RWE, ThyssenKrupp, Bayer & Co.: Diese Konzerne kehren ihren Zentralen den Rücken

RWE, ThyssenKrupp, Bayer & Co.: Diese Konzerne kehren ihren Zentralen den Rücken

von Andreas Wildhagen und Mario Brück

Großunternehmen sanieren und sparen. Vorstände denken an den Abschied von illustrer Hausmacht: Konzernzentralen sollen verlassen, verkauft oder vermietet werden.

Es war einmal: Zu einem glanzvollen Unternehmen gehört auch eine glanzvolle Fassade, ein repräsentativer Eingang, eine Vorstandsetage, die möglichst hoch über den Wolken schweben soll. Oder einen Blick über Wasser auf bevorzugter Sonnenseite nach Süden. Einst wurden diese Zentralen mit Pomp eingeweiht wie Kirchenschiffe, in denen eine frohe Botschaft verkündet werden sollte. Doch die Botschaften der Konzernführer sind nicht mehr so froh, sie sind auf Grundwasserniveau angekommen. Oder Investoren sind eingestiegen, die auf den Galerien in hohen Hallen eher vom Schwindel befallen werden. Es wird tiefer gestapelt. Vier Beispiele zeigen die Rückkehr zur Bodenständigkeit:

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Der sogenannte RWE-Tower, Zentrale des Energiekonzerns in Essen.

1. Der RWE-Turm in Essen
Er wurde vom Architekt Ingenhoven gebaut, 24 Stockwerke hoch. Gläsern funkelt er unter dem Himmel von Essen, direkt am Hauptbahnhof. Der Turm sollte den Glanz der Energiewirtschaft symbolisieren. Schon der Altbau, wenige hundert Meter weiter, wurde von den Essenern „Wattikan“ genannt. Der gläserne Turm wurde nun zum Mahnmal der Energiewende. RWE kann mit diesem Zeichen der Prosperität nichts mehr anfangen, der Konzern schreibt knapp drei Milliarden Euro Verlust. Die konventionellen Kraftwerke laufen nicht mehr. RWE-Chef Peter Terium krempelt den Konzern um, dazu gehört auch eine bescheidenere Konzernzentrale. Das Rund des Turms ist „ungeeignet für eine Verwaltungszentrale“, heißt es bei RWE. Sogar die Büroschränke müssen sich dem Rund des Hauses anpassen. Innen gibt es fensterlose Freiflächen, Konferenzräume, die nie Tageslicht einlassen. RWE sucht sich in den kommenden Jahren eine neue Behausung.

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Das Verlagsgebäude von Gruner+Jahr in Hamburg.

2. Das Gruner+Jahr-Verlagsgebäude in Hamburg
Einst ein Juwel redaktioneller Unterkunft. Verwinkelte Zimmer und viel Sprossen vor den Fenstern nehmen das Zitat von Denkerstuben auf. Innen überall Cafeterien, als ob hier nicht geschrieben, sondern gequasselt würde. WG-Atmosphäre an der Espressomaschine. Das Haus am Baumwall ist eine Fehlkonstruktion, weil die Räume nicht verschiebbar sind. Die Aussicht der Vorstände auf den Hamburger Hafen ist vermiest, weil Fenstersprossen direkt in Augenhöhe verlaufen, die wie Augenbinden den Blick auf das Funkeln des Hafens verschließen. Runde Fenster lassen wenig Licht in die Flure, weil der Münchner Architekt meinte, in Hamburg sind alle Fenster Bullaugen - ein Irrtum. Das Verlagshaus wirkt grau wie eine Lagerhalle, solche, die gerade im früheren Freihafen abgerissen wurden oder als Museumsfläche dienen. Gruner+Jahr denkt an den Verkauf des Verlagshauses. Vorbote eines Abschieds aus Hamburg in Richtung Berlin. Das Grundstück am Baumwall ist zig Millionen wert. Und G+J könnte durchaus Liquidität vertragen.

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