Siemens-Chef Löscher: "400 Euro jährlich mehr für Strom nicht hinnehmbar"

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Siemens-Chef Löscher: "400 Euro jährlich mehr für Strom nicht hinnehmbar"

von Rebecca Eisert

Der Siemens-Chef wettert in der Bild-Zeitung gegen steigende Stromkosten. Bei der Energiewende hake es gewaltig, so Löscher, ohne Kurskorrektur fahre sie gegen die Wand.

Peter Löscher macht in Deutschlands größter Boulevard-Zeitung Stimmung gegen die Energiewende: "Der beschlossene Atomausstieg war richtig. Aber ohne deutliche Kurskorrektur fährt die Energiewende gegen die Wand, vor allem weil die Kosten aus dem Ruder laufen." Dass Löscher gerade jetzt nochmal seine Position zum Thema deutlich macht, ist kein Zufall.

Am Dienstag beginnt in Bremerhaven die Offshore-Windenergie-Konferenz Windforce 2013, auf der die Branche unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltminister Peter Altmaier über die Probleme beim Ausbau der Windparks auf hoher See debattiert - wie etwa ungeklärte Haftungsfragen beim Bau von Windparks und fehlende Anschlüsse zum Festland. Am Mittwoch lädt Siemens dann in Berlin Politiker, Bürger, Wissenschaftler und Unternehmer zum Energiewende-Dialog, um über die Zukunft der deutschen Energieversorgung zu diskutieren. Ziel sei ein möglichst ganzheitlicher Blick, liest es sich im Veranstaltungsprogramm. Doch schon jetzt ist die Position von Siemens klar.

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"Das kann nicht so weitergehen"

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien um jeden Preis sei falsch, sagt Löscher im BILD-Interview. "Wenn wir einfach so weitermachen, zahlt eine Durchschnittsfamilie 2020 rund 400 Euro jährlich mehr für Strom - 35 Prozent mehr als heute. Das ist nicht hinnehmbar." Siemens will Vorschläge präsentieren, mit denen sich der Kostenanstieg für Privathaushalte bis 2020 auf die Hälfte reduzieren ließe - also statt der genannten 400 Euro nur 200 Euro pro Haushalt für Strom anfallen würden. Günstiger gehe es etwa, wenn der Fokus mehr auf die Effizienz beim Verbrauch in Gebäuden gelegt würde und mehr Zusammenarbeit bei der Energiepolitik auf gesamteuropäischer Ebene stattfände.

Löscher geht es aber nicht in erster Linie um die Verbraucher, der Industriekonzern verbraucht selbst in der Produktion viel Strom. Der Siemens-Chef beklagt deshalb eine geringere Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen an. Schon jetzt gebe es eine schleichende Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, wo die Stromkosten günstiger seien. Er fordert einen kompletten Umbau der Förderung für die Erneuerbaren Energien. Löscher zur BILD: "Es gibt derzeit Förderzusagen für die nächsten 20 Jahre von über 200 Milliarden Euro. Das kann nicht so weitergehen. Diese Geld fehlt Verbrauchern und Wirtschaft."

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Siemens hat sich am Geschäft mit der grünen Energie bereits selbst die Finger verbrannt. Der Konzern hatte vor allem auf Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonnenhitze gesetzt und dafür eigens die israelische Solel für 284 Millionen Dollar gekauft. Die Strategie zahlte sich jedoch nicht aus. Solel machte mehr Verlust als Umsatz.

Siemens will die Solar-Sparte verkaufen, hat aber noch keinen Abnehmer gefunden. Insgesamt hat das Solarabenteuer die Münchener rund 800 Millionen Euro gekostet. Jetzt setzt man ganz auf das Geschäft mit Turbinen, Türmen und Rotoren für Windkraftanlagen.

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