Recaro und BMW: Das sind Deutschlands beste Fabriken

Recaro und BMW: Das sind Deutschlands beste Fabriken

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Mark Hiller, Zsolt Kulcsar, Joachim Ley (v. l. n. r.). Der geschäftsführende Gesellschafter Hiller will den Umsatz bis 2018 deutlich steigern.

von Kristin Schmidt und Manfred Engeser

Kunden in die Entwicklung einbeziehen, Fehler transparent machen, Mitarbeiter nach Vorschlägen fragen: Der Schlüssel zum Erfolg lautet "Komplexes einfach machen". Was Deutschlands beste Fabriken auszeichnet.

Hundert Kilo wiegt die Metallpuppe, die auf dem grauen Flugzeugsitz drapiert ist, der im Testlabor von Recaro Aircraft Seating steht. Unentwegt wird er vor- und zurückgekippt – 100.000 Mal muss er die Prozedur überstehen. Dann hat er den Test bestanden. Einen von vielen. 100.000 Anforderungen muss ein Sitz erfüllen, bevor er den Segen von Luftfahrtbehörden, Flugzeugbauern, Airlines und Recaro selbst erhält. Die Bezüge etwa müssen schwer entflammbar sein, die Armlehne darf eine bestimmte Höhe nicht überschreiten.

Und: Jeder Kunde kann die Sitze nach seinen Wünschen konfigurieren – von der Farbe bis zur Kopfstütze. Bis zu 30 unterschiedliche Sitze gibt es in einem Flugzeug: In der ersten Reihe kommen die Tische aus der Armlehne, die letzte Reihe braucht keinen Bildschirm in der Rückenlehne. „Diese enorme Vielfalt, gepaart mit hoher Qualität und 100-prozentiger Liefertreue, ist schon beeindruckend“, sagt Arnd Huchzermeier, Professor an der WHU – Otto Beisheim School of Management und Jurymitglied beim Wettbewerb „Die Beste Fabrik“.

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Gemeinsam mit seinen Kollegen von der TU Eindhoven, der Rotterdam School of Management, der Koç Universität, der IESE Business School, der HEC Paris, der Judge Business School und Insead hat Huchzermeier Recaro zum deutschen Sieger erkoren. Der Mittelständler konnte sich knapp gegen das Cockpitwerk von BMW in Wackersdorf durchsetzen. Nur wer sowohl mit seinem Geschäftsmodell als auch mit dessen Umsetzung überzeugt, kann den deutschen Teil des europaweit ausgeschriebenen Industrial Excellence Awards gewinnen.

Mehr zur Veranstaltung "Beste Fabrik"

  • Die Besten der Besten

    Die Landessieger aus Deutschland, Frankreich, Spanien, der Türkei und den Niederlanden kämpfen am 29. und 30. September 2015 um den Titel „Beste Fabrik Europas“. Auf der Konferenz in Stuttgart, die WirtschaftsWoche und Euroforum veranstalten, stellen die Manager der europäischen Top-Fabriken ihre Konzepte vor. Am zweiten Tag steht ein Werksbesuch beim deutschen Sieger Recaro Aircraft Seating in Schwäbisch Hall auf dem Programm. Die Teilnahmegebühr beträgt 2199 Euro, wer sich bis zum 24. Juli 2015 anmeldet, ist für 1999 Euro dabei. Infos und Anmeldung: www.bestefabrik-konferenz.de

Recaro zählt zu den größten Flugzeugsitzherstellern der Welt

„Spitzenqualität ist die beste Immunisierungsstrategie gegen Wettbewerber aus Fernost“, sagt Huchzermeier. Und damit wichtig für die deutsche Wirtschaft. Liegt doch der Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt seit 20 Jahren auf unverändert hohem Niveau – 2014 bei 22,3 Prozent. Und damit deutlich höher als etwa in Frankreich (11,4 Prozent) oder Großbritannien (9,4 Prozent).

Grundlage für diesen Erfolg: Mittelständler wie Recaro, der mit 14 Prozent Marktanteil zu den größten Flugzeugsitzherstellern der Welt zählt. Umsatzziel bis 2018: 600 Millionen Euro – ein Plus von 60 Prozent. Eine realistische Prognose, denn die Zahl der weltweit eingesetzten Passagierflugzeuge wird sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln – auf 37.500. 12.000 weitere Maschinen werden ersetzt.

So schneidet Deutschland als Wirtschaftsstandort ab

  • DIHK-Umfrage im Netzwerk Industrie 2014

    Frage: Wie bewerten die Unternehmen mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland die folgenden Standortfaktoren im internationalen Vergleich?

    Im Rahmen der Umfrage wurden 1300 Unternehmen befragt und gebeten ihre Meinungen mit den Durchschnittsnoten von 1 („klarer Wettbewerbsvorteil“) bis 6 („nicht wettbewerbsfähig“) einzuordnen.

    Quelle: Deutsche Industrie und Handelskammer // DIHK-Umfrage im Netzwerk Industrie 2014

  • Qualität von Fachkräften

    2011: Note 2,4

    2014: Note 2,3

  • Verfügbarkeit Zulieferunternehmen/Dienstleister

    2011: Note 2,4

    2014: Note 2,3

  • Sozialer Friede

    2011: Note 2,4

    2014: Note 2,4

  • Energiesicherheit

    2011: Note 2,7

    2014: Note 2,5

  • Rechtssicherheit

    2011: Note 2,8

    2014: Note 2,6

  • Vernetzung Forschung/Hochsch. mit Unternehmen

    2011: Note 2,8

    2014: Note 2,6

  • Verfügbarkeit von Gewerbeflächen

    2011: Note 2,5

    2014: Note 2,7

  • Verfügbarkeit von Rohstoffen

    2011: k.A.

    2014: Note 2,8

  • Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen

    2011: Note 3,3

    2014: Note 2,9

  • Umfeld für unternehmerische Innovationsakt.

    2011: Note 3,0

    2014: Note 2,9

  • Verkehrsinfrastruktur

    2011: Note 2,5

    2014: Note 2,9

  • Verfügbarkeit von geeigneten Fachkräften

    2011: Note 3,1

    2014: Note 3,0

  • IT-Infrastruktur

    2011: Note 2,5

    2014: Note 3,1

  • Politische Unterstützung im globalen Wettbewerb

    2011: Note 3,6

    2014: Note 3,2

  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf

    2011: Note 3,8

    2014: Note 3,5

  • Umweltschutzauflagen

    2011: Note 3,6

    2014: Note 3,5

  • Demografische Entwicklung

    2011: k.A.

    2014: 3,7

  • Flexibilität des Arbeits- und Tarifrechts

    2011: Note 4,0

    2014: Note 3,7

  • Effizienz der Behörden

    2011: Note 4,1

    2014: Note 3,8

  • Planungs- und Genehmigungsverfahren

    2011: Note 4,0

    2014: Note 3,9

  • Einstellung der Bevölkerung zu Großprojekten

    2011: Note 4,1

    2013: Note 4,0

  • Steuern und Abgaben

    2011: Note 4,4

    2014: Note 4,1

  • Energiekosten

    2011: Note 4,2

    2014: Note 4,4

  • Steuerrecht Komplexität / Praxistauglichkeit

    2011: Note 4,8

    2014: Note 4,5

Alleine am Standort in Schwäbisch Hall produziert Recaro jährlich 30.000 Sitze – und das ganz ohne Automatisierung: In der Werkshalle gibt es keine Roboter. Gebeugt über ausgedruckte Konstruktionszeichnungen setzen Mitarbeiter jeden einzelnen Sitz Schritt für Schritt zusammen. „Gute deutsche Handarbeit“, sagt Hirofumi Matsuo, Professor an der Kobe-Universität und Juror. „Diese Menge an Varianten lässt keine automatisierte Fertigung zu.“

Digitalisierung Jobs der Zukunft

Die nächste Generation der Industrie wird den Arbeitsmarkt umkrempeln. Skeptiker fürchten Stellenstreichungen, doch tatsächlich entstehen mit der Digitalisierung völlig neue Beschäftigungsbereiche. Die Jobs der Zukunft.

Digitalisierung: Jobs der Zukunft

Trotzdem liegt die Reklamationsquote bei nur einem Prozent. „Wir sind stolz auf unsere qualifizierten Mitarbeiter“, sagt Mark Hiller, geschäftsführender Gesellschafter von Recaro Aircraft Seating. „Ohne sie wäre diese Qualität nicht zu gewährleisten.“ Im Schnitt bleiben sie zehn Jahre, kennen Produkte und Arbeitsschritte bis ins Detail.

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