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Rüstungskonzern: Ein Negativbeispiel für den Mittelstand

Rüstungskonzern: Diehl setzt auf Luftfahrt statt Waffen

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Ein Negativbeispiel für den Mittelstand

Carl Zeiss
Das Unternehmen Carl Zeiss stellt nicht nur Brillen her, es rüstet auch die Panzer der Bundeswehr mit entsprechenden Optiksystemen aus. "Noch schneller, noch besser, noch genauer können die Soldaten der Bundeswehr demnächst heranrückenden Feind oder irreguläre Kräfte in Auslandseinsätzen erkennen und den Überblick behalten", hieß es 2009 in einer Mitteilung des Unternehmens. In allen Puma-Schützenpanzern der Bundeswehr sind Wärmebild- und Tagsichtkameras von Carl Zeiss verbaut. Jetzt will Zeiss seine Optroniksparte verkaufen. Die EADS-Tochter Cassidian, mit der Zeiss bereits kooperiert, führt Gespräche über den Kauf der Militärsparte des Optikunternehmens.

Bild: Screenshot

Dazu kam die Nähe zum System der damaligen bayrischen Amigo-Wirtschaft mit ihren gegenseitigen Gefälligkeiten. In der Nachkriegszeit überließ Karl Diehl laut einer Biografie seinem Duzfreund, dem CSU-Politiker, zeitweisen Bundesverteidigungsminister und bayrischen Landesregierungschef Franz Josef Strauß, Diehl-Firmenflugzeuge für private Flüge. Und in den Neunzigerjahren stellte die Oberfinanzdirektion Nürnberg eine Betriebsprüferin kalt, die dem Konzern eine Steuernachzahlung von gut 30 Millionen Euro aufbürden wollte.

Am Ende war Diehl zur Jahrtausendwende sogar auch noch zum Negativbeispiel für einen Mittelständler geworden, der durch den verknöcherten Greis an der Spitze ins Verderben zu schlittern drohte. Mit dem Ende des Kalten Kriegs sanken die Rüstungsausgaben, und die Globalisierung bescherte Diehl neue Wettbewerber, die einfache Schaltuhren oder Feuerwerkskörper billiger produzierten.

Hinzu kam Versagen im Innern. Zerfressen von Misstrauen traute der Alte seinen Söhnen Werner, Peter und Thomas echte Führungsaufgaben offenbar nicht zu. Und das, obwohl der jüngste Sohn und heutige Chef Thomas bereits Forschungsvorstand war und die damalige Diehl-Tochter Junghans mit Funkuhren zu einem der führenden europäischen Hersteller gemacht hatte.

Idol Karl Valentin

Erst als der Benjamin mehrfach mit Kündigung drohte, wurde er Vorstandsvorsitzender. Aber sein kettenrauchender Vater mischte sich als Aufsichtsratschef weiter praktisch in alle Dinge ein. Mehr noch, er machte auch noch Sohn Werner zum Aufsichtsratschef. Dabei konnte der mit den Veränderungen, die sein Bruder Thomas anstieß, laut Insidern nur wenig anfangen. Fertigung in Billiglohnländern oder strikte Kostenrechnung – Thomas Diehl gelang all dies erst, als sein Vater ihm ab 2003 endlich mehr Macht einräumte.

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Auch wenn der amtierende Diehl-Chef viele Hemmnisse abgeschüttelt hat: Für die nächsten Jahre muss der nüchterne Ingenieur mit dem trockenen Humor seines Idols Karl Valentin erst mal kürzer treten. Wegen der relativ niedrigen Eigenkapitaldecke müsste er weitere Zukäufe mit Krediten finanzieren. „Damit“, so ein Insider, „tun sich die Brüder bei aller Achtung für die Erfolge ihres jüngsten doch schwer.“

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