SGL-Chef Jürgen Köhler: Stahlschrott und Carbon sollen SGL aus der Krise holen

ThemaAutobauer

InterviewSGL-Chef Jürgen Köhler: Stahlschrott und Carbon sollen SGL aus der Krise holen

Bild vergrößern

Jürgen Köhler führt seit Januar SGL – er wurde von Großaktionärin Susanne Klatten ausgesucht.

von Jürgen Salz und Stephanie Heise

Der neue Chef des Technologiekonzerns SGL kämpft mit Sparprogrammen gegen die Krise. Mit Stahlschrott und Carbonteilen will Jürgen Köhler SGL in rosige Zeiten führen.

WirtschaftsWoche Online: Herr Köhler, macht Ihnen Ihr Job eigentlich Spaß? Im vergangenen Jahr hat SGL bei einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro über 300 Millionen Verlust eingefahren; auch dieses Jahr sind die Zahlen rot. Sie können wenig gestalten und müssen vor allem den Sparkommissar geben.
Jürgen Köhler: Sparen ist derzeit das wichtigste Gebot. Gleichzeitig investieren wir aber auch in die Entwicklung neuer Produkte. Mir macht mein Job Spaß. Ich lerne jeden Tag etwas dazu – im Oktober zum Beispiel, eine Kapitalerhöhung über 267 Millionen Euro durchzuführen.

Wie viel Geduld haben denn Ihre Großaktionäre – die Quandt-Erbin Susanne Klatten sowie BMW und VW – noch?
Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Alle drei haben jedenfalls die Kapitalerhöhung analog ihrer Anteile voll mitgemacht.

Anzeige

Ein anderer Großaktionär, der Maschinenbauer Voith, scheint das Vertrauen in SGL verloren zu haben. Warum hat Voith die Kapitalerhöhung nicht mitgemacht?
Wir gehen davon aus, dass Voith seine Bezugsrechte an andere Investoren verkauft hat. Über die Gründe möchte ich nicht spekulieren. Davon unabhängig ist Voith weiter Aktionär und im Aufsichtsrat vertreten.

Grafithersteller SGL Group treibt Umbau voran

Die SGL Group baut um: Zum ersten Januar 2015 sollen die Veränderungen bei dem Spezialgrafitherstellers umgesetzt werden. Mehrere Geschäftsbereiche werden dann zusammengefasst, lediglich einer bleibt unverändert.

Die SGL Group verpasst sich eine neue Konzernstruktur. Quelle: dpa

Wann geht es bei SGL wieder aufwärts?
Ich gebe keine Prognose ab, wann die SGL Group wieder schwarze Zahlen schreibt. Dazu ist es noch zu früh. Für 2014 erwarten wir ein deutlich schlechteres Betriebsergebnis als letztes Jahr.

Warum so zurückhaltend?
Weil das zum Teil von Faktoren abhängt, auf die wir wenig Einfluss haben. Etwa maßgeblich davon, wie sich unser Hauptgeschäft mit Grafitelektroden entwickelt, die für die Elektrostahlproduktion – sprich für das Recyceln von Stahlschrott zu Stahl – benötigt werden. Sobald sich die Preise für Grafitelektroden erholen, wird sich auch unser Ergebnis deutlich verbessern.

Die Eigentümerstruktur von SGL

  • SKion (Susanne Klatten)

    SKion ist mit 27,5 Prozent der Anteile der größte SGL-Einzelaktionär.

  • BMW

    Die Quant-Erbin Susanne Klatten ist nicht nur direkt mit SKion, sondern auch indirekt mit BMW an SGL beteiligt. Der Münchner Autobauer hält 18,4 Prozent der SGL-Aktien.

  • Volkswagen

    VW hat bei der jüngsten Kapitalerhöhung mitgezogen, Voith nicht. Deshalb sind die Wolfsburger mit 10,0 Prozent der drittgrößte Aktionär.

  • Voith

    Der deutsche Technologiekonzern hat bei der letzten Kapitalerhöhung nicht mitgezogen und hält deshalb nur noch 7,0 Prrozent an SGL.

  • Streubesitz

    Der größte Teil der Papiere, 37,1 Prozent, befinden sich in Streubesitz.

Derzeit liegen die Preise für Grafitelektroden allerdings am Boden. Stahl aus Erz ist so billig, dass sich kaum ein Stahlverarbeiter für Recycling interessiert. Was tun?
Das stimmt so nicht. Insbesondere in der westlichen Welt werden große Teile des Stahls auch heute durch Stahlrecycling hergestellt. Allerdings sind die Preise für Grafitelektroden wegen der Überkapazitäten dramatisch gefallen. Derzeit sind sie stabil, aber noch nicht auf dem früheren Niveau. Um gegenzusteuern, hat die SGL Group zwei Werke in Italien und Kanada geschlossen, damit Kapazität aus dem Markt genommen und die Kostenbasis verbessert. Einer unserer Wettbewerber hat das Gleiche getan. Mittelfristig bin ich zusätzlich optimistisch: Der große Stahlboom hat kurz nach der Jahrtausendwende begonnen. 70 Prozent des verbauten Stahls kommt nach etwa 15 Jahren als Schrott zurück. Dann gibt es nur einen Weg, daraus wieder Stahl zu machen – mit unseren Grafitelektroden.

Die Geschäftsentwicklung von SGL

  • Grafitelektroden

    Umsatz 2013: 596 Millionen Euro

    Gewinn 2013: 64 Millionen Euro

    Umsatz 2014: 429 Millionen Euro

    Gewinn 2014: 16 Millionen Euro

    Die Zahlen beziehen sich jeweils auf den Zeitraum Januar-September

  • Grafit-Spezialitäten

    Umsatz 2013: 225 Millionen Euro

    Gewinn 2013: 15 Millionen Euro

    Umsatz 2014: 265 Millionen Euro

    Gewinn 2014: 29 Millionen Euro

    Die Zahlen beziehen sich jeweils auf den Zeitraum Januar-September

  • Carbon

    Umsatz 2013: 183 Millionen Euro

    Gewinn 2013: -21 Millionen Euro

    Umsatz 2014: 214 Millionen Euro

    Gewinn 2014: -18 Millionen Euro

    Die Zahlen beziehen sich jeweils auf den Zeitraum Januar-September

Die Frage ist, ob sich das für Sie rechnet. Öffentlich wird SGL ohnehin mehr über das Thema Carbon wahrgenommen. Carbon macht das BMW-Elektroauto i3 leichter und hilft, Sprit zu sparen, ist aber deutlich teurer als Stahl und Aluminium. Die große Nachfrage bleibt bisher aus, SGL schreibt dort rote Zahlen. Wann verdienen Sie mit Carbon endlich Geld?
So schnell wie möglich. Das Material setzt sich gerade verstärkt durch, zum Beispiel in der Luftfahrt und im Automobilbau. 50 Prozent des neuen Boeing-Fliegers Dreamliner bestehen etwa aus Carbon. Beim neuen Airbus A350, der 2015 auf den Markt kommt, wird es ähnlich sein.

Davon haben Sie wenig. SGL konzentriert sich doch vor allem auf die Autoindustrie.
Wir sind Carbon-Weltmarktführer bei Autos. Unsere gemeinsam mit BMW betriebene Carbonfaserfabrik im US-Staat Washington wird die weltgrößte sein.

Die Fertigungskosten für Carbon sind hoch; die Nachfrage mäßig. Wie kommen Sie aus dem Teufelskreis heraus?
Wir stehen vor dem Durchbruch: Carbonfasern werden zunehmend in Autos eingesetzt – etwa in flachen, einfach zu produzierenden Bauteilen wie Dachrahmen. Dort werden die Produktionskosten sinken; dafür hat SGL das nötige Know-how über die gesamte Wertschöpfungskette.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%