Schicksalsjahr 2012: Die Brennpunkte der Weltwirtschaft

Schicksalsjahr 2012: Die Brennpunkte der Weltwirtschaft

Zwischen Kalifornien und Washington, Brüssel, Mumbai und Peking fallen die Entscheidungen, die für deutsche Unternehmen Erfolg oder Scheitern bedeuten. Die zehn wichtigsten Orte der Welt.

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Europas wackelige Hoffnung. Öl- und Gasförderung vor Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans.



Baku - RWE

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Seit Jahren träumen Europapolitiker in Brüssel von einer EU-Pipeline, die Gas aus Zentralasien nach Westen transportiert – an Russland vorbei. Nabucco heißt die Pipeline, die Europas Abhängigkeit vom wichtigsten Gaslieferanten, dem Moskauer Staatskonzern Gazprom, und damit vom kapriziösen russischen Premierminister Wladimir Putin verringern soll. Nach der Verdi-Oper benannt, würde die 12 bis 15 Milliarden Dollar teure Doppelröhre von 2017 an Gas aus Aserbaidschan und anderen zentralasiatischen Ländern nach Europa befördern. Von deutscher Seite ist der Essener Energieriese RWE beteiligt, die Konsortialführung liegt beim österreichischen Ölkonzern OMV, mit im Boot sind kleinere Versorger aus Transitländern wie Ungarn.

Doch das Projekt hakt. Die Nabucco-Partner müssen 2012 noch ganz dicke Bretter bohren. Noch immer hat kein Land in Zentralasien verbindliche Lieferverträge mit den Europäern abgeschlossen – und ohne Verträge fließt kein Gas. RWE und Co. müssen alles tun, damit sie nicht in ein Milliardengrab investieren. Der Ausgang des Abenteuers hängt von der Regierung in Aserbaidschans Hauptstadt Baku ab, die bald riesige Öl- und Gasfelder anzapfen lassen wird. Präsident Ilham Alijew prüft Alternativen zu Nabucco: Private Investoren haben andere Routen ausgearbeitet, die die Abkürzungen DAP, TGI und SCP tragen und höchstens bis Italien führen würden. Nabucco soll in Österreich enden, womit der Gastransport viel teurer wäre. Vor allem sind die Nabucco-Konkurrenten bereit, den aserbaidschanischen Staatskonzern Socar am Transit zu beteiligen.

Unnötige Stilisierung

Die Nabucco-Initiatoren haben ihr Projekt unnötig zur Frage der Unabhängigkeit Europas hochstilisiert und die Interessen Aserbaidschans nicht wirklich ernst genommen. Zudem bandelt Nabucco-Partner RWE seit einem halben Jahr mit dem russischen Monopolisten Gazprom an und erwägt den gemeinsamen Bau und Betrieb von Gaskraftwerken. Gazprom aber will Nabucco verhindern und mit einer weiteren eigenen Röhre namens South Stream zusätzliches Gas nach Europa schicken.

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