Rosen gegen R&R Ice Cream: Eine Personalie wirbelt den Eiscreme-Markt auf

Rosen gegen R&R Ice Cream: Eine Personalie wirbelt den Eiscreme-Markt auf

von Mario Brück

Der Inhaber des größten deutschen Speiseeisherstellers Rosen verkauft seinen Betrieb - und heuert beim schärfsten Konkurrenten R&R Ice Cream an. Die Branche ist in Aufruhr.

DMK, Rosen und R&R sind Unternehmen, die kaum jemand kennt. Aber fast jeder Deutsche schleckt deren eiskalte Kreationen, die sich in den Eistruhen großer Handelskonzerne wie Aldi, Lidl und Penny hinter blumigen Namen wie Gelatelli, Grandessa oder Mucci verbergen.

Eine gleichermaßen überraschende wie pikante Personalie wirbelt nun die Branche der Handelsmarkenhersteller durcheinander: Gotthard Kirchner verkauft Rosen Eiskrem, den größten Hersteller von Speiseeis, an das Deutsche Milchkontor (DMK) und heuert als Deutschland-Chef bei der britischen R&R Ice Cream an, dem größten Wettbewerber in der Branche.

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Gotthard Kirchner

Vom Unternehmer zum Manager. Frontenwechsel beim früheren RosenEiskrem-Inhaber Kirchner

Der Seitenwechsel kommt für die Bremer Großmolkerei und Kirchners Ex-Unternehmen zu Unzeiten. Denn die DMK-Eiscremesparte schwächelt, Synergien aus dem Kauf von Rosen sind noch nicht mal identifiziert. Ausgerechnet in dieser Schwächephase bläst R&R mit Unterstützung von Kirchner zum Generalangriff: Es geht um die Vormachtstellung in den Eistruhen der großen europäischen Lebensmittelketten – ein Milliardengeschäft.

Handelsmarken

Das wird immer stärker von Handelsmarken dominiert. In Deutschland liegt ihr Mengenanteil bei rund 64 Prozent, die Umsatzanteile nähern sich der 50-Prozent-Marke. Nur beim Impulseis – dem klassischen Eis am Stiel – dominieren bekannte Marken wie Langnese (Unilever) und Mövenpick (Nestlé).

Mit Kirchner hat sich R&R nun die Dienste einer Koryphäe gesichert. In der Branche gilt der hochgewachsene Manager mit der hohen Stirn als Freund schneller Entscheidungen. Kirchner spricht freundlich, unaufgeregt und diskutiert mit Freunden gerne über seine große Leidenschaft neben der Familie und dem Eisgeschäft: dem Fußballbundesligisten Borussia Mönchengladbach.

Der 50-Jährige kennt das Eisgeschäft von Kindesbeinen an. 1967 kauft Kirchners Vater August seinem Onkel Karl eine Eisdiele in Heinsberg bei Aachen ab, das Café Rosen. Die Kirchners produzieren dort fortan nicht nur Eis für das Café, sondern beliefern auch Haushalte in der Umgebung.

Das Geschäft brummt. 1974 gelingt der Durchbruch: Mit der selbst kreierten Eismarke Cassie schafft Kirchner senior erstmals den Sprung in die Truhen des Lebensmittelhandels. Die Edeka-Großhandlung in Moers listet Rosen, und Cassie landet in rund 150 Läden.

1990, nach seinem Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Paderborn mit anschließender Promotion, steigt der Junior in das Unternehmen ein. Dort verantwortet er als Geschäftsführer neben seinem Vater die Unternehmensentwicklung. 2001 übernimmt der Junior dann alle Firmenanteile. In neue Dimensionen katapultiert Kirchner das Unternehmen zu Beginn des Jahres 2007: Rosen übernimmt von Nestlé zwei Speiseeisfabriken der Tochter Schöller. Der Schweizer Nahrungsmittelmulti will sich auf die Premiummarken Mövenpick und Schöller konzentrieren und keine Handelsmarken mehr herstellen.

Finanzieller Kraftakt Übernahme

Rosen dagegen ist auf solche Produkte spezialisiert. Durch die Übernahme wird der Familienbetrieb zum größten Speiseeisproduzenten Deutschlands. Der Umsatz schnellt von 90 auf 170 Millionen Euro, die Mitarbeiterzahl klettert von 300 auf 750.

Doch die Übernahme wird für Kirchner zu einem finanziellen Kraftakt, von dem er sich nicht mehr erholen wird. Denn neben der Schöller-Übernahme baut Kirchner am Stammsitz noch eine neue Stieleisfabrik für acht Millionen Euro. Parallel schießen Zucker- und Milchpreise in die Höhe. Zudem lösen kräftige Auftragszuwächse für 2012 zusätzlichen Kapitalbedarf aus.

Als Kirchner Ende 2011 beginnt, über die Verlängerung eines Kredits in Höhe von 70 Millionen Euro zu verhandeln, stellen sich einige Banken in dem Konsortium quer, weil Rosen nicht alle Kreditvereinbarungsklauseln einhalten kann. So sinkt etwa 2011 die Eigenkapitalquote um fast sieben Prozentpunkte auf 23 Prozent und erreicht damit den Zielwert nicht.

Kirchner gelingt es, mit einem Überbrückungskredit den kurzfristigen Finanzbedarf für die Saison 2012 sicherzustellen. Doch die Banken fordern von ihm, weiteres Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Mittel in Höhe von 20 Millionen Euro nachzuschießen. Kirchner gibt auf. Im November 2012 verkauft er Rosen Eiskrem an DMK. Zehn Prozent und seinen Geschäftsführerposten behält er.

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