Rendite optimieren: Biotech-Konzern Qiagen muss sparen

Rendite optimieren: Biotech-Konzern Qiagen muss sparen

, aktualisiert 29. November 2011, 07:20 Uhr
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Qiagen plant ein umfangreiches Sparprogramm.

von Maike TelghederQuelle:Handelsblatt Online

Die große Wachstumsstory ist bei Qiagen erlahmt. Nun muss der Biotechkonzern über 300 von weltweit rund 3800 Stellen im Zuge eines umfangreiches Sparprogramms streichen. Für Aktionäre gibt es aber auch gute Nachrichten.

FrankfurtAusgerechnet das Vorzeigeunternehmen der deutschen Biotechbranche, die Firma Qiagen aus Hilden bei Düsseldorf, verordnet sich ein Sparprogramm. Weil er kaum noch wächst, strafft der Diagnostikanbieter die Strukturen und will weltweit acht bis zehn Prozent der Beschäftigten entlassen. Rund 380 Mitarbeiter sollen gehen, etwa ein Drittel davon in Deutschland. Das gab das Unternehmen gestern bekannt.

Qiagen ist einer der weltweit führenden Ausrüster für die Labore von Pharma- und Biotechfirmen. Das Unternehmen stellt unter anderem Diagnostikgeräte für die Analyse von Molekülen her. Es startete 1984 mit Produkten zur Aufbereitung des menschlichen Erbguts.

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Im zurückliegenden Jahrzehnt war Qiagen ein Highflyer in der Biotechbranche und an der Börse: Jahrelang hatte die Firma die Märkte mit zweistelligen Wachstumsraten verwöhnt. Zahlreiche Zukäufe trugen dazu bei. In der Biotechszene gilt Qiagen wegen des profitablen Wachstums als Vorzeigefirma.
Doch auch für Qiagen sind die Zeiten ungebremsten Wachstums vorbei. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ist das Unternehmen, das in Dollar bilanziert, bislang nicht gewachsen - rechnet man die Wechselkurseffekte heraus.

Nun will Unternehmenschef Peer Schatz die Kosten senken. Doppelstrukturen sollen beseitigt werden, Forschung und Entwicklung werden auf wachstumsstarke Felder wie die Molekulardiagnostik ausgerichtet. Ein Schwerpunkt des Sparprogramms liegt im Geschäftsbereich akademische Forschung. Er trägt rund 20 Prozent zum Umsatz bei, wächst aber nur wenig. Dort will die Firma in Vertrieb und Verwaltung Stellen abbauen.

Qiagen hat sich mittlerweile in der Molekulardiagnostik neben Firmen wie Roche, Abbott und Genprobe eine führende Position erarbeitet. Allerdings trifft es auch den deutschen Spezialisten, dass öffentliche Forschungsbudgets langsamer wachsen und Staaten im Gesundheitssektor Kosten senken.
Zudem hat die unsichere Wirtschaftsentwicklung in den USA dazu geführt, dass viel weniger Frauen den Qiagen-Vorsorgetest gegen Gebärmutterhalskrebs gemacht haben. Dieser Test sorgt für gut ein Viertel des Konzernumsatzes.
"Die Märkte haben sich in den vergangenen zwei Jahren so schnell verändert, dass wir unsere Strategie für künftiges Wachstum schneller als geplant umsetzen wollen", sagte Qiagen-Chef Peer Schatz dem Handelsblatt. "Wir wollen unsere Ressourcen stärker auf die Marktbereiche konzentrieren, die dynamisch wachsen."


Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen

Vor allem von der Molekulardiagnostik, die derzeit knapp die Hälfte zum Umsatz der Biotechfirma beiträgt, verspricht sich der Qiagen-Chef zweistelliges Wachstum. Dank Analyseverfahren, die auf dem Nachweis von DNA basieren, können die Ursachen von Krankheiten und die genetische Ausstattung von Patienten besser bestimmt werden. Dadurch kann die am besten geeignete Therapie ausgewählt werden. Die sogenannte personalisierte Medizin gilt als Milliardenmarkt. Unter diesem Schlagwort werden maßgeschneiderte Behandlungsmethoden verstanden, bei denen Diagnostik und Therapie eng verzahnt sind.

Das Sparprogramm soll Qiagen ab 2012 jährlich Kosteneinsparungen in Höhe von 50 Millionen Dollar pro Jahr bringen. Der Großteil davon soll aber wieder in die Fokusbereiche reinvestiert werden.

In diesem Jahr rechnet Qiagen mit Restrukturierungskosten in Höhe von rund 70 Millionen Dollar vor Steuern, von denen rund 30 Prozent cashwirksam sein sollen. Für 2012 rechnet das Unternehmen noch einmal mit 20 Millionen Dollar an Kosten. Nach Angaben von Konzernchef Schatz will Qiagen auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten und den Stellenabbau über Aufhebungsverträge sozialverträglich gestalten.

An der Prognose für das laufende Jahr, die zuletzt im Sommer zurückgenommen wurde, ändert sich nichts: Qiagen will in diesem Jahr auf Basis konstanter Wechselkurse um drei Prozent wachsen, wobei auch zugekaufte Firmen wie die australische Diagnostikfirma Celletis eingerechnet werden. Der Gewinn pro Aktie soll zwischen drei und vier Prozent zulegen.

Schatz erwartet, im nächsten Jahr wieder zu einem schnelleren Wachstum zurückkehren zu können.

Quelle:  Handelsblatt Online
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