Serie Zukunft der Industrie: Die Jagd nach der Milliardenidee

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Serie Zukunft der Industrie: Die Jagd nach der Milliardenidee

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CoLaborators-Chef Stefan Jaroch will Gründer in das Labor nach Berlin holen

von Oliver Voß

Deutsche Konzerne versuchen mit klangvollen Startup-Brutkästen, den großen Coup zu landen. Leichter gesagt als getan.

Selbst Klaus Wowereit kann noch Eröffnungen feiern. Vor zwei Wochen weihte Berlins Regierender Bürgermeister den sogenannten CoLaborator ein. In den schicken Räumen mit den stylishen grünen Sitzecken sieht es aus wie in einer Werbeagentur, doch entscheidend sind die hochmodernen Labore, in die sich Start-ups einmieten können.

Gegründet hat den sogenannten Inkubator, zu Deutsch: Brutkasten, Bayer. „Das ist ein wichtiges Element unserer Innovationsstrategie“, sagt der Leiter des CoLaborators, Stefan Jaroch.

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Gründer locken

Der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern betreibt seit zwei Jahren in San Francisco solch ein Gründer-Labor. Nun will er junge Gründer auch in den Berliner Wedding locken. Den ersten hat Bayer sogar schon aus dem Silicon Valley losgeeist: Robert Pytela hat seit 1988 an der University of California in San Francisco geforscht und schon zwei Unternehmen gegründet.

Der 59-Jährige ist Spezialist für die Entwicklung von Antikörpern zur Krebsdiagnostik. Seine erste Firma verkaufte er für 170 Millionen Dollar an Abcam, den Weltmarktführer für Antikörper aus Großbritannien. Seine zweite schnappte sich der Schweizer Pharmariese Roche. Bei Pytelas dritter Firma, Calico, könnte irgendwann vielleicht Bayer zum Zug kommen.

Bargeld und Kaffee inklusive

Die Leverkusener unternehmen derzeit einiges, um sich frühzeitig den Zugriff auf Innovationen zu sichern. So hat Bayer ebenfalls in Berlin ein Accelerator-Programm gestartet, für das noch bis Ende des Monats fünf Start-ups gesucht werden.

Ein Accelerator ist ein Beschleuniger: Aussichtsreiche Start-ups erhalten 50.000 Euro Startgeld, Beratung, Büroflächen und „Kaffee inklusive“, um sich zu entwickeln. Im Gegenzug erhält Bayer die Option, Anteile an den Unternehmen zu erwerben.

Deutsche Inkubatoren für Startups

  • Bayer: CoLaborator

    Im Inkubator CoLaborator können sich sechs Start-ups einmieten. Nur im Accelerator-Programm gibt Bayer Geld und erhält dafür ein Recht auf Anteile.

    Geld für Startups: 50.000 Euro

    Firmenanteile für Bayer: Verhandelbar

  • Axel Springer: Plug & Play

    In das Accelerator-Programm werden drei Mal pro Jahr bis zu zehn Start-ups aufgenommen.

    Geld für Startups: 25.000 Euro

    Firmenanteile für Springer: 5 Prozent

    geförderte Startups bisher: 26

  • Deutsche Telekom: Hub:raum

    Die Telekom fördert in ihrem Inkubator Hub:raum bis zu zehn Startups. Im Accelerator-Programm gibt es kein Geld und keine Anteile Geld für Start-ups bis 300.000 Euro.

    Firmenanteile für Telekom: 10 bis 15 Prozent

    geförderte Startups bisher: 42

Mit seiner Start-up-Offensive ist Bayer nicht allein. Der Blick in die USA, wo anscheinend wie am Fließband neue Milliardenunternehmen und Milliardäre entstehen, macht die hiesigen Konzernchefs nervös und weckt Begehrlichkeiten. Um bei dem Milliardenspiel nicht abseits zu stehen, hat sich eine ganze Reihe von ihnen entschieden, in die Gründeraufzucht einzusteigen.

Geld gegen Ideen

Die Deutsche Telekom, Allianz, Pro7 oder die Commerzbank haben zu diesem Zweck Accelerator-Programme und Inkubatoren für Gründer ins Leben gerufen. Sie veranstalten regelmäßig Castings für Start-ups und locken Gründer mit Geld, Büroräumen und Geschäftskontakten. Im Gegenzug hoffen sie möglichst früh Zugriff auf neue Geschäftsideen zu erlangen, um sich gegen Wettbewerber zu wappnen oder später selbst das dicke Geld zu verdienen.

Für deutsche Konzerne ist die Einbindung von Start-ups – neben der Einrichtung von Zukunftslabors – ein wichtiges Instrument, um sich für die Zukunft zu wappen. Statt von der Digitalisierung überrollt zu werden, hoffen die etablierten Unternehmen, so das berühmte „next big thing“, das nächste große Ding, im eigenen Haus auszubrüten. Oder sie trachten danach, auf diese Weise potenzielle Wettbewerber im Vorfeld auszubremsen.

„Wir versuchen so, Ideen, die uns gefährlich werden könnten, rechtzeitig zu erkennen“, sagt Marc Stilke, Chef von Immobilienscout24. Das Internet-Portal hat es selbst vorexerziert und den Verlagen Geschäft mit den Immobilienanzeigen geraubt, die jahrzehntelang die Wochenendausgaben mit gut bezahlten Anzeigen füllten. Heute läuft das Geschäft fast nur noch im Internet, und Immobilienscout24 ist mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent klarer Marktführer.

Trotzdem weiß Stilke, dass er sich auf der dominanten Position nicht ausruhen kann. Er attestiert sich eine „gesunde Paranoia“: Was Internet und Immobilienscout24 mit den Zeitungen gemacht haben, könne ihm auch schnell selbst passieren. Aus diesem Grund hat der 47-Jährige in der Zentrale am Berliner Ostbahnhof einen Inkubator für Start-ups namens You-is-now gegründet.

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