Rüstungs- und Technikkonzern Diehl: Der schwierige Imagewandel der Waffenschmiede

Rüstungs- und Technikkonzern Diehl: Der schwierige Imagewandel der Waffenschmiede

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Seezielflugkörper RBS15 Mk3 von Diehl Defence.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Den Ruf als Waffenschmiede konnte der Rüstungs- und Technikkonzern Diehl bis heute nicht ablegen. Die Jahreszahlen werden zeigen: Die Stärkung der Sparten neben der Rüstung hat dem Stiftungsunternehmen gut getan.

Der Satz klingt wie aus der Broschüre einer Umweltschutzorganisation: "Der Umgang mit Energieressourcen hat unsere Erde bereits deutlich gezeichnet – der Schlüssel liegt im Respekt vor der Natur als Erbe der Menschheit." In Wirklichkeit steht die missionarische Formel aber auf der Internet-Seite eines der größten Buhmänner der deutschen Wirtschaft: des Nürnberger Rüstungs- und Technologiekonzerns Diehl Stiftung.

Wenn die hehren Worte für Verwirrung sorgen, freut sich Vorstandschef Thomas Diehl diebisch. "Es ist schön, die zu enttäuschen, die uns für ewig gestrig halten", sagt der 64-jährige Lenker des Konzerns, der im Gegensatz zu anderen Stiftungsunternehmen statt der Mildtätigkeit ausschließlich dem Wohl der Eigentümerfamilie dient.

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Denn heute, 110 Jahre nach der Gründung und gut zehn Jahre nach einer tiefen Krise, ist das Unternehmen in Top-Form und macht den Diehl-Clan mit einem geschätzten Vermögen von 2,5 Milliarden Euro zu einem der 50 reichsten Deutschen. Zwar gibt es für 2014 erst am Dienstag Nachmittag offiziellen Geschäftszahlen. Aber Kenner erwarten keine großen Veränderungen zu 2013, wo der Konzern mit gut 2,9 Milliarden Euro Umsatz wieder fast drei Milliarden Rekordumsatz aus 2011erreicht hat. Der operative Gewinn dürfte wie im Vorjahr bei rund 100 Millionen Euro liegen, während das Unternehmen gut 300 Millionen für Investitionen und die Forschung ausgab.

Umsatz mit Militärgütern sinkt

Der Umsatz mit Raketen und Panzerketten sank in 2013 erneut um ein paar Prozent. Damit sorgt die Rüstung einschließlich der dem Zivilgeschäft zugerechneten Produktion von Elektronik für Kampfflugzeuge noch für rund 18 Prozent vom Umsatz. 2010 war es knapp ein Viertel der Gesamteinnahmen und in den Neunzigerjahren weit mehr als 40 Prozent. Dafür legte der Umsatz mit Beleuchtung und Kabineneinrichtungen für Zivilflugzeuge, Zulieferungen für Autokonzerne sowie grüner Technologie wie internetfähige Systeme zur Steuerung und Messung des Strom- und Wasserverbrauchs seit 2009 um fast 40 Prozent zu. Das sorgt nicht nur für eine privatwirtschaftlichere Kultur und mehr Kostenbewusstsein. "Die technischen Fortschritte im Zivilgeschäft fördern auch die Technologie im Rüstungsgeschäft – und umgekehrt", sagt Unternehmenschef Thomas Diehl.

Dafür sorgte vor allem Vorstandschef Diehl, indem er die Sparten neben der Rüstung ausbaute sowie eine offenere Unternehmenskultur schuf. Dazu zählen zum Beispiel Bilanzpressekonferenzen und die anschließenden Gespräche mit Journalisten, die der Patriarch gern mit einem Frankenwein aus dem Bocksbeutel auflockert. Dazu hat Diehl bereits 2013 den Großteil seiner Stimmrechte auf seine Kinder übertragen, auch wenn er vorläufig noch nicht ans Aufhören denk. Bei Unternehmen mit der Rechtsform der Familienstiftung, in der Clanmitglieder ins operative Geschäft hineinregieren, ist dies selten.

Airbus-Chef Tom Enders Deutschland muss sich zur Rüstungsindustrie bekennen

Thomas Enders ist ein Mann der klaren Worte. Im Interview spricht der Airbus-Chef über Spionage gegen sein Unternehmen, die Konsolidierung der Rüstungsbranche, die Chancen des A400M und Neuerungen beim Superjumbo A380.

Airbus-Chef Thomas Enders über deutsche Geheimdienste und dem Bekenntnis zur Rüstungsindustrie. Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche

Diehls Vater Karl, der den Konzern von 1938 an leitete, hatte die Macht der Familie beschränkt, indem er sein Unternehmen 1998 zu einer Stiftung machte. Laut Insidern hatte er wenig Vertrauen in die Fähigkeiten seiner drei Söhne als Manager. Darum sollte die Stiftung diese dazu zwingen, familienfremde Berater in Aufsichtsrat und Beirat zu holen. Diese Unternehmensform sei allerdings "rechtlich umstritten", so Stiftungsrechtler Michael Sommer. Denn im Vergleich etwa zur GmbH mindert die Stiftung die Erbschaftsteuer und verhindert, dass die Familie Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat holen muss.

Dass Diehl bis heute nicht den Ruf der Waffenschmiede ablegen konnte, hat vor allem zwei Gründe: Der Familienkonzern ist weiterhin sehr verschwiegen. Und das Unternehmen verkörpert wie kaum ein zweites die Schattenseiten der deutschen Wirtschaft, seit der Ziseleur Heinrich Diehl 1902 seine "kunstgewerbliche Modellwerkstätte" gründete.

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