Schwaches Kerngeschäft: Continental rückt Bosch gefährlich auf die Pelle

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Schwaches Kerngeschäft: Continental rückt Bosch gefährlich auf die Pelle

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Continental-Chef Elmar Degenhart hat wahrlich Grund zur Freude. Der Autozulieferer hat 2012 trotz der Absatzkrise in Europa einen Rekordgewinn eingefahren und einen großen Teil seines milliardenschweren Schuldenbergs abgetragen. Bei Bosch sorgt das für Ungemach.

von Martin Seiwert

Der Traditionskonzern steckt tief in der Krise. Wettbewerber Continental läuft den Schwaben im Autogeschäft den Rang ab. Der Solarausflug war dagegen ein teures, aber kleines Abenteuer.

Die Veranstaltung nannte sich Fertigungstagung, ihr Motto: „Agilität in der Produktion“. Was nach einer unbedeutenden Runde von Verfahrenstechnikern klingt, war in Wirklichkeit das wichtigste Führungskräftetreffen bei Bosch.

Streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit, traf sich im vergangenen Juni das gesamte Top-Management des Stuttgarter Technologieriesen zur „Fertigungstagung“ in der nordungarischen Kleinstadt Eger. Der scheidende Bosch-Chef Franz Fehrenbach war gekommen, auch sein Nachfolger Volkmar Denner und der Erfinder des Bosch-Produktionssystems Werner Struth. Die Botschaft des Triumvirats an die rund 360 angereisten Führungskräfte lautete: Das Unternehmen müsse „schneller und schlanker“ werden, und zwar dringend.

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Munter Leute eingestellt

Das Ende des milliardenteuren Ausflugs in die Solartechnik, das Bosch-Lenker Denner sowie sein Ex-Chef und heutiger Aufsichtsratsvorsitzender Fehrenbach erklärten, lenkt ab von einem noch viel schwerwiegenderen Problem. Bosch steckt in der Autozuliefersparte, dem Ur- und Kerngeschäft seit der Gründung 1886, in einer tiefen Krise. Zurzeit noch Champion der Branche, rückt die Konkurrenz unübersehbar heran. Während der Umsatz der Kfz-Sparte von Bosch in den vergangenen fünf Jahren um 17 Prozent stieg, konnte Wettbewerber Continental den Umsatz um 35 Prozent steigern.

„Continental rückt Bosch im Kerngeschäft immer stärker auf die Pelle“, sagt der Automobilwirtschafts-Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Der Umsatz der Bosch-Kfz-Sparte sei 2012 um 500 Millionen Euro gestiegen, bei Continental dagegen um 1,2 Milliarden Euro. Und während Bosch sich mit zwei Prozent Umsatzrendite begnügen musste, kam Conti fast auf das Dreifache.

Ähnlich fällt das Fazit einer Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan aus. „Continental“, sagt Berater Niranjan Thiyagarajan, „hat einen klaren Vorsprung vor Bosch.“

Bosch Solar Die Ursachen für das Solardesaster

So gut wie neu, nie installiert - die Ursache des Solardesasters bei Bosch sind schwere Managementfehler.

Der Stuttgarter Technologiekonzern beerdigt alle Solaraktivitäten. Der Ausstieg könnte für Bosch teuer werden. Quelle: dpa

In der Bosch-Zentrale auf der Schillerhöhe im Stuttgarter Vorort Gerlingen sind die Probleme bekannt. „Das ist eine ernste Lage, die die Konzernspitze schon länger kommen sieht, die die Öffentlichkeit aber erst allmählich wahrnimmt“, sagt ein Konzerninsider aus dem Top-Management. Wettbewerber wie Continental seien günstiger und schneller und liefen Bosch „zunehmend den Rang ab“. Während Continental sein Geschäft in den letzten Jahren verbissen auf Effizienz getrimmt habe, habe Bosch „munter Tausende von Mitarbeitern eingestellt und Geschäftsbereiche aufgebaut, die sich rückblickend als nicht tragfähig erwiesen".

Position verschlechtert

Die Düsternis kündigte sich in den vergangenen Monaten in Trippelschritten an. Im Juli 2012 musste Bosch seine Umsatzziele kassieren, im August über Kurzarbeit in einzelnen Werken verhandeln, im September die Pläne für eine gemeinsame Produktion von Elektroautobatterien mit Samsung beerdigen, in der vergangenen Woche den Ausstieg aus dem Solargeschäft bekannt geben – und mit dem Abgang von Autospartenchef Bernd Bohr den Umbau des Top-Managements einläuten. Schon wird intern über einen Personalabbau spekuliert, der weit über die 3000 Mitarbeiter der Solarsparte hinausgeht.

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