Ein Negativbeispiel für den Mittelstand
Bild: ScreenshotCarl Zeiss
Das Unternehmen Carl Zeiss stellt nicht nur Brillen her, es rüstet auch die Panzer der Bundeswehr mit entsprechenden Optiksystemen aus. "Noch schneller, noch besser, noch genauer können die Soldaten der Bundeswehr demnächst heranrückenden Feind oder irreguläre Kräfte in Auslandseinsätzen erkennen und den Überblick behalten", hieß es 2009 in einer Mitteilung des Unternehmens. In allen Puma-Schützenpanzern der Bundeswehr sind Wärmebild- und Tagsichtkameras von Carl Zeiss verbaut. Jetzt will Zeiss seine Optroniksparte verkaufen. Die EADS-Tochter Cassidian, mit der Zeiss bereits kooperiert, führt Gespräche über den Kauf der Militärsparte des Optikunternehmens.
Bild: ScreenshotDHL
2002 haben die Deutsche Post und die Bundeswehr einen Vertrag unterschrieben: Die Post-Tochter DHL übernimmt seitdem die Logistik der Bundeswehr. Deutschland- und weltweit versendet DHL - branchenintern gerne spöttisch Deutsche Heeres-Logistik genannt - militärische Dokumente, Briefe und Päckchen an die Soldaten sowie Ausrüstung und Lebensmittel bis zu 50 Kilo. Im März 2002 fing DHL an, auch Sendungen nach Kabul (Afghanistan) zu bringen, 2003 ging der Luftexpress-Service auch für US-Soldaten in den Iran. Laut DHL handelt es sich bei einem Großteil der Sendungen um Hilfsgüter. 2005 sah es dann so aus, als wolle die Post-Tochter ihre Kooperation mit der Bundeswehr ausbauen: Die Bundeswehr hatte bekannt gegeben, dass private Firmen Teile ihrer Logistik übernehmen sollten. Konkret ging es um 190 Depots, 16 Materiallager mit rund 2000 Bundeswehr-Angestellten, Lager, Verteilzentren und Ausgabestellen. Außer DHL hatten sich damals auch die Bahn-Tochter DB Schenker, EADS sowie zwei weitere Logistikfirmen beworben. Der Auftragswert lag bei rund einer Milliarde Euro. Das scheint der Deutschen Post zu wenig gewesen zu sein. Im November 2009 zog das Unternehmen seine Bewerbung zurück. Die mit dem Auftrag verbundenen Risiken seien zu groß, hieß es.
Bild: PressebildRolls Royce
18.000 Militärflugzeuge, die derzeit weltweit im Einsatz sind, laufen mit Antrieben von Rolls Royce. Das macht ein Viertel der internationalen militärischen Luftfahrt und den britischen Technologiekonzerns mit seinen großen Deutschland-Niederlassungen beim Berlin und im hessischen Oberursel zur Nummer zwei der Hersteller militärischer Luftfahrttriebwerke. Das Anwendungsgebiet der Triebwerke reicht von Hubschraubern über unbemannte Flugzeuge bis zu Kampffliegern. Sowohl im Hubschrauber NH90, dem Airbusmilitärtransporter A400M als auch dem Eurofighter stecken Triebwerke von Rolls Royce. Planmäßig wird die Bundeswehr in den kommenden Jahren rund 1.400 Triebwerke oder Partnerschaftsprodukte von Rolls Royce benutzen. Die Partnerschaft zwischen dem Triebwerksbauer und der Bundeswehr besteht seit den 50er.
Bild: dpaThyssenKrupp
Bei ThyssenKrupp ist die Verbindung zur Kriegsmaschinerie weniger überraschend als bei anderen Unternehmen. Schließlich hat der Stahlhersteller schon während der beiden Weltkriege sein Geld mit Rüstungsprodukten wie der Krupp-Kanone „Dicke Bertha“ verdient. Mittlerweile ist das Portfolio des Unternehmens gewachsen, die Rüstungssparte macht einen Anteil von weniger als fünf Prozent vom Gesamtumsatz aus. Der Werftenverbund ThyssenKrupp Marine Systems fertigt weiterhin U-Boote für militärische Einsätze. So liefert das Unternehmen beispielsweise dieses und nächstes Jahr zwei dank des extrem leisen Elektro- Antriebs mit Brennstoffzellen kaum zu ortenden U-Booten vom Typ 212 A an die Bundeswehr. Das Verteidigungsministerium hatte 2006 den 860 Millionen Euro schweren Auftrag an ThyssenKrupp vergeben. Vier U-Boote dieser Baureihe sind bereits in Betrieb.
Bild: ScreenshotKärcher
Kärcher ist hauptsächlich bekannt für seine Hochdruckreiniger. Das Unternehmen aus Winnenden in Baden-Württemberg ist in diesem Segment sogar Weltmarktführer. Die Kärcher-Tochter Kärcher Futuretech produziert allerdings auch Dekontaminierungsanlagen (ABC-Schutz) sowie Feldlager für Militärs. Die Beschreibung der mobilen Lager erinnert ein wenig an amerikanische Homeshoppingsendungen: "Das Feldlager ist eine verlegbare militärische Einrichtung, die nach einer kurzen Aufbauzeit Lebens- und Arbeitsbedingungen wie im Heimatland des Soldaten auch während längerer Auslandseinsätze bietet", heißt es. Im Herbst 2007 angelte sich Kärcher einen Auftrag der Bundeswehr für ein Lager für 150 Personen. Langfristig sollten 40 Feldlager im Wert von fünf Millionen Euro angeschafft werden.
Bild: ScreenshotDaimler
Seit Ende der 70er Jahre beliefert Daimler die Bundeswehr mit Lastwagen vom Typ 1017 und 1017A, die als Feldküchenfahrzeuge, Transporter oder für den Fernfeldkabelbau eingesetzt werden. Die Daimler-Lastwagen sind auch für andere Armeen im Einsatz. Bis 1988 lieferte Daimler diese Modelle sowie Unimogs - kleine LKW mit Allradantrieb - an verschiedene Militärs aus. Im Februar 2011 unterschrieben Daimler und das Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei-Wegmann einen Kooperationsvertrag, nachdem der Panzerhersteller weltweit die Wartung der Daimler-Militärfahrzeuge übernimmt.
Bild: ScreenshotSiemens und IBM
2006 schrieb die Bundeswehr das Projekt Herkules aus: Die IT sollte modernisiert, 140.000 Computer, 7000 Großrechner und 15.000 Handys aufgerüstet werden. Zehn Jahre lang soll es dauern, bis die deutschen Soldaten technisch auf dem neuesten Stand sind. 6,8 Milliarden Euro sollte Herkules ursprünglich kosten. IBM und Siemens teilten sich das Projekt im Verhältnis 40:60. Die Kosten explodierten jedoch, 2009 standen sie bei 7,8 Milliarden, das Verteidigungsministerium sprach von einer "kritischen Phase". In einem Anwenderbericht aus dem Jahr 2010 zeigten sich aber immerhin die Nutznießer der schrittweisen Umstellung sehr zufrieden mit Projekt Herkules. Bis zum Dezember 2010 hielt Siemens außerdem 49 Prozent der Anteile am Panzerbauer Krauss Wegmann-Maffei.
Bild: ScreenshotIDS Scheer
Das Softwareunternehmen IDS Scheer arbeitet seit 2002 für die Bundeswehr. Im Rahmen des Modernisierungsprojekts Herkules stellt IDS für die Bundeswehr Controllingprogramme und Kommunikationsplattformen zur Verfügung. Das Produkt ARIS soll die Geschäftsprozesse und -strategien der Streitkräfte schnell und flexibel umsetzen.
Bild: APRenk
Renk, der Hersteller von Getrieben und Prüfsystemen, gehört zu 75 Prozent zum Volkswagen-Konzern. Außerdem ist die 1873 in Augsburg gegründete Renk, zu 76 Prozent MAN gehört, Weltmarktführer bei Getrieben für Panzer wie den Leopard 2 von Hersteller Krauss-Maffei Wegmann. Die 405 Panzer des Typs Puma, die die Bundeswehr bis 2020 von der Firma PSM bekommt, laufen mit einem Getriebe von Renk. Der Auftragnehmer PSM GmbH ist ein Joint Venture der Rüstungskonzerne Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann. Die Bestellung hat einen Gesamtwert von 3,1 Milliarden Euro.
Bild: ScreenshotSchott AG
Auf seiner Homepage gibt sich das Unternehmen Schott AG - bekannt für Glas- und Keramikherstellung - sehr grün und umweltbewusst. "SCHOTT ist seit vielen Jahren im Umwelt- und Klimaschutz ein Vorreiter in der internationalen Glasindustrie. Unabhängig von gesetzlichen Vorgaben setzt sich SCHOTT für höchste Maßstäbe beim nachhaltigen Umwelt- und Klimaschutz und im Bereich Arbeitssicherheit ein", heißt es dort. Außer Umweltfreundlichem produziert Schott auch Ausrüstung für die US-Armee. Diverse Nachtsichtgeräte, Kameras, Displays und Zieloptiken gehören ins Portfolio der Schott AG. Die Licht-Abschirmungen für Handhelds von Schott werden von der US-Armee auf der Unternehmenshomepage hoch gelobt. Diese helfen, "unsere Soldaten sicherer zu machen", heißt es dort. Die Carl-Zeiss-Stiftung ist übrigens Alleinaktionärin der Schott AG. Auch das Unternehmen Carl Zeiss ist in Rüstungsgeschäfte involviert.
Carl Zeiss
Das Unternehmen Carl Zeiss stellt nicht nur Brillen her, es rüstet auch die Panzer der Bundeswehr mit entsprechenden Optiksystemen aus. "Noch schneller, noch besser, noch genauer können die Soldaten der Bundeswehr demnächst heranrückenden Feind oder irreguläre Kräfte in Auslandseinsätzen erkennen und den Überblick behalten", hieß es 2009 in einer Mitteilung des Unternehmens. In allen Puma-Schützenpanzern der Bundeswehr sind Wärmebild- und Tagsichtkameras von Carl Zeiss verbaut. Jetzt will Zeiss seine Optroniksparte verkaufen. Die EADS-Tochter Cassidian, mit der Zeiss bereits kooperiert, führt Gespräche über den Kauf der Militärsparte des Optikunternehmens.
Dazu kam die Nähe zum System der damaligen bayrischen Amigo-Wirtschaft mit ihren gegenseitigen Gefälligkeiten. In der Nachkriegszeit überließ Karl Diehl laut einer Biografie seinem Duzfreund, dem CSU-Politiker, zeitweisen Bundesverteidigungsminister und bayrischen Landesregierungschef Franz Josef Strauß, Diehl-Firmenflugzeuge für private Flüge. Und in den Neunzigerjahren stellte die Oberfinanzdirektion Nürnberg eine Betriebsprüferin kalt, die dem Konzern eine Steuernachzahlung von gut 30 Millionen Euro aufbürden wollte.
Am Ende war Diehl zur Jahrtausendwende sogar auch noch zum Negativbeispiel für einen Mittelständler geworden, der durch den verknöcherten Greis an der Spitze ins Verderben zu schlittern drohte. Mit dem Ende des Kalten Kriegs sanken die Rüstungsausgaben, und die Globalisierung bescherte Diehl neue Wettbewerber, die einfache Schaltuhren oder Feuerwerkskörper billiger produzierten.
Hinzu kam Versagen im Innern. Zerfressen von Misstrauen traute der Alte seinen Söhnen Werner, Peter und Thomas echte Führungsaufgaben offenbar nicht zu. Und das, obwohl der jüngste Sohn und heutige Chef Thomas bereits Forschungsvorstand war und die damalige Diehl-Tochter Junghans mit Funkuhren zu einem der führenden europäischen Hersteller gemacht hatte.
Idol Karl Valentin
Erst als der Benjamin mehrfach mit Kündigung drohte, wurde er Vorstandsvorsitzender. Aber sein kettenrauchender Vater mischte sich als Aufsichtsratschef weiter praktisch in alle Dinge ein. Mehr noch, er machte auch noch Sohn Werner zum Aufsichtsratschef. Dabei konnte der mit den Veränderungen, die sein Bruder Thomas anstieß, laut Insidern nur wenig anfangen. Fertigung in Billiglohnländern oder strikte Kostenrechnung – Thomas Diehl gelang all dies erst, als sein Vater ihm ab 2003 endlich mehr Macht einräumte.
Auch wenn der amtierende Diehl-Chef viele Hemmnisse abgeschüttelt hat: Für die nächsten Jahre muss der nüchterne Ingenieur mit dem trockenen Humor seines Idols Karl Valentin erst mal kürzer treten. Wegen der relativ niedrigen Eigenkapitaldecke müsste er weitere Zukäufe mit Krediten finanzieren. „Damit“, so ein Insider, „tun sich die Brüder bei aller Achtung für die Erfolge ihres jüngsten doch schwer.“
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