Regressforderungen: Jetzt sollen die Manager bezahlen

Regressforderungen: Jetzt sollen die Manager bezahlen

von Harald Schumacher, Claudia Tödtmann und Henryk Hielscher

Der insolvente Immobilienriese IVG will vier frühere Vorstände in Regress nehmen. Die Höhe der Forderungen könnte alle bisherigen Fälle von Managerhaftung übertreffen. Immer mehr Konzernlenker lassen ihre Vorgänger für Fehler zahlen – auch um sich selbst vor Schadensersatzansprüchen zu schützen.

Wolfhard Leichnitz wollte aus dem etwas verpennten ehemaligen Staatskonzern IVG eine ganz große Nummer im Immobiliengeschäft machen. Mitte 2006 kam der Manager nach erfolgreichen Stationen beim Baukonzern Hochtief und beim Großvermieter Viterra zu dem privatisierten Bundesunternehmen nach Bonn. Der Neue investierte mit viel Fremdkapital in Immobilienikonen wie den Londoner Büroturm Gherkin, kaufte der Allianz Gewerbeimmobilien für 1,3 Milliarden Euro ab und steckte immer mehr Geld in das von seinem Vorgänger initiierte Airrail-Center am Frankfurter Flughafen, das heute Squaire heißt und größter Klotz am Bein der IVG ist. Statt geplanter 650 Millionen Euro kostete Squaire fast das Doppelte und ist trotz intensiver Bemühungen noch nicht verkauft.

Im Herbst 2008 erzwangen die damaligen Großaktionäre, das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim und die Schweizer Santo Holding, Leichnitz’ Abschied. In gut zwei Jahren hatte er die IVG-Schulden auf über 5 Milliarden Euro verdoppelt und den Aktienkurs halbiert. In seine Amtszeit fällt der vermutlich entscheidende Niedergang der IVG, der im August dieses Jahres in den Insolvenzantrag mündete. Sie hat nun für Leichnitz und andere Ex-IVGler womöglich ein extrem teures Nachspiel.

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Schadenersatz Immobilienkonzern IVG verlangt von Ex-Vorständen Schadenersatz in Millionenhöhe

Der insolvente Bonner Immobilienkonzern IVG hat vier frühere Vorstände zur Zahlung von Schadenersatz in Millionenhöhe aufgefordert.

Schild des Immobilienkonzerns IVG Quelle: dpa

Denn nach Informationen der WirtschaftsWoche will der IVG-Vorstand – auf Anregung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz – eine Sonderprüfung aller IVG-Geschäfte von 2006 bis 2008 initiieren. Die Zustimmung von IVG-Sachwalter Horst Piepenburg – er überwacht die Insolvenz in Eigenverwaltung – steht zwar noch aus. Angebote für die Durchführung der Prüfung hat die IVG nach WirtschaftsWoche-Informationen aber schon eingeholt, unter anderem beim Münchner Wirtschaftsprüfer Deloitte.

Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen – das war einmal. Ein Tsunami von Schadensersatzforderungen wogt durch Deutschlands Chefetagen „Viele Manager sehen sich zunehmend in der Haftungsfalle und sind besorgt, was ihre eigene Haftungssituation und den Zugriff auf ihr Privatvermögen betrifft, den es früher so nicht gab“, beobachtet Headhunterin Sabine Hansen von der Personalberatung Amrop Delta in Düsseldorf.

Vor den Gerichten sind derzeit rund 6000 Managerhaftungsverfahren anhängig, schätzt Michael Hendricks, Geschäftsführer der auf Organ- und Managerhaftpflichtversicherungen (englisches Kürzel: D&O) spezialisierten Beratung Hendricks & Co in Düsseldorf. Hinzu kommen Fälle, die nicht vor Gericht landen, aber als Schadensfälle gemeldet sind. Bei durchschnittlich zwei bis drei Beklagten pro Fall bedeutet das: Rund 20 000 Manager und Ex-Manager sind derzeit mit Schadensersatzforderungen konfrontiert, so Hendricks. Vier Fünftel der Ansprüche kommen vom Ex-Arbeitgeber, der Rest von außen, etwa von Gläubigern.

Bei der IVG hat der Vorstand im Herbst zunächst durch die Kanzlei Hengeler Mueller nur den Kauf des Gherkin Towers prüfen lassen, den die IVG zusammen mit der britischen Investmentbank Evans Randall 2007 für 950 Millionen Euro erwarb. Aufgrund von Fehlern, die Hengeler Mueller dabei feststellte, wurden Leichnitz und seine damaligen Vorstandskollegen Bernd Kottmann (Finanzen), Andreas Barth (Projektentwicklungen) und Georg Reul (Investment und Fonds) in diesen Tagen von Piepenburg mit Schadensersatzforderungen jeweils in Höhe von 8,5 Millionen Euro plus Zinsen konfrontiert.

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