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Rüstungsindustrie: Golfstaaten wollen mit deutschen Panzern aufrüsten

von Markus Fasse und Martin Murphy Quelle: Handelsblatt Online

Die Golfstaaten fühlen sich von ihrem Nachbarn Iran bedroht. Daher rüsten Saudi-Arabien und andere Staaten massiv auf. Deutsche Technik steht dabei auf der Wunschliste. Doch Berlin müsste das Geschäft erst absegnen.

Ein Schützenpanzer des Typs Puma: Die Bundeswehr hat ihre Bestellung gekürzt. Quelle: dpa
Ein Schützenpanzer des Typs Puma: Die Bundeswehr hat ihre Bestellung gekürzt. Quelle: dpa

München/FrankfurtDie deutschen Panzerbauer Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) und Rheinmetall hoffen auf einen Großauftrag aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Die Golfstaaten wollen bis zu 600 Radpanzer anschaffen und haben dazu potenzielle Lieferanten angesprochen, verlautete aus Branchenkreisen. Angebote sollen bis Ende März eingereicht werden. Das Volumen könnte bei rund 1,5 Milliarden Euro liegen. Beide Unternehmen lehnten einen Kommentar ab.

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Die zwei Konzerne wollen sich über ihre Gemeinschaftsfirma Artec um den Zuschlag bemühen, heißt es. Das Joint Venture baut den Radpanzer „Boxer“, der bislang für die Bundeswehr und die niederländischen Streitkräfte gefertigt wurde. Seit vergangenem September wird der Boxer von der Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt. Der Einsatz unter Gefechtsbedingungen („combat proven“) gilt in der Branche für mögliche Zuschläge stets als förderlich.

Der Boxer ist in verschiedenen Varianten lieferbar, darunter auch eine wüstentaugliche mit Klimaanlage. Wie gut sich der Transportpanzer unter den extremen Beendigungen bewährt, konnten die Araber bereits im eigenen Land begutachten. Rheinmetall und KMW haben die Tests des Boxer vor zwei Jahren unter anderem in den Emiraten durchgeführt. Für den lukrativen Deal interessieren sich nicht nur die Deutschen. Nach Einschätzung des Branchendienstes Jane’s werden auch Nexter aus Frankreich sowie die US-amerikanische General Dynamics Angebote einreichen. In das Rennen könnten auch Panzerhersteller aus Russland und aus der Türkei einsteigen.

Für die Rüstungsindustrie ist die Golfregion bereits seit Jahren der wichtigste Wachstumsmarkt. Zurzeit sind Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate im Kaufrausch. Nach Einschätzung von Rheinmetall werden bis zum Jahr 2015 die Rüstungsausgaben der VAE um 23 Prozent steigen. Die Emirate halten insgesamt 50 000 Mann unter Waffen, ein Drittel der Soldaten sind Söldner aus aller Welt.


Bedrohung durch den Iran

Auch die Beschaffungspolitik ist bislang eher bunt: Die Luftwaffe unterhält sowohl französische Mirage-Kampfjets als auch amerikanische F16-Jagdbomber. Airbus soll demnächst Tankflugzeuge liefern, um die Reichweite der Maschinen zu erhöhen.

Die Golfstaaten fühlen sich von ihrem Nachbarn Iran bedroht und rüsten daher massiv auf. Nach Angaben des Stockholmer Forschungsinstituts Sipri lag das Verteidigungsbudget Saudi-Arabiens 2010 mit 45 Milliarden Dollar sogar erstmals über dem Deutschlands. Auf der Wunschliste der Scheichs steht die ganze Bandbreite der Rüstungsindustrie wie Panzer, Kampfflugzeuge und U-Boote.

Es profitieren viele: Die Saudis hatten erst Ende 2010 für 60 Milliarden Dollar Boeing-Kampfjets des Typs F-15, Kriegsschiffe sowie militärische Service-Dienstleistungen bei der US-Rüstungsindustrie geordert. In Deutschland ist EADS-Cassidian an der Lieferung von 72 Eurofightern beteiligt. Die Airbus-Mutter installiert zudem ein gigantisches System zur Grenzsicherung, bestehend aus Radaren und einer IT-Struktur für die Sicherheitskräfte.

Auch Rheinmetall und Krauss-Maffei-Wegmann sind präsent: Der Bundesregierung liegt seit Monaten eine Anfrage über die Lieferung von 200 schweren Kampfpanzern vom Typ Leopard 2 vor. Ob es zu einer Lieferung kommt, ist noch völlig offen. Politiker und die beiden Unternehmen schweigen beharrlich. Offen ist auch, wie sich die Bundesregierung im Falle der Vereinigten Arabischen Emirate positionieren wird. Jedes einzelne Geschäft mit den Golfstaaten muss von Berlin abgesegnet werden.


Im europäischen Ausland geht fast nichts mehr

Die Einnahmen sind für die deutsche Rüstungsindustrie lebenswichtig. Allein bei KMW sackte der Umsatz von 2008 auf 2010 von 1,4 Milliarden auf nur noch 900 Millionen Euro. Über Gewinne schweigt sich das mittlerweile wieder vollständig in Familienbesitz übergegangene Unternehmen aus.

Doch auch bei der börsennotierten Rheinmetall läuft es nicht rund. Der Umsatz der Rüstungssparte wird im Gesamtjahr 2011 nach eigenen Angaben mit 2,1 Milliarden Euro 100 Millionen Euro weniger betragen als geplant. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Der Auftragseingang brach in den ersten drei Quartalen um elf Prozent ein. Und besser wird es nicht: Die Bundeswehr will von dem neuen Schützenpanzer „Puma“ jetzt nur noch 350 Stück statt 405 kaufen. Im europäischen Ausland geht fast nichts mehr. Für Rheinmetall und KMW sind mit Spanien und Griechenland im Zuge der Euro-Krise die wichtigsten Exportkunden der letzten Jahre weggefallen.

„Wir versuchen, in der aktuellen Krise auch auf neue Märkte vorzudringen, um uns breiter aufzustellen“, sagte KMW-Chef Frank Haun jüngst dem Handelsblatt. Nur mit Aufträgen aus Europa sei die Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr zu halten. „Sonst sind wir langfristig nicht mehr in der Lage, so viel Geld in unsere Entwicklung zu stecken, um das gewünschte hohe technologische Niveau zu halten“, sagte Haun.

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