäre sollten endlich aufbegehren

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KommentarPrognose gekappt: Siemens-Aktionäre sollten endlich aufbegehren

von Matthias Kamp

Es ist fast schon eine Farce: Mit einer festen Regelmäßigkeit präsentiert der Siemens neue Baustellen und Probleme. Fragt sich, wann die Anteilseigner ihre Geduld verlieren.

Macht ein Kind seine Hausaufgaben nicht, versuchen genervte Eltern zunächst mit sanftem Druck dagegenzuhalten. Bei wiederholter Nichterledigung folgen dann meist Sanktionen. Diese könnten auch Siemens-Chef Peter Löscher bald drohen. Nämlich dann, wenn seine Bemühungen, den zuletzt arg gebeutelten Technologiekonzern wieder auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zu bringen, keine Ergebnisse zeigen.

Sechs Milliarden Euro wollte Löscher einsparen. Das kündigte der Österreicher im vergangenen Jahr an. Dadurch sollte die konzernweite Rendite bis 2014 von zuletzt 9,5 Prozent auf zwölf Prozent steigen. Doch es sieht nicht danach aus, als folgten die Münchner einem schlüssigen Programm. Vielmehr hat man den Eindruck, als eile die Mannschaft um Löscher hektisch von einem Brandherd zum anderen. Inzwischen liegt das Sparziel schon bei 6,3 Milliarden Euro – weil sich das Geschäft erneut schlechter als erwartet entwickelt hat.

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Weil sich der Markt schwächer als angenommen entwickelt hat, wollte Siemens den Verlustbringer Solargeschäft verkaufen, nur um jetzt erstaunt festzustellen, dass es gar keine Käufer für die Sparte gibt – der Markt hat sich eben schlechter entwickelt. Zu den Problemen bei der Anbindung der Nordsee-Windparks und den Verzögerungen bei der Lieferung von 16 ICE-Zügen an die Deutsche Bahn kommen nun Schwierigkeiten mit Hochgeschwindigkeitszügen für Eurostar. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann die nächste Hiobsbotschaft kommt.

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Aus China, dem wichtigen Wachstumsmarkt für Siemens, kämen keine Impulse mehr, erklärte Löscher heute. Das war zu erwarten, hätte man genauer hingeschaut. Das Land hat seit 2008 gewaltige Schulden angehäuft und ist vor allem mit sich selbst beschäftigt. Wie Siemens die angepeilten Einsparungen letztlich erzielen will, ist unklar. Von 20.000 Einzelmaßnahmen ist die Rede. Immer wieder tauchen Zahlen zu angeblich geplanten Stellenstreichungen auf, ohne dass jemand am Wittelsbacher Platz sie schlüssig erklären würde. Die Arbeitnehmervertreter sprechen von einer Salamitaktik.

Auf der letzten Hauptversammlung im Januar war es verhältnismäßig ruhig. Auf dem nächsten Aktionärstreffen könnte es anders aussehen: Klassenziel verfehlt, könnte es dann heißen.

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