Schlaganfall-Mittel: Hunderte Todesfälle nach Pradaxa-Behandlung

Schlaganfall-Mittel: Hunderte Todesfälle nach Pradaxa-Behandlung

, aktualisiert 13. November 2011, 16:40 Uhr
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Wie bei allen Gerinnungshemmern besteht auch bei dem neuen Medikament Pradaxa ein Blutungsrisiko.

Quelle:Handelsblatt Online

Das neue Schlaganfall-Mittel von Boehringer Ingelheim sorgt für Furore: Weltweit stehen 260 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Medikament. Das Unternehmen sieht aber keinen Anlass für Patienten, das Mittel abzusetzen.

FrankfurtWeltweit sind nach der Behandlung mit dem neuen Schlaganfall-Mittel von Boehringer Ingelheim mehr als 200 Menschen gestorben. Seit der ersten Zulassung von Pradaxa im März 2008 bis zum 31. Oktober 2011 liege die Gesamtzahl der weltweit gemeldeten Verdachtsfälle von tödlichen Blutungen bei 260, teilte Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern am Wochenende mit. Einem Bericht von „Spiegel Online“ zufolge traten 21 Todesfälle in Europa auf, vier davon in Deutschland.

Anfang November hatte der Familienkonzern von einer Größenordnung von etwa 50 Verdachtsfällen zu tödlichen Blutungen im zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme von Pradaxa gesprochen. Der Gerinnungshemmer ist seit September auch in Deutschland zur Verhinderung von Schlaganfällen auf dem Markt. Dabei geht es um Patienten mit Vorhofflimmern, einer vor allem bei älteren Menschen häufigen Form von Herzrhythmusstörungen.

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Wie bei allen Gerinnungshemmern besteht auch bei Pradaxa ein Blutungsrisiko. Auf einer kurzfristig anberaumten Internet-Pressekonferenz verteidigte das Unternehmen am Sonntag die Sicherheit seines Medikaments. „Wir haben ein gutes Medikament auf dem Markt, das gemäß Studien in drei von vier Fällen Schlaganfälle verhindern kann“, sagte Konzernchef Andreas Barner.

Die Wirksamkeit und das Sicherheitsprofil der Tablette seien der bisherigen Therapie mit dem älteren Mittel Warfarin klar überlegen. „Für gut eingestellte Patienten gibt es keine Veranlassung, Pradaxa abzusetzen und sich dem Risiko eines Schlaganfalls auszusetzen“, sagte Barner. Patienten mit Vorhofflimmern hätten ein fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko. Zudem verliefen Schlaganfälle bei ihnen häufig besonders schwer.


Studie weist erhöhtes Infarkt-Risiko nach

Boehringer Ingelheim wies zudem darauf hin, dass die Zahl der bisher gemeldeten Verdachtsfälle von tödlichen Blutungen im Verhältnis deutlicher geringer als jene sei, die in der Zulassungsstudie für das Behandlungsfeld Schlaganfall-Prävention erhoben worden war. „Boehringer Ingelheim nimmt alle Meldungen zu Nebenwirkungen und Todesfällen sehr ernst und überwacht den Einsatz all seiner Medikamente inklusive Pradaxa kontinuierlich“, erklärte Klaus Dugi, Top-Manager im Medizingeschäft bei Boehringer.

Der in Ingelheim bei Mainz ansässige Konzern hatte erst jüngst die Ärzte aufgefordert, künftig weitere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. So sollen die Mediziner die Nierenfunktion von Patienten vor einer Behandlung mit dem Präparat überprüfen. Bei Patienten, die älter als 75 sind oder unter einer beeinträchtigten Nierenfunktion leiden, solle das Organ mindestens jährlich untersucht werden.

Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen sollten das Mittel gar nicht erst bekommen. Das Schlaganfall-Präparat Pradaxa wird hauptsächlich über die Niere ausgeschieden. Ist die Nierenfunktion aber gestört, bleibt das Medikament im Körper. Innere Blutungen können dann lebensbedrohlich werden.

Auf ein weiteres mögliches Risiko von Pradaxa machten Mediziner der Cleveland Clinic aus den USA aufmerksam. In einer Studie wiesen die Forscher anhand der Analyse mehrerer Tests ein erhöhtes Herzinfarktrisiko bei Pradaxa nach. Diesem Ergebnis widersprach Boehringer Ingelheim. Das Unternehmen habe selbst klinische Daten geprüft, sagte Medizin-Chef Dugi. Diese Untersuchung von Sicherheitsdaten von über 40.000 Patienten zeige, dass Herzinfarkte unter einer Therapie mit Pradaxa nicht häufiger auftreten.

Boehringer könne somit schlussfolgern, „dass Herzinfarkte keine unerwünschte Arzneimittelwirkung von Pradaxa darstellt“, sagte Dugi. Die Mediziner der Cleveland Clinic hatten ihre Studie auf dem gerade laufenden Kongress der American Heart Association (AHA) in Florida veröffentlicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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