Ranbaxy: Schnell und prozessierfreudig

Ranbaxy: Schnell und prozessierfreudig

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Ein halbes Dutzend Medikamente auf der Kopierliste: Ranbaxy-Chef Sawhney in seiner Firmenzentrale

von Jürgen Salz

Wie Indiens größter Arzneihersteller zum Schrecken der etablierten Pharmariesen wurde. Ein Besuch bei einem der angriffslustigsten Spieler der Branche.

Wer in das Allerheiligste des indischen Arzneiherstellers Ranbaxy vordringen will, muss weiße Schutzkleidung anlegen: Kittel und Hose, Überschuhe, Mundschutz und Häubchen. Kein Staubteilchen darf die empfindliche Pillenproduktion hier im Werk Mohali im Norden Indiens stören. Monitore mahnen zur Achtsamkeit und warnen vor Unfallgefahren. In den Laboren wimmelt es weniger vor Forschern als vor blitzblanken Behältern und Maschinen aus Edelstahl. Die Tablettenpressen des größten indischen Pharmakonzerns stammen von den Maschinenbauern Korsch aus Berlin-Wittenau und Fette Compacting aus dem schleswig-holsteinischen Schwarzenbek. Das Alexanderwerk im nordrhein-westfälischen Remscheid hat die Anlagen geliefert, die Pulver zu Granulat verdichten, um es besser zu Tabletten verarbeiten zu können.

Deutsche Wertarbeit trägt dazu bei, dass Ranbaxy mit rund zwei Milliarden Dollar Jahresumsatz zum Schrecken der etablierten westlichen Pharmakonzerne geworden ist. Der neueste Wirkstoff, den die Inder mit den Anlagen made in Germany produzieren, heißt Atorvastatin. Bis vor Kurzem war er eine Gelddruckmaschine für seinen Erfinder, den 30-mal so umsatzstarken US-Konzern und Weltmarktführer Pfizer, der den Wirkstoff unter dem Markennamen Lipitor vermarktet. Es ist der größte Coup, den die Ranbaxy-Zentrale in der Hauptstadt Delhi in jüngster Zeit landete. Über ein Jahrzehnt lang brachte das Mittel zur Senkung des Cholesterinspiegels Pfizer prächtige Einnahmen, insgesamt 130 Milliarden Dollar. Jetzt aber macht vor allem Ranbaxy das Geschäft. In den USA nahmen die Inder den Amerikanern in der ersten Hälfte dieses Jahres 50 Prozent des Umsatzes mit Atorvastatin ab.

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Vor allem nachgeahmte Präparate

Ranbaxy gehört seit 2008 zum japanischen Pharmakonzern Daiichi Sankyo und produziert mit 14.000 Mitarbeitern vor allem nachgeahmte Präparate. Nahezu alle indischen Medikamentenhersteller leben vom Generikageschäft. Etwa 20 Prozent der weltweiten Nachahmerpräparate stammen vom Subkontinent.

Obwohl in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, agiert Ranbaxy in Europa, den USA sowie den aufstrebenden Schwellenländern. In Deutschland sind die Produkte vor allem unter der Pharmamarke Basics bekannt. Wer unter zu hohen Cholesterinwerten leidet, kennt den orangefarbenen Schriftzug, wenn der Arzt das billigere Atorvastatin von Basics anstelle der teureren Urversion von Pfizer verschreibt.

Ein Bruchteil des Preises

Der indische Konzern hat das Geschäftsmodell der Generikaproduzenten perfektioniert, Top-Medikamente der Konkurrenz zu einem Bruchteil des bisherigen Preises anzubieten. „Ranbaxy wird den Originalherstellern weiter Marktanteile und Einnahmen abjagen“, prognostiziert Thimo Sommerfeld, Managing Director bei der auf die Gesundheitsbranche spezialisierten Beratung Abolon. Das Unternehmen sei ein „sehr ernst zu nehmender Gegner für die etablierte Pharmaindustrie“.

Zu den Deutschen, die Ranbaxy fürchten müssen, zählen nach Meinung von Experten Boehringer Ingelheim mit dem Lungenpräparat Spiriva oder Merz mit dem Alzheimermittel Memantine. Zu spüren bekam die Angriffslust von Ranbaxy bereits Grünenthal. Als Mitte der Neunzigerjahre Indien ein internationales Abkommen zum Schutz geistigen Eigentums noch nicht unterzeichnet hatte, konnten sich die Aachener dort kein Patent auf ihr vielversprechendes Schmerzmittel Tapentadol sichern. Ranbaxy bemächtigte sich der Formeln, kopierte das Mittel, ohne je in die Forschung investiert zu haben – und vertreibt es bis heute in Indien.

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