Rohöl-Suche: Griechenland will Öl-Förderung ausbauen

Rohöl-Suche: Griechenland will Öl-Förderung ausbauen

, aktualisiert 06. November 2011, 19:11 Uhr
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Ölförderplattform des Unternehmens Energean in Griechenland.

von Martin MurphyQuelle:Handelsblatt Online

Bei den Öl-Firmen in Griechenland ist von der Krise wenig zu merken: Um von den hohen Marktpreisen zu profitieren, will das griechische Unternehmen Energean nach neuen Quellen im Land suchen. Das Potenzial ist groß.

AthenMathios Rigas ist ganz oben angekommen. Seine Firma Energean Oil & Gas hat ihren Sitz im Atrina Center, einem von Sonne und Seewind gezeichneten Glasturm im Athener Stadtteil Marousi. In der Gegend haben große Konzerne wie der frühere Telefonmonopolist OTE ihre Zentralen. Auf sie schaut Rigas herab, wenn er aus dem Fenster im obersten Stockwerk des Hochhauses schaut. „Kein Platz in Athen ist höher als dieser hier“, sagt der Vorstandschef.

Im hochverschuldeten Griechenland ist die Wirtschaft zum Erliegen gekommen. Banken geben keine Kredite, Investitionen werden auf einen fernen Tag verschoben, an dem es Griechenland besser geht.

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Rigas will dies nicht akzeptieren. Er will investieren. Der Erdölförderer Energean gehört in Griechenland zu den Aktivposten der Wirtschaft. Einer, der im europäischen Energiegefüge eine wichtige Rolle spielen will.

„Griechenland ist reich an Bodenschätzen“, sagt Rigas. Erschlossen sind die Vorkommen aber kaum. Zwar wurde früher Erdöl in dem Land gefördert, die Produktion war in den vergangenen Jahren aber weitgehend zum Erliegen gekommen. Dies änderte sich erst mit der Gründung von Energean im Jahr 2007, wie der Manager ausführt.

Die Gesellschaft übernahm die siechende Firma Kavala Oil und investierte frisches Kapital, um die Fördergebiete im Golf von Kavala nahe der Grenze zur Türkei aufzurüsten. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir 200 Millionen Dollar dafür aufgewendet“, sagt Rigas dem Handelsblatt.

Aber nicht nur hier ging der frühere Investment-Banker in die Offensive, seine Firma expandierte über die Grenzen hinweg. Energean betreibt inzwischen Förderanlagen in Ägypten, geplant ist der Einstieg in weiteren Ländern Nordafrikas.

Schwerpunkt bleibt der Heimatmarkt. Anders als die Nachbarländer Türkei oder Albanien ließ Griechenland seine Vorkommen brachliegen, auch weil der früher niedrige Ölpreis die Produktion unrentabel gemacht hatte. Jetzt, mit einem dauerhaft höheren Niveau bieten die Gewässer rund um das Land große Chancen. „Griechenland ist im Mittelmeer das Land, das seine Vorkommen am wenigsten erschlossen hat“, sagt Rigas.


Die Hoheitsgewässer reichen von der albanischen Grenze bis nach Kreta

Nach offiziellen Angaben liegen die Ölreserven bei zehn Millionen Barrel (159 Liter). Tatsächlich sollten die Vorkommen erheblich größer sein. Schätzungen reichen bis zu 26 Milliarden Barrel, von denen aber nur ein Teil erschließbar ist.

Diesen Schatz will das finanziell klamme Land nun heben. In den Hoheitsgewässern, die sich von der albanischen Grenze bis hinunter zur Insel Kreta ziehen, sollen Unternehmen nach Öl suchen dürfen. Energean werde dabei sein, sagt Rigas.

Die jährliche Produktion von derzeit einer Million Barrel soll damit deutlich erhöht werden. Aber auch ohne neue Vorkommen wird sich die Ausbeute wegen der Investitionen in neue Förderanlagen mehr als verdoppeln, wie er sagt.

Energean will nicht nur Öl fördern, das Unternehmen sucht seinen Platz auch im internationalen Gashandel. Griechenland ist ein Transferland für den Energieträger aus Zentralasien und dem Nahen Osten. Geplante Pipelines wie South Stream und Nabucco sollen über griechischen Boden verlaufen oder nahe an dem Land vorbeigeführt werden. Um daraus Kapital zu schlagen, will Rigas zusammen mit dem italienischen Energiekonzern Edison einen Gasspeicher bauen.

„Ideal geeignet ist dafür ein ausgeschöpftes Gasfeld im Golf von Kavala“, sagt Rigas. Das Gebiet sei bereits an das nationale Gasnetz angeschlossen. Die Investitionen beziffert er auf 400 Millionen Dollar. „Das Geld liegt bereit, aber wir können nicht loslegen.“ Die Regierung gebe ohne Angabe von Gründen keine Genehmigung.

Dabei wäre der Speicher im Interesse aller Griechen, könnte mit diesem das Land doch 50 Tage lang mit Gas versorgt werden. Derzeit gibt es keine Speicher, bei Engpässen werden die Preisaufschläge direkt an die Kunden weitergegeben.

Rigas hat noch ein weiteres Ziel fest im Blick: den Gang an die Börse. Die fertigen Pläne dafür hatte er wegen der Krise zurückstellen müssen. Vorerst, wie der Grieche sagt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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