Rahmenbedingungen: Unternehmer warnen vor verfrühter Euphorie

Rahmenbedingungen: Unternehmer warnen vor verfrühter Euphorie

, aktualisiert 25. November 2011, 11:37 Uhr
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Irische Nationalflagge: Das Land braucht Exportwachstum.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Den niedrigen Unternehmenssteuersatz hat Irland in der Krise hartnäckig verteidigt. Doch den Firmen reicht das nicht. Sie fordern bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen für weitere Investitionen auf der Insel.

DublinSie geben sich alle Mühe, Optimismus zu verbreiten. „Unser Geschäft ist antizyklisch und läuft ganz hervorragend“, sagte Dana Strong, Chefin des Kabelfernsehsenders UPC. Neben ihr sitzt Christina Ourmières, Chefin der Fluggesellschaft Cityjet, auf dem Podium bei einer Tagung des irischen Unternehmerverbands IBEC und schwärmt: „Der Grad an Unverwüstlichkeit, den die Menschen hier an den Tag legen, ist ungemein beeindruckend.“ Und IBEC-Chef Danny McCoy toppt immer wieder die Zuversicht der Diskussionsteilnehmer: „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Exportsunternehmen in Irland jetzt schon fast an ihrer Auslastungsgrenze arbeiten und das Potenzialwachstum in diesem Land doppelt so hoch ist wie im europäischen Durchschnitt.“

Wer den Diskussionen auf der IBEC-Konferenz irischer Unternehmen Mitte dieser Woche zuhörte, konnte den Eindruck bekommen, das Land habe die Krise bereits abgeschüttelt, der keltische Tiger sei wieder zum Leben erweckt worden. Die Unternehmer beschworen ihre Exporterfolge – die Ausfuhren legten seit Jahresanfang um vier Prozent zu – und den Außenhandelsüberschuss des Landes. Dieser lag im September elf Prozent über dem Niveau des Vormonats – bei 4,1 Milliarden Euro.

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Das Land braucht das Exportwachstum, um das Haushaltsdefizit und die Verschuldung zu senken. Doch was die Manager zunächst nicht ausdrücklich erwähnen: Ob dieser Aufwärtstrend anhält, ob es mit den Exporterfolgen so weitergeht, das hat das Land nicht selbst in der Hand. Das ist abhängig von der Konjunkturentwicklung in Europa und in den USA. „Und solange die Eurokrise anhält und die Unsicherheit die Eurozone beherrscht, wird Irlands Wirtschaft sich nur ganz langsam erholen“, sagt Philip Lane, Ökonomieprofessor am Trinity College in Dublin.

Es war eine Kombination vor allem aus zwei Faktoren, die in Irland den Aufbau einer Exportindustrie überhaupt erst möglich machte und den enormen Aufschwung Ende der 90er Jahre: Unternehmenssteuern von 12,5 Prozent und ein gut ausgebildeter Nachwuchs. Das lockte Investitionen an – vor allem aus den USA. Zuerst kamen Unternehmen aus der Computer- und Softwarebranche, später bauten Textilfirmen und Pharmakonzerne ihre Produktionsstätten und Callcenter auf der Insel auf und eröffneten ihre Europa-Zentralen in der irischen Hauptstadt.


Unantastbarer Unternehmenssteuersatz reicht nicht

Diese Entwicklung bescherte Irland Wachstumsraten, wie sonst nur aus Asien bekannt. Um durchschnittlich acht Prozent legte die Wirtschaftsleistung von Jahr zu Jahr zu. Zum ersten Mal in seiner Geschichte gab es in Irland Anfang des neuen Jahrtausends Vollbeschäftigung.

Was damals die Investitionen aus dem Ausland anzog, das haben die Iren auch im Zuge der Krise verbissen verteidigt. Der Unternehmenssteuersatz liegt weiterhin bei 12,5 Prozent. Er ist für die Iren unantastbar. Einschnitte im Bildungsbereich versucht die Regierung ebenfalls zu verhindern.

Doch das reicht den Firmen nicht: „Wir wollen investieren, wir wollen Arbeitsplätze schaffen, aber die Rahmenbedingungen der Regierung müssen stimmen und dies fördern“, fordert Julie O`Neill vom Unternehmerverband IBEC „statt uns zu entmutigen – etwa durch die geplante Anhebung der Mehrwertsteuer.“ Das werde die Wirtschaftsentwicklung bremsen.

Pat O’Donnell von dem Arzneimittelkonzern und Botox-Hersteller Allergan hat noch weitere Wünsche an die Regierung: Sie müsse weiterhin die Infrastruktur des Landes verbessern und dürfe da nicht sparen. „Es geht da nicht um große Summen, wenn wir darüber sprechen, dass bestimmte Schnellstraßen ausgebaut werden, aber das hätte eine enorme Wirkung bei der Sicherung von Arbeitsplätzen und der Schaffung von neuen Jobs“, betont O’Donnell.

Der Unternehmerverband IBEC erwartet, dass die Beschäftigung bereits 2016 das Vorkrisenniveau erreicht. Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young sind deutlich skeptischer. Erst 2030 werde die Krise auf dem Arbeitsmarkt verdaut sind und das Beschäftigungsniveau von 2007 wieder erreicht, sagen sie voraus. Derzeit liebt die Arbeitslosigkeit bei 14 Prozent, 2007 waren es 4,5 Prozent.

Waren es zunächst Produktionsstätten für Computer und Computerchips, die die irische Wirtschaft beflügelten, sind es jetzt eher Service- und Forschungszentren, die die Unternehmen auf der Insel ausbauen. „Irland ist wohl einer der offensten und flexibelsten Wirtschaftsstandorte, die es in Europa gibt“, sagt der Manager eines amerikanischen Pharmakonzerns, „aber es ist vergleichsweise teuer inzwischen.“ Einstiegsgehälter seien zwar im Zuge der Krise gesunken, aber die langjährigen Mitarbeiter verdienten in der Regel noch sehr gut. „Um weiter mit den vergleichsweise hohen Lohnkosten leben zu können, dürfen sich die anderen Rahmenbedingungen nicht verschlechtern.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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