Rechtsstreit um Medikament: Boehringer zahlt 650 Millionen Dollar

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Rechtsstreit um Medikament: Boehringer zahlt 650 Millionen Dollar

von Jürgen Salz

Der Pharmakonzern Boehringer hat den jahrelangen Rechtsstreit gegen das Thrombose-Präparat Pradaxa beigelegt - und einen Vergleich in Höhe von 650 Millionen US-Dollar geschlossen.

Eigentlich sollten im September die Schadenersatz-Prozesse gegen das Boehringer-Präparat Pradaxa beginnen. Das Mittel steht im Verdacht, Patienten zu schädigen und im Extremfall tödliche Blutungen zu verursachen. Doch nun hat Boehringer den Rechtsstreit vorab beigelegt – und einen Vergleich über die Summe von 650 Millionen Dollar (etwa 470 Millionen Euro) geschlossen.

„Wir stehen weiterhin entschlossen hinter Pradaxa“, sagte Andreas Neumann, Chefjustiziar des nach Bayer zweitgrößten Pharmaunternehmens aus Deutschland, „ wir waren und sind überzeugt, dass die Ansprüche der Kläger unbegründet sind und wir dies auch in den Prozessen hätten zeigen können.“

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Doch Boehringer wollte sich nicht den Unwägbarkeiten des US-Rechtssystems aussetzen – mit Anwälten, die mit gezielten Werbekampagnen auf Mandantenfang gehen und Jurys, die aus medizinischen Laien bestehen.

Die größten Probleme bei Boehringer

  • 15 Monate lang

    untersucht die US-Behörde FDA bereits die Produktion im Stammwerk Ingelheim, weil ein Wirkstoff Fremdpartikel aufwies.

  • 2300 Schadensersatzklagen

    gegen Boehringer sind in den USA wegen des Anti-Schlaganfall-Mittels Pradaxa eingegangen

  • 600 Millionen Euro

    hat Boehringer in seine heruntergekommene US-Fabrik in Bedford/Ohio investiert. Nun wird das Werk mit 1100 Jobs geschlossen

Derzeit gibt es etwa 4000 Ansprüche gegen Boehringer. Das Unternehmen aus Ingelheim bei Mainz rechnet damit, dass die Mehrheit der Kläger oder sogar alle Kläger den Vergleich annehmen werden. Gegen Kläger, die das nicht tun, will sich Boehringer energisch verteidigen.

Die Pradaxa-Prozesse hätten Boehringer jahrelang in den Schlagzeilen gehalten und dem Image des rheinland-pfälzischen Unternehmens wohl Schaden zugefügt. Mit der Zahlung von 650 Millionen Dollar erkauft sich Boehringer nun Ruhe und kann sich bevorzugt wieder dem eigentlichen Unternehmenszweck, der Entwicklung von Medikamenten, widmen.

Das Vorgehen bleibt allerdings ungewöhnlich: Dass ein Konzern vorab einen Vergleich in dieser Größenordnung abschließt, ist so gut wie nie vorgekommen. Inwieweit das Schule macht, wird sich zeigen.

Boehringers Konkurrent Bayer hatte Anfang des Jahrtausends jahrelang wegen seines Cholesterinsenkers Lipobay in den USA prozessiert und am Ende – wie nahezu alle anderen Unternehmen – doch einen teuren Vergleich in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar abgeschlossen.

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Die 650 Millionen Dollar sind auch für Boehringer keine Kleinigkeit. Zumal die Ingelheimer in den vergangenen Jahren auch noch Hunderte Millionen Dollar in einer maroden, inzwischen geschlossenen Fabrik in Bedford im US-Bundesstatt Ohio versenkt haben.

Doch gegenüber anderen Pharmaunternehmen hat Boehringer einen Vorteil: Das Unternehmen ist nicht an der Börse notiert, hat keine fordernden Großaktionäre im Nacken und kann auch finanzielle Engpässe besser überstehen. Boehringer gehört zu 100 Prozent den Eigentümerfamilien Boehringer und von Baumbach.

Im Geschäftsjahr 2013 erzielte Boehringer einen Umsatz von 14,1 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis stieg gegenüber Vorjahr um 15 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Mit dem Medikament Pradaxa setzte Boehringer im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Euro um.

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