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Rückrufquote: Pannen in der Produktion

von Lukas Bay Quelle: Handelsblatt Online

Weltweit haben die Autohersteller ein Qualitätsproblem: Kostendruck und kurze Entwicklungszeiten treiben die Zahl der Rückrufe auf ein Rekordniveau. Nun muss BMW wegen verspäteter Rückrufe eine Millionenstrafe zahlen.

BMW muss wegen Problemen mit einer Kühlwasserpumpe weltweit rund 235.000 Fahrzeuge der Marke Mini in die Werkstätten zurückrufen. Quelle: dpa
BMW muss wegen Problemen mit einer Kühlwasserpumpe weltweit rund 235.000 Fahrzeuge der Marke Mini in die Werkstätten zurückrufen. Quelle: dpa

DüsseldorfAchtung, Ihr neuer Mini Cooper könnte in Flammen aufgehen. Mit dieser Nachricht schockte der britische Autobauer Mini seine Kundschaft Mitte Januar. Wegen einer defekten Kühlanlage mussten 200.000 Neuwagen überprüft werden. Auch Mutterkonzern BMW hatte zuletzt Probleme mit Rückrufen: Am Wochenende wurden die Münchener zu einer Strafe von drei Millionen Dollar (2,3 Millionen Euro) verurteilt, weil sie Schäden nicht schnell genug an die Behörden gemeldet hatten. Schlimmer als der finanzielle Schaden dürfte allerdings der Imageschaden ausfallen.

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Nicht nur BMW hat technische Schwierigkeiten mit Neufahrzeugen: Qualitätsmängel sind zu einem massiven Problem der Autobranche geworden. Weltweit hat die Zahl der fehlerhaften Neuwagen laut einer Studie des Center of Automotive an der FHDW in Bergisch-Gladbach mittlerweile einen neuen Höchststand erreicht . Allein zwischen 2009 und 2011 wurden auf dem US-Markt 47,5 Millionen Autos zurückgerufen. Auch in Deutschland wurde 2010 mit 185 Rückrufaktionen und 1,19 Millionen betroffenen Pkws ein neuer Rekord aufgestellt. Die Rückrufquoten, also das Verhältnis von abgesetzten Fahrzeugen zu zurückgerufenen Fahrzeugen liegen bei etlichen Herstellern deutlich über hundert Prozent.

Insbesondere die asiatischen Hersteller hatten im abgelaufenen Jahr mit der Qualität zu kämpfen. 3,8 Millionen Fahrzeuge musste Honda wegen Mängeln an den Airbags und am Automatikgetriebe im abgelaufenen Jahr zurückrufen Mit einer Rückrufquote von 332 Prozent sichern sich die Japaner damit die unrühmliche Spitzenposition. Das Qualitätsimage von Toyota wurde durch Probleme mit dem Gaspedal, Motorüberhitzung und Airbagmängel ramponiert. Der einst als zuverlässig bekannte Hersteller weist eine Rückrufquote von 213 Prozent aus. 

Deutsche Hersteller mussten weniger Autos zurückrufen als die globale Konkurrenz. BMW, Volkswagen und Daimler belegen einen Platz im oberen Mittelfeld, Porsche erreicht mit einer Rückrufquote von sieben Prozent sogar einen Spitzenplatz. „Die Statistik zeigt, dass das Qualitätsmanagement bei den deutschen Herstellern derzeit besser funktioniert“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive. Ein Beweis für eine höhere Produktqualität sei das allerdings nicht.


"Qualitätsmanagement beginnt bei den Zulieferern"

Die Hersteller haben ein Problem: Die Kunden erwarten neue Modelle in immer kürzeren Abständen zu immer günstigeren Preisen. Die Dauer der Entwicklungszyklen hat sich darum in den vergangenen zehn Jahren enorm verkürzt. Wer schnell mit neuen Modellen auf dem Markt ist, hat einen Wettbewerbsvorteil. Die Folge: Kilometerlange Fahrtests werden durch Computersimulationen ersetzt. Der zeitliche Vorsprung auf dem Markt wird allerdings zum Bumerang, wenn technische Probleme und Rückrufe das Qualitätsimage der Hersteller beschädigen. 

Zu den Bauteilen, die besonders häufig von häufig von Produktmängeln betroffen sind, gehören Insassenschutzeinrichtungen wie Airbags und der Motor. Denn besonders Sicherheitssysteme wie ABS, ESP und Airbags, komplexe Motortechnik und Fahrassistenzsysteme wie Bremsassistenten machen neue Modelle technisch komplizierter als ihre Vorgänger. Moderne Automodell sind längst zu rollenden Computern geworden. Die Hersteller versuchen die Komplexität und Vielfalt der Bauteile in Grenzen zu halten, beispielsweise durch Modulbaukasten-Systeme. Teile und Komponenten werden dabei in mehreren Modellen verbaut. Die Fokussierung senkt die Kosten in der Entwicklung, erhöht allerdings die Abhängigkeit von den Zulieferern und damit auch die Verwundbarkeit der Autokonzerne. 

Inzwischen findet 75 Prozent der Wertschöpfung bei den Zulieferern statt. Weil der Kostendruck auf die Zulieferer gestiegen ist, kann hohe Produktqualität nicht immer garantiert werden. Nicht nur die produzierten Teile, auch die Produktionsanlagen der Partner müssten darum von den Herstellern geprüft werden. Experte Bratzel rät den Herstellern darum, ihr werksübergreifendes Qualitätsmanagement auszubauen: „Qualitätsmanagement beginnt nicht am Werkstor, sondern bei den Zulieferern“

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