Schienenkartell: Harte Strafe für ThyssenKrupp

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Die Zukunft der traditionsreichen Stahlwerke von ThyssenKrupp ist noch ungewiss

von Andreas Wildhagen

Konzern muss 88 Millionen Euro Strafe wegen des Schienenkartells zahlen. Das ist erst der Anfang. Das Amnestieprogramm ist gescheitert.

Düsterer könnte die Stimmung im Konzern in der ersten Ferienwoche in Nordrhein-Westfalen nicht sein. Noch immer sind die beiden Stahlwerke in Brasilien und Alabama (USA) nicht verkauft, sie haben mit ihrem Investitionsvolumen von 12 Milliarden Euro bei geplanten 3,5 Milliarden Euro den Konzern an den Rand der Existenz gebracht. Aber die Verhandlungen ziehen sich hin, der erhoffte Kaufpreis von 3,4 Milliarden Euro ist noch in weiter Ferne. Da flattert ein sehr konkreter Bußgeldbescheid ins Haus: 88 Millionen Euro muss ThyssenKrupp laut Kartellamt an Bußgeld zahlen, weil sie im Weichengeschäft Absprachen mit im Markt getroffen haben. Bereits 103 Millionen Euro hat der Konzern wegen unerlaubter Absprachen bei den Schienenlieferungen an die Deutsche Bahn gezahlt. Und noch immer läuft ein Kartellverfahren wegen Preismanipulationen bei Autoblechen, hier ist die deutsche Automobilindustrie hinters Licht geführt worden.

Hohe Schadensersatzforderungen werden erwartet

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Schadensersatzforderungen von Deutscher Bahn (Schienen) und Automobilindustrie (Autobleche) stehen noch aus. Und dann kommt der Hammer-Satz. "Derzeit können signifikante Risiken für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns nicht ausgeschlossen werden".

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ThyssenKrupp blickt auf der gesamten Geschäftsfeld-Range in eine Black-Box. Schadensersatzforderungen von Bahn und vor allem Automobilindustrie können sehr hoch ausfallen. Das Amnestieprogramm hat kaum Aufschluss darüber gegeben, wie die Autoindustrie im Detail um einen fairen Preis gebracht worden ist. Das Amnestieprogramm sicherte denen, die sich bis Ende Juni offenbarten, Kündigungsschutz sowie Sicherheit vor Klagen zu. Doch haben sich vor allem solche Manager gemeldet, die sich absichern wollten, ob ihre Praxis, Kunden im Ausland einzuladen, noch erlaubt ist oder nicht. Das Amnestieprogramm ist damit gescheitert, es wurde zu einem Absicherungsprogramm des Managements bei ThyssenKrupp.

Fragen über Fragen

Die Fragezeichen aber bleiben, die Box bleibt dunkel. Jetzt warten alle auf ein befreiendes Signal, dass ThyssenKrupp seine defizitären Stahlwerke verkauft hat, zu einem Preis, der eine Kapitalerhöhung vermeidet. Sonst werfen sich weitere existenzielle Fragen auf: Verliert die Krupp-Stiftung und damit der bald 100jährige Berthold Beitz seine Einfluss auf den Konzern? Wer tritt an seine Stelle? Und: Wird der Konzern zu einem Ziel für Firmenjäger, die ThyssenKrupp zerlegen und meistbietend verwerten wollen? Und zu schlechter allerletzt: Was wird aus dem Stahl? Die Stahlwerke will sicher zur Zeit niemand haben, weil Stahl zu einem unsicheren Geschäft geworden sind.

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