Radikaler Umbau: Kaeser kappt das Sektoren-Konzept

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Radikaler Umbau: Kaeser kappt das Sektoren-Konzept

Schluss mit Siemens, wie es einmal war. Joe Kaeser hat sich dazu durchgerungen, die vier Geschäftsbereiche des Konzerns abzulösen. Anlass für den radikalen Schritt ist offenbar eine interne Befragung, die er im vergangenen Sommer bei seinen Konzernmanagern durchführte.

Die Entscheidung Joe Kaesers, die vier von seinem Vorgänger Peter Löscher geschaffenen Sektoren aufzulösen beziehungsweise neu zuzuschneiden, dürfte auf geharnischte Kritik seiner Manager an der Verfassung des Konzerns zurück gehen. Dies ließ er auf dem Münchner Management Kolloquium durchblicken.

Bisher hatten die Münchner ihr Geschäft in die Sektoren Healthcare, Energy, Industry und Infrastructure & Cities gegliedert. Künftig soll es, wie schon unter dem früheren Siemens-CEO Heinrich v. Pierer, nur noch Geschäftseinheiten geben. Dies ist ein einschneidender Schritt, mit dem Kaeser die Abläufe beschleunigen will und mit seinen Geschäften wieder näher an den Kunden will. Über die Zukunft des Großsegments Infrastruktur & Städte war schon länger spekuliert worden. Unter diesem Dach hatte Löscher Geschäfte gebündelt, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun hatten – Verkehrsleitsysteme, Hochgeschwindigkeitszüge, Gepäckförderanlagen oder auch Videoüberwachungs- und Alarmanlagen. Die Idee dahinter: Die Münchener sollten zur zentralen Anlaufstelle für alle Zukunftsfragen der Urbanisierung werden.

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Grafik "Ausgewogenes Portfolio"

Umsatz nach Sektoren und Divisionen - die vier Sektoren wird es künftig so nicht mehr geben (zum Vergrößern bitte anklicken).

Das Ergebnis lag in den ersten neun Monaten mit 140 Millionen Euro 80 Prozent unter dem Wert des Vorjahres (686 Millionen Euro). Schuld daran waren unter anderem die Verzögerungen bei der Lieferung der ICE-Züge. Boshaft wurde der Sektor als „Peters Resterampe“ bezeichnet - nun ist er Geschichte. Bei Siemens bleibt seit dem Amtsantritt von Joe Kaeser kein Stein auf dem anderen.

Schon im Oktober 2013 hatte Kaeser angekündigt die so genannte Cluster-Struktur, die Vorgänger Löscher eingeführt hatte, aufzulösen. Mehrere Länder waren zu einer Gruppe (Cluster) gebündelt worden, damit soll Schluss sein.

Wo Siemens den Anschluss verpasst hat

  • Telefonie

    Nach jahrelangen Verlusten verkaufte Siemens das Handygeschäft an die später in die Pleite geschlitterte BenQ. Die Heimtelefone wurden ins selbstständige Unternehmen Gigaset ausgelagert.

  • Netzwerke

    Weil Siemens bei der Technologie für Kommunikationsnetzwerke hoffnungslos hinterherhinkte, schob man das Geschäft in das Joint-Venture NSN ab, das Nokia jetzt komplett übernimmt.

  • Computer

    Auch im einst großen IT-Geschäft geriet Siemens ins Hintertreffen und verkaufte: Die Hardware ging an den japanischen Partner Fujitsu, die IT-Dienstleistungen an die französische Atos.

  • Halbleiter

    Im Jahr 2000 brachte Siemens seine Chipaktivitäten als Infineon an die Börse; passive Bauelemente wie Transistoren wurden als Epcos abgespalten. Sie gehören heute TDK aus Japan.

  • Lichttechnik

    Weil Siemens den anhaltenden Preisdruck und die notwendigen Investitionen nicht allein stemmen wollte, ging die Lichttochter Osram Anfang Juli an die Börse.

Kaeser verspricht sich von der Abschaffung wieder mehr Nähe zu den jeweiligen Märkten. „Wir machen Siemens damit einfacher und stärken deutlich unsere Regionen.“ Durch die Neuorganisation entfällt eine organisatorische Ebene. Bisher war geplant, dass die für Siemens nach Geschäftsvolumen und Wachstumsperspektiven wichtigsten Länder künftig direkt an die vier Vorstände berichten, die für die Sektoren Energy, Healthcare, Industry und Infrastructure& Cities verantwortlich sind. Hier wird Kaeser ebenfalls neue Strukturen schaffen.

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