Schwache Halbjahreszahlen: Rheinmetalls Start mit Ladehemmung

ThemaRüstung

KommentarSchwache Halbjahreszahlen: Rheinmetalls Start mit Ladehemmung

, aktualisiert 09. August 2013, 10:30 Uhr
von Rüdiger Kiani-Kreß

Mit seinen ersten Halbjahreszahlen verschreckt Konzernchef Armin Papperger die Investoren. Vor allem das Rüstungsgeschäft ist unerwartet schwächer als geplant.

Als bei Rheinmetall Ende vorigen Jahres ein Chefwechsel anstand, war die Kandidatenliste denkbar knapp. Den Job bekam der Chef der Rüstungsparte Armin Papperger, denn der alte Amtsinhaber Klaus Eberhardt hatte die Strategie ausgegeben, dass der Düsseldorfer Konzern das Autozulieferer-Geschäft möglichst bald im Rahmen eines Börsengangs aufgeben und sich dann ganz auf Rüstungsgeschäft konzentrieren würde.

Als der Börsengang im vorigen Jahr noch vor Eberhardts Ruhestand scheiterte, wirkte das wie ein Dämpfer. Denn das Autogeschäft galt wegen der reinen Zulieferer-Rolle als wenig renditeträchtig, teuer und viel zu konjunkturanfällig wie die Rezession nach der Finanzkrise 2008 gezeigt hat. Ganz im Gegensatz der Bau von Panzern und Munition, bei dem Rheinmetall dank Fertigung im Ausland, Hightech und den vorbildlich vielen langfristigen Verträgen vor allem im renditestarken Geschäft im Service des Schießzeugs viel besser da stand als die Konkurrenz.

Anzeige

Rheinmetall Für Deutschland nur die Nebenrolle im Panzergeschäft

Rheinmetall will sich in Zukunft stärker internationalisieren. Deutschland bleibt wichtig, doch für Wachstum und Gewinne sorgen künftig China, Südafrika und bald auch eine Rüstungsproduktion in Lateinamerika.

Quelle: dpa


Nun ist die Freude am Konzernsitz in der Rheinmetall-Allee groß. Denn der geplatzte Gang aufs Parkett erweist sich als Glücksfall. Nun läuft die Autokonjunktur leidlich gut, nicht zuletzt wegen immer strengerer EU-Vorschriften beim Schadstoffausstoß, die kein Hersteller ohne viel Hightech vom Zulieferer erfüllen kann.

Dagegen ist das Rüstungsgeschäft nun der Bremser und zieht Rheinmetall im ersten Halbjahr in die roten Zahlen. Das Betriebsergebnis sackte auf minus 36 Millionen Euro ab, nach 119 Millionen Euro Gewinn ein Jahr zuvor. Auch ein breit angelegtes Sparprogramm hat den Konzern in den ersten sechs Monaten mit 47 Millionen Euro belastet. In der Militärsparte brach der Umsatz um knapp 17 Prozent auf 834 Millionen Euro ein. Dadurch machte die Sparte vor Zinsen und Steuern (EBIT) 74 Millionen Euro Verlust. Zwar gab es vor kurzem noch einen Großauftrag über 2500 Militärlastwagen aus Australien. Doch das ist nicht genug. Denn am Ende wirkt etwas anderes stärker. Das Kerngeschäft, der Verkauf von Munition und schwer geschützter Autos hat keine konjunkturelle Krise, sondern - schlimmer – eine strukturelle. Denn so begehrt die Waren von Rheinmetall Defence auch sind: die Kunden, die sie kaufen können, mögen sie sich angesichts der anhaltenden Staatsschuldenkrise nicht leisten. Und wer sie kaufen kann, darf nicht, weil er wie Saudi-Arabien vor allem in Deutschland zwar als Freund, aber dennoch als unzuverlässig gilt.

Schließlich könnte das heute zur Verteidigung gegen fragwürdige Regime wie dem Iran verkaufte Zeug bei einem möglichen Umsturz in der Region zuerst gegen eine demokratische Opposition und bei einer Revolution gar in der Hand radikaler Islamisten landen. Darum dürfte nun wohl der lange diskutierte Verkauf von mindestens 200 Leopard-Kampfpanzern scheitern und Rheinmetall wohl mehrere hundert Millionen Euro Gewinn entgehen. Daran hängt dann auch der Verkauf von Munition, in dem Rheinmetall besonders stark ist.

Weitere Artikel


Das kommt zwar an sich nicht überraschend. Denn die Vorbehalte gegen den Verkauf deutschen Schießzeugs in Krisenregionen und solche, die es werden könnten, gibt es schon länger. Doch erst jetzt ist wohl klar, dass der Kurs unter einer konservativen Regierung zumindest ebenso streng gefahren wird wie zuvor unter Rot-Grün.

Nun muss der neuen Chef Papperger gegensteuern. Er will erst einmal seinen Rüstungsbereich umbauen und dabei einen halben Jahresgewinn ausgeben.

Doch das ist noch kein Grund zur Sorge. Denn am Ende wird die Globalisierung im Rüstungsbereich Rheinmetall weiter tragen wie zuvor im Autobereich. Der Weg zu mehr Produktion etwa in Südafrika oder bald in Lateinamerika macht den Konzern stärker und unabhängiger von den politischen Vorgaben zu Hause.

Mit Material von dpa

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%