RWE: Energieriese in der Gewinnzone – ganz knapp

RWE: Energieriese in der Gewinnzone – ganz knapp

, aktualisiert 14. November 2016, 07:46 Uhr
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In der konventionellen Stromerzeugung läuft es für den Konzern überraschend gut.

von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

RWE muss kräftige Einbußen verzeichnen. Deutschlands größter Stromproduzent ist aber im Gegensatz zu Konkurrent Eon nicht in die roten Zahlen gerutscht. Bei den Gas- und Kohlekraftwerken stabilisiert sich das Geschäft.

DüsseldorfDer Energieversorger Eon hat den Markt in der vergangenen Woche mit einem gewaltigen Verlust schockiert. Unter dem Strich stand wegen hoher Abschreibungen ein Fehlbetrag von 9,3 Milliarden Euro. So schlimm kam es bei RWE nicht. Der Konkurrent musste zwar auch enorme Einbußen verkraften, konnte sich aber in der Gewinnzone halten - wenn auch äußerst knapp. Das Nettoergebnis verringerte sich im Zwischenbericht für die ersten neun Monaten 2016 um 99,4 Prozent auf gerade einmal noch elf Millionen Euro, wie der Konzern am Montag mitteilte.

RWE verwies zum einen auf einen Rückgang beim operativen Ergebnis. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank um 13 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Der Großhandel rutschte in die Verlustzone. Das Kerngeschäft, die konventionelle Stromerzeugung in Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken konnte sich dagegen stabilisieren.

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Gleichzeitig verschlechterte sich das Finanzergebnis. RWE hatte zum einen im Vorjahr hohe Gewinne durch den Verkauf von Wertpapieren erlöst. In den ersten drei Quartalen 2016 musste der Konzern dagegen Verluste hinnehmen.

RWE legt erstmals nach dem Börsengang der „grünen“ Tochter Innogy den Zwischenbericht vor. Das Unternehmen, in dem RWE das Geschäft mit der Energiewende – erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze gebündelt hat – hatte Anfang Oktober das Debüt am Aktienmarkt gegeben. RWE hält noch 77 Prozent der Anteil, führt das Unternehmen aber als Finanzbeteiligung.

Die vergleichsweisen stabilen Erträge der Tochter kann RWE aber gut gebrauchen, schließlich steht das eigene operative Kerngeschäft – die konventionelle Stromproduktion – seit Jahren durch die Energiewende unter Druck. Innogy hatte am Freitag den Zwischenbericht für die ersten neun Monate vorgelegt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um sieben Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zurück. Unter dem Strich fiel der Nettogewinn um rund 30 Prozent auf eine Milliarde Euro. Der Finanzvorstand von Innogy, Bernhard Günther, hatte die Zahlen zwar als „grundsolide“ bezeichnet. Die Börse sah das aber offenbar anders. Die Aktie war am Freitag zunächst um mehr als sechs Prozent gefallen.

Dabei war der Börsengang ein voller Erfolg. Die Anleger hatten die Aktien zum Maximalpreis von 36 Euro abgenommen. Damit flossen Innogy zwei Milliarden Euro zu. RWE nahm 2,6 Milliarden Euro ein. Das Geld kann RWE gut für die Sanierung gebrauchen. Der Konzern war in den vergangenen Jahren durch die Energiewende in Turbulenzen geraten. Die Kohle- und Gaskraftwerke wurden zunehmend durch Wind- und Solarenergie aus dem Markt gedrängt.


Großhandel rutscht in die Verlustzone

Zum Jahresanfang kostete am Terminmarkt eine Megawattstunde Strom nur noch etwas mehr als 20 Euro. Damit rechneten sich selbst die Braunkohlekraftwerke fast nicht mehr. Mit dem Börsengang wollte der damalige RWE-Chef Peter Terium neue Kräfte frei setzen. Terium wechselte nach der Platzierung komplett zu Innogy. Die Führung von RWE überließ er seinem bisherigen Vize Rolf Martin Schmitz.

In der konventionellen Stromerzeugung läuft es überraschend gut. Das Betriebsergebnis stieg in den ersten neun Monaten um sieben Prozent auf 435 Millionen Euro. Das Sparprogramm, das RWE hier aufgelegt hat, zahlt sich offenbar aus. Gleichzeitig profitierte die Sparte von erfolgreichen Grundstücksverkäufen und einer Vereinbarung über die Entschädigung beim stillstehenden Steinkohlekraftwerk im westfälischen Hamm.

Die Entwicklung ist so positiv, dass RWE sogar die Prognose für die Sparte angehoben hat. Das Betriebsergebnis der Sparte wird im Gesamtjahr vermutlich auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Bisher war ein deutlicher Rückgang erwartet worden.

Zuletzt hat sich die Lage im Stromgroßhandel sogar deutlich entspannt. Der Strompreis kletterte im Terminhandel für kommendes Jahr wieder über 32 Euro je Megawattstunde. Das lag zum einen an einem Anstieg des Steinkohlepreises, zum anderen stehen in Frankreich mehrere Kernkraftwerke still. RWE bringt das kurzfristig aber kaum etwas. Für das kommende Jahr hat das Unternehmen den eigenen Strom am Terminmarkt schon weitgehend verkauft. RWE-Chef Schmitz äußerte sich im Interview mit dem Handelsblatt jüngst auch skeptisch, ob der Trend lange anhalten werde.

Im zweiten Bereich, den RWE noch operativ führt, dem Großhandel, verschlechterte sich das Betriebsergebnis um 226 Millionen Euro auf einen Fehlbetrag von 100 Millionen Euro.

Die Einnahmen aus dem Börsengang braucht RWE, um die Verpflichtungen aus dem Atomausstieg erfüllen zu können. Die Bundesregierung hat jüngst ein Gesetz auf den Weg gebracht, dass die Verantwortlichkeiten neu verteilt. Die Atomkonzerne sollen zwar weiter für den Rückbau der Reaktoren verantwortlich bleiben, die Zwischen- und Endlagerung des Atommülls wird aber auf einen öffentlich-rechtlichen Fonds übertragen. Die Konzerne müssen dafür zum einen ihre dafür gebildeten Rückstellungen abgeben und zum anderen auch einen Risikozuschlag übernehmen. Bei RWE ist damit eine Zahlung von rund 6,8 Milliarden Euro fällig.

RWE prüft derzeit nach eigenen Angaben die wirtschaftlich sinnvollste Option zur Finanzierung ihres Anteils. Finanzvorstand Markus Krebber erklärte: „Vor dem Hintergrund einer sehr soliden Liquiditätsposition gehört hierzu auch eine möglichst zeitnahe Zahlung.

Quelle:  Handelsblatt Online
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