Rote Zahlen: Die zerbrechliche Hülle von ThyssenKrupp

Rote Zahlen: Die zerbrechliche Hülle von ThyssenKrupp

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Schließt überhaupt nichts aus: ThyssenKrupp-Totalsanierer Hiesinger.

von Andreas Wildhagen

Über 13 Jahre nach der Fusion steckt der Konzern ThyssenKrupp in einer Existenzkrise. Langfristig gesehen droht das Essener Unternehmen, wieder in seine Einzelteile auseinanderzufallen.

Wie eine Kathedrale steht die gigantische ThyssenKrupp-Zentrale im neuen Gewerbeareal am Essener Kruppgürtel. Inmitten des Krupp-Parks mit einer geplanten Fläche von 230.000 Quadratmetern erhebt sich der 13-stöckige Beton- und Glasquader über das Ruhrgebiet. In Sichtweite daneben wurde ein 9100 Quadratmeter großer künstlicher See angelegt, gespeist von den Regenrinnen der Krupp-Dächer. Hinter dem Hauptgebäude entsteht gerade ein grau-silber schimmernder Block: die edelstahlverkleidete Konzernkindertagesstätte mit Platz für 100 Kinder. Rund 2000 Menschen arbeiten in der Konzernzentrale, „demnächst sind es 2500“, steht in einer Broschüre.

Daran darf gezweifelt werden – der Prospekt ist schon älter. Der vor eineinhalb Jahren fertiggestellte Bau signalisiert eine falsche Botschaft: Hier residiert ein Konzern, der bis in die entlegensten Winkel der Erde profitable Industriegeschäfte betreibt.

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Aber das Konglomerat schreibt tiefrote Zahlen, Aussicht auf Besserung ist nicht im Sicht. Weil ein Konzept fehlt, wie sich das stahllastige Unternehmen zu einem Technologiekonzern mausern soll, driftet ThyssenKrupp richtungslos ab. Die respektheischende Zentrale degeneriert immer mehr zu einer Hülle, der ein zukunftsträchtiges übergreifendes Geschäftsmodell fehlt. Unter den ThyssenKrupp-Managern verbreitet sich die Vision, der 1999 aus den früher eigenständigen Unternehmen Thyssen und Krupp fusionierte Konzern könne wieder auseinanderbrechen.

Gerade gab Konzernchef Heinrich Hiesinger zu, dass die neuen Stahlwerke in Brasilien und im US-Staat Alabama nicht nur in diesem, sondern auch im nächsten Jahr wieder rote Zahlen schreiben. Pessimisten rechnen für 2012 damit, dass allein aus dem Geschäft der Sparte Steel Americas ein Verlust von einer Milliarde Euro entstehen könnte. Der Verkauf des Edelstahlgeschäfts, der ThyssenKrupp bis zum Ende des Geschäftsjahres am 30. September kurzfristig eine Milliarde Euro in die Kassen spülen sollte, ist vorerst auf Eis: Die EU-Kommission will prüfen, ob mit dem Verkauf an den finnischen Konzern Outokumpu nicht eine beherrschende Position im europäischen Edelstahlmarkt entsteht.

Bei einem Schuldenstand von 6,5 Milliarden Euro wird das Stahldebakel in Brasilien und den USA damit existenzbedrohend für den Revierkonzern. Das vergangene Geschäftsjahr schloss das Unternehmen mit einem Verlust von 1,8 Milliarden Euro, eine Verbesserung ist weder im laufenden noch im nächsten Geschäftsjahr zu erwarten. Erschwert wird die wirtschaftliche Lage noch durch den Großaktionär, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung mit ihrer 25,3-Prozent-Beteiligung.

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