Siemens: Bürokratieabbau kostet Jobs

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KommentarSiemens: Bürokratieabbau kostet Jobs

von Matthias Kamp

Konzernchef Joe Kaeser will den schwerfälligen Tanker Siemens schneller und wendiger machen. Der geplante Stellenabbau ist dabei unvermeidlich.

Bis Ende der Woche will Siemens bekannt geben, wie viele Arbeitsplätze im Zuge des weit reichenden Konzernumbaus wegfallen werden. Die Rede ist von weltweit 7400 Stellen, davon gut 3000 in Deutschland, die der Technologieriese streichen will. Nötig wird der Kahlschlag, weil Kaeser die von seinem Vorgänger Peter Löscher eingeführte Aufteilung der Siemens-Geschäfte in vier Sektoren wieder abschafft. Außerdem löst der Siemens-Chef die Regionalcluster-Struktur auf, nach der das Unternehmen bisher seine weltweiten Aktivitäten organisiert hatte.

Die neun Divisionen von Siemens

  • Division Power and Gas

    Produkte und Anwendungen: Gasturbinen, Dampfturbinen, Energiegewinnung aus Schiefergas

    Umsatz 2014/2015: 13,2 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 1,4 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 10,8 Prozent

    Angestrebte Marge: 11-15 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Lisa Davis

  • Division Wind Power and Renewables

    Produkte und Anwendungen: Windkraftanlagen

    Umsatz 2014/2015: 5,7 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 0,16 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 2,8 Prozent

    Angestrebte Marge: 5-8 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Lisa Davis

  • Division Energy Management

    Produkte und Anwendungen: Stromübertragung, Kraftwerkssteuerung, Transformatoren

    Umsatz 2014/2015: 11,9 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 0,57 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 4,8 Prozent

    Angestrebte Marge: 11-15 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Lisa Davis

  • Division Building Technologies

    Produkte und Anwendungen: Gebäudesicherheit, Brandschutz, Gebäudeautomatisierung

    Umsatz 2014/2015: 6,0 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 0,553 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 9,2 Prozent

    Angestrebte Marge: 8-11 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Roland Busch

  • Division Digital Factory

    Produkte und Anwendungen: Software zur Steuerung von Fertigungsprozessen, Industrieroboter

    Umsatz 2014/2015: 10,0 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 1,7 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 17,5 Prozent

    Angestrebte Marge: 14-20 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Klaus Helmrich

  • Division Process Industries and Drive

    Produkte und Anwendungen: Industrieautomatisierung

    Umsatz 2014/2015: 9,9 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 0,536 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 5,4 Prozent

    Angestrebte Marge: 8-12 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Klaus Helmrich

  • Division Mobility

    Produkte und Anwendungen: Hochgeschwindigkeitszüge, U-Bahnen, Straßenbahnen, Zugleitsysteme

    Umsatz 2014/2015: 7,5 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 0,588 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 7,8 Prozent

    Angestrebte Marge: 6-9 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Roland Busch

  • Division Financial Services

    Produkte und Anwendungen: Finanzdienstleistungen

    Angestrebte Marge: 15-20 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Ralf Thomas

  • Eigenständige Division Healthcare

    Produkte und Anwendungen: Ultraschall, Computertomografen, Magnetresonanztomografen, Labordiagnostik

    Umsatz 2014/2015: 12,9 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 2,2 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 16,9 Prozent

    Angestrebte Marge: 15-19 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Prof. Dr. Siegfried Russwurm

Der Tanker Siemens, so Kaesers Mantra, müsse wieder dynamischer werden, das Geschäft schneller zum Kunden kommen. Dazu gehörten Hierarchieebenen und Bürokratie abgebaut.

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Schon im vergangenen Jahr hatte Kaeser verkündet, dass von der  Neuorganisation 11.600 Stellen betroffen sein würden. Man werde allerdings versuchen, für so viele Mitarbeiter wie möglich neue Verwendungen im Konzern zu finden. Jetzt ist die Suche abgeschlossen.

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Joe Kaeser muss sich rechtfertigen. Quelle: REUTERS

Hinter vorgehaltener Hand zollen manche Arbeitnehmervertreter bei Siemens Kaeser nun sogar Respekt. Man habe wirklich mit allen Mitteln versucht, für betroffene Mitarbeiter neue Stellen im Unternehmen zu finden, sagt ein Gewerkschafter. „Bürokratie hat Gesichter“, hatte der Siemens-Chef ein ums andere Mal betont, aber gleichzeitig darauf hingewiesen, dass der Umbau der scherfälligen Konzernstruktur ohne einen Stellenabbau nicht zu machen sei. Weniger Bürokratie und Hierarchien ohne weniger Mitarbeiter sind in der Tat schwer vorstellbar.

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Die Verantwortung für den Stellenabbau trägt letztlich Kaeser-Vorgänger Löscher. Unter der Ägide des Österreichers waren teils ziellos und unkontrolliert neue Leute eingestellt worden, so dass am Ende auch im Konzern niemand mehr wusste, wie viele Mitarbeiter Siemens eigentlich hat. Kaeser musste es sich bei seinem Antritt im August 2013 erst ausrechnen lassen. Jetzt weiß man es: Weltweit sind es knapp 350.000; in Deutschland 115.000.

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