Quartalszahlen: Siemens-Erfolgsbilanz weist Schönheitsfehler auf

Quartalszahlen: Siemens-Erfolgsbilanz weist Schönheitsfehler auf

, aktualisiert 10. November 2011, 08:22 Uhr
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Ein Siemens-Mechatroniker arbeitet an einer Verdichter-Turbinen-Kombination.

Quelle:Handelsblatt Online

Siemens kann seinen Gewinn steigern. Allerdings trüben Abschreibungen auf das Solargeschäft und in der Medizintechnik sowie der teure Ausstieg aus dem Nuklear-Gemeinschaftsunternehmen Areva ein wenig die Erfolgsbilanz.

MünchenDer Münchener Technologiekonzern Siemens zeigt sich nach einem kräftigen Gewinnanstieg im abgelaufenen Geschäftsjahr vorsichtig für die absehbare Zukunft. Der Umsatz werde um drei bis fünf Prozent wachsen, der Gewinn des fortgeführten Geschäfts auf vergleichbarer Basis auf dem Niveau des Vorjahres von sechs Milliarden Euro stagnieren, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Damit enttäuschen die Münchner die Analysten, die für das neue Geschäftsjahr 2011/12 mit rund einer halben Milliarde Euro mehr Gewinn gerechnet hatten.

Mittelfristig erwartet Siemens-Chef Peter Löscher dennoch ein kräftiges Plus. „Wir sind gut gerüstet für ein moderates Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2012 und das mittelfristige Überschreiten der 100-Milliarden-Euro-Schwelle“, erklärte er.

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Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 (per Ende September) legte der Nettogewinn des Technologieriesen um gut die Hälfte auf 6,3 Milliarden Euro zu. Der Umsatz des fortgeführten Geschäfts kletterte um sieben Prozent auf 73,5 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen drei Euro je Aktie bekommen, nach 2,70 Euro im Vorjahr.

20112010
Umsatz73,569,0
Gewinn nach Steuern6,34,1
EBITDA10,39,7
Mitarbeiter gesamt402.000405.000
Mitarbeiter Deutschland127.000128.000

In Milliarden Euro; das Geschäftsjahr von Siemens endet am 30. September

Im Schlussquartal lag der Gewinn bei 1,23 Milliarden Euro nach einem Verlust im Vorjahr. Der Umsatz kletterte um fünf Prozent auf 20,35 Milliarden Euro. Besonders gut lief zuletzt das Geschäft mit Industrieausrüstungen, während das Segment Energietechnik einen Gewinnrückgang verkraften musste. Der Schwund geht vor allem auf eine Wertminderung im Solargeschäft zurück. Der Konzern schrieb auf die israelische Solel 231 Millionen Euro ab - fast den ganzen Kaufpreis aus dem Jahr 2009. Der Auftragseingang konzernweit ging um zwei Prozent zurück.

Für die kommenden beiden Jahre nimmt sich Löscher die Konzernbaustelle Medizintechnik vor. Dort sollen Kosten gespart werden, in der erfolglosen Strahlentherapie steht auch der Abbau von mehreren hundert Stellen in Deutschland an.


Stellenstreichungen geplant

Der Stern der Leuchtmitteltochter Osram sank zuletzt weiter. Obwohl der Umsatz um sechs Prozent geklettert war, ging der Gewinn des Börsenkandidaten um fast ein Fünftel auf 54 Millionen Euro zurück. Dennoch hält Löscher an den Börsenplänen für Osram fest, wie er Reuters-Insider-TV sagte.

Siemens plant aufgrund des Kostendrucks in den Gesundheitssystemen zahlreicher Länder Stellenstreichungen in seinem Geschäftssektor Health Care. Der Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland solle in den nächsten beiden Jahren erfolgen und werde den Bereich Strahlentherapie betreffen, teilte Siemens am Donnerstag in München mit. Wie viele Arbeitnehmer genau betroffen sein werden, wurde zunächst nicht gesagt. Dem Vernehmen nach handelt es sich um eine Anzahl im mittleren dreistelligen Bereich.

Derweil will sich der Konzern vor allem im Bereich der Industriesoftware weiter verstärken. Denn die digitale Planung von Produkten und ihrer Herstellung wächst zunehmend mit der realen Fertigung zusammen. Mit der gestern verkündeten Übernahme des US-Spezialisten Vistagy will Siemens nun die nach eigenen Angaben "weltweit führende Position bei Industriesoftware" ausbauen.

Rund 17 000 Software-Entwickler beschäftigt Siemens - und spielt damit in einer Liga mit Branchenriesen wie SAP oder Microsoft. "Siemens ist ein großer Player in der Software-Entwicklung. Das wird oft unterschätzt", sagt Siemens-Forschungschef Reinhold Achatz im Gespräch mit dem Handelsblatt.


Siemens im Übernahmefieber

Mit der Akquisition setzt Siemens eine Reihe von Zukäufen fort. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern unter anderem den US-Konzern UGS, die deutsche Innotec und zuletzt Active SA in Brasilien übernommen. Über eine weiteren größeren Zukauf verhandelte Siemens vor einigen Monaten intensiv - allerdings war die Firma den Münchenern offenbar zu teuer.

Mit der Übernahme holt sich Siemens eher Wissen ins Haus, denn Umsatz. Laut Branchenschätzungen kommt die US-Firma auf einen niedrigeren zweistelligen Millionenumsatz. Sie gilt aber als Spezialist für Software für das Design und die Fertigung moderner Verbundwerkstoffe. Diese wurden anfangs vor allem von Flugzeug- und Autobauern verwendet, setzen sich aber zunehmend auch in anderen Produkten durch.

Dank der Übernahme ist Siemens nun nach eigener Einschätzung weltweit das einzige Unternehmen, das den gesamten Wertschöpfungsprozess für Karbonfaserteile - von der Idee über die Entwicklung bis zur Fertigung - durchgängig mit eigenen Software-Anwendungen begleiten kann.

Dass sich Siemens nicht mehr nur auf die Hardware konzentriert, ist auch das Ergebnis eines schmerzhaften Lernprozesses. "Oft ist das Problem von erfolgreichen Organisationen, dass sie durch ihren Erfolg blind werden für Paradigmenwechsel", sagt Forschungschef Achatz.

Die Telekommunikation ist für Siemens ein besonders erschreckendes Beispiel. Hier lagen die Wurzeln des Münchener Konzerns. Die Hardware wurde von den Siemens-Ingenieuren immer perfekter weiterentwickelt. Doch dabei verschliefen sie den Wechsel hin zu softwarebasierten Lösungen. "Da hat man das Internet völlig falsch eingeschätzt", räumt Achatz ein. So einen Fehler will Siemens nicht noch einmal machen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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