Rüstung: Theaterdonner um die Zukunft des Panzerbaus

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Rüstung: Theaterdonner um die Zukunft des Panzerbaus

von Rüdiger Kiani-Kreß

Rheinmetalls plötzliches Interesse am Kauf des Partners KMW und die Idee eines neuen Kampfpanzers sind keine Zeichen des Umdenkens, sondern Scharmützel im Tauziehen um die Neuordnung der Waffenbranche.

Wenn der Arbeitskreis Außen- und Sicherheitspolitik der CSU zu seinem Wehrtechnischen Kongress lädt, rechnen die Besucher aus der Rüstungsbranche mit prominenten Rednern, Klartext und neuen Einsichten. Beim jüngsten Treffen am vergangenen Freitag gab es auch einen militärischen Klassiker: taktische Nebelkerzen. Auf dem Treffen in Ottobrunn südlich von München ging es um eine der zentralen Fragen der deutschen Rüstungsindustrie: die Zukunft des Panzerbaus.

Große deutsche Rüstungskonzerne

  • Diehl Defence

    Diehl Defence ist die Rüstungssparte des Nürnberger Diehl-Konzerns, stellt unter anderem Munition, Raketen und Ketten für Panzer her.

    Umsatz 2013: 533 Millionen Euro

  • Heckler & Koch

    Der Handwaffenspezialist aus dem badischen Oberndorf fertigt unter anderem Pistolen, Sturm- und Präzisionsgewehre.

    Umsatz 2013: 200 Millionen Euro

  • Krauss-Maffei Wegmann

    KMW in München baut etwa den Kampfpanzer „Leopard“, den Schützenpanzer „Puma“ oder die Panzerhaubitze „2000“

    Umsatz 2013: 900 Millionen Euro

  • MTU Aero Engines

    MTU Aero Engines ist ein Triebwerksbauer aus München, der auch für militärische Flugzeuge fertigt, etwa den Motor für den Eurofighter

    Umsatz 2013 (Wehrgeschäft): 501 Millionen Euro

  • Rheinmetall Defence

    Rheinmetall Defence ist die Wehrsparte von Rheinmetall aus Düsseldorf und fertigt Panzer, aber auch Munition oder etwa Flugabwehrsysteme.

    Umsatz 2013: 2,2 Milliarden Euro

  • ThyssenKrupp Marine Systems

    ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel baut U-Boote und Kriegsschiffe. Die Firma entstand aus Blohm+Voss und der Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH.

    Umsatz 2012/13: 1,2 Milliarden Euro


Hier gab es gleich zwei Neuigkeiten, die auf den ersten Blick überraschen. Laut Presseberichten plädierte Bodo Garbe, einer der Vorstände von Rheinmetall, dafür, zuerst die deutschen Panzerbauer zusammenzuführen und den Panzerbau in Deutschland zu konsolidieren. Dadurch könne die Branche aus einer gestärkten Position in Verhandlungen gehen. Im Klartext: Statt wie geplant mit der französischen Nexter soll die Münchner Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit Rheinmetall zusammengehen.

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Dazu prüft offenbar die Bundesregierung den Bau eines neuen Kampfpanzers, der quasi als Leopard III die heutigen Leopard-Streitwagen ablösen könnte. So aufregend das auch klingt, aus Sicht von Insidern ist das purer Theaterdonner.

Das ist der Rheinmetall-Konzern

  • Umsatz

    Rheinmetall gilt mit einem Konzernumsatz von 4,7 Milliarden Euro 2014 als einer der größten deutschen Rüstungshersteller.

  • Produkte

    Im Zentrum stehen gepanzerte Fahrzeuge, Waffen wie die Kanone des weltweit begehrten Kampfpanzers Leopard, Munition und Flugabwehr-Schutzsysteme.

  • Mitarbeiter

    Der im MDax notierte Düsseldorfer Traditionskonzern beschäftigt 21.100 Menschen, davon rund 9200 in der Rüstung.

  • Kunden

    Da europaweit Verteidigungsbudgets gekürzt werden, bemüht sich das Unternehmen stark um Kunden im Mittleren Osten, Afrika, Asien und Australien. Großaufträge kamen ins jüngerer Zeit etwa aus Südafrika, Schweden und Malaysia. Seit Jahren liefert eine Rheinmetall-Gesellschaft auch Schutzkomponenten für eine gepanzerte Version der Mercedes-S-Klasse.

Am offensichtlichsten ist dies beim Bau eines neuen Kampfpanzers. Mögen auch viele in Berlin darüber diskutieren, in Wahrheit traut sich keiner heran. Das liegt nicht nur daran, dass Leopard und Co. praktisch nicht mehr gebraucht werden. In Zeiten von Terrorabwehr und asymmetrischer Kriegsführung sind andere Mittel erforderlich, als im Ost-West-Konflikt. Schon jeder Entwicklungsauftrag für ein Kettenfahrzeug ginge zu Lasten anderer Projekte, die Deutschland wesentlich dringender braucht. „Am Ende geht es wohl eher darum, für etwas Phantasie bei einer notleidenden Branche zu sorgen“, vermutet ein Insider.

Kriegswaffenausfuhren in den Jahren 2004 bis 2013

  • Erläuterung

    Diese Übersicht zeigt die jährlichen Ausfuhren von Kriegswaffen (einschließlich der Bundeswehrabgaben) und deren Anteil am deutschen Gesamtexport seit 2004.

    Quelle: Rüstungsexportbericht der Bundesregierung 2013, Stand Mai 2014

  • 2004

    Gesamtwert in Mio. €: 1.129,1

    Anteil in Prozent am deutschen Gesamtexport: 0,15

  • 2005

    Gesamtwert in Mio. €: 1.629,7

    Anteil in Prozent am deutschen Gesamtexport: 0,26

  • 2006

    Gesamtwert in Mio. €: 1.374,2

    Anteil in Prozent am deutschen Gesamtexport: 0,15

  • 2007

    Gesamtwert in Mio. €: 1.510,1

    Anteil in Prozent am deutschen Gesamtexport: 0,16

  • 2008

    Gesamtwert in Mio. €: 1.427,2

    Anteil in Prozent am deutschen Gesamtexport: 0,14

  • 2009

    Gesamtwert in Mio. €: 1.338,8

    Anteil in Prozent am deutschen Gesamtexport: 0,17

  • 2010

    Gesamtwert in Mio. €: 2.119,0

    Anteil in Prozent am deutschen Gesamtexport: 0,22

  • 2011

    Gesamtwert in Mio. €: 1.284,7

    Anteil in Prozent am deutschen Gesamtexport: 0,12

  • 2012

    Gesamtwert in Mio. €: 946,0

    Anteil in Prozent am deutschen Gesamtexport: 0,09

  • 2013

    Gesamtwert in Mio. €: 933,2

    Anteil in Prozent am deutschen Gesamtexport: 0,09

Eine etwas elegantere Ablenkung ist die Forderung nach einem kompletten Zusammengehen der beiden deutschen Panzerbauer Rheinmetall und KMW, die heute praktisch alle schweren Fahrzeuge der Bundeswehr bauen. Sicher, das ist derzeit nicht völlig unmöglich. Denn die lange vergifteten Beziehungen zwischen den Münchnern und Rheinländern haben sich entspannt. Nur eine Geschäftslogik gibt es dafür nicht. Denn am Ende will Rheinmetall aus dem allmählich schrumpfenden Bau der Boliden aussteigen. Stattdessen möchte der Konzern lieber in modernere und leichter exportierbare Dinge investieren - Elektronik, Munition und künftig auch Schiffe.

Doch dieser Ausstieg aus dem Panzer-Geschäft und der Ottobrunner Heiratsantrag stehen nicht im echten Widerspruch. Zwar will Rheinmetall die alte Welt der geschützten Fahrzeuge verlassen. Davor hätte es Konzernchef Armin Papperger aber doch ganz gern, wenn der Bereich noch möglichst viel Rendite auf das eingesetzte Kapital bringt. Das wäre freilich schwer, wenn KMW mit Nexter zu KANT fusioniert.

Dann könnte KMW entweder Rheinmetall bei der heutigen Kooperation unter Druck setzen oder gleich die bisher gemeinsam angebotenen Autos günstiger anbieten, indem sie die rheinische Technik durch französische oder neu entwickelte Technik ersetzt. Das wiederum wäre freilich in einem innerdeutschen Verbund unmöglich.

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Nun glaubt am Ende keiner wirklich, dass es eine innerdeutsche Fusion gibt. Die Idee mag zwar bei den patriotisch gesinnten Besuchern des CSU-Arbeitskreises gut ankommen, weil es Deutschland noch eine Weile Jobs und eine stärkere Rolle in einer konsolidierten Branche sichert. Doch unter dem Strich bliebe das Plus in Grenzen.

Zum einen müsste Minister Gabriel seine Meinung ändern und würde damit das angespannte Verhältnis zu Frankreich weiter belasten. Zudem würde sich an der Misere des Panzergeschäfts nichts ändern. Denn auch durch eine Fusion kämen nicht mehr Aufträge zustande.

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