Siemens-Chef Löscher: "Auch wir haben Fehler gemacht"

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InterviewSiemens-Chef Löscher: "Auch wir haben Fehler gemacht"

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Löscher: "Wir müssen die Einspeisevergütung für die erneuerbaren Energien herunterfahren. Diese müssen sich einem Markt stellen"

von Matthias Kamp und Roland Tichy

Der Siemens-Chef spielt die höheren Auftragseingänge bei Konkurrenten herunter, bedauert Entscheidungen in der Windenergie und fordert eine Umgestaltung des Strompreises.

WirtschaftsWoche: Herr Löscher, in München, dem Stammsitz von Siemens, läuft das Oktoberfest. Schmeckt die Maß noch bei so schlechten Geschäftszahlen ?

Löscher: Auch während der Wiesn sollte man die Kirche im Dorf lassen. Es gibt nur wenige Dax-Konzerne, die operativ mehr als fünf Milliarden Euro Gewinn machen. Wir gehören dazu, und das ist doch recht ordentlich. Siemens hat in der vergangenen Dekade den Gewinn nach Steuern nahezu verdoppelt. Ein solcher Niveausprung ist alles andere als alltäglich. Dass es aktuell eine erheblich schwächere Konjunkturentwicklung gibt, trifft natürlich auch uns.

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Beunruhigt es Sie es nicht, dass Siemens nicht nur in den reifen Märkten im Westen schwächelt, sondern auch in den für Sie so wichtigen Schwellenländern?

Das Wachstum hat weltweit an Dynamik verloren, aber in ganz unterschiedlichem Ausmaß. In China zum Beispiel ist es eine Abschwächung auf hohem Niveau. Statt neun Prozent derzeit nur noch rund sieben Prozent. Auch in Brasilien, Russland und Indien geht es weiterhin um Wachstum, wenn auch auf einem niedrigeren Level.

Wenn China zwei Prozentpunkte weniger wächst, schlägt sich das entsprechend auf das Siemens-Geschäft nieder?

Abstürzende Aufträge

Abstürzende Aufträge. Kennzahlen von Siemens und wichtigen Konkurrenten

Da kann man keine unmittelbare Parallele ziehen. Unser China-Geschäft macht etwa acht Prozent unseres Gesamtumsatzes aus. Und der Verlauf bei uns folgt nicht unmittelbar der Entwicklung des Bruttoinlandprodukts. Richtig ist aber, dass die Bedeutung der Schwellenländer für unser Geschäft in Zukunft weiter zunehmen wird. 2005 haben wir in Schwellenländern zehn Milliarden Euro umgesetzt. Im letzten Geschäftsjahr waren es 24 Milliarden Euro, also bereits ein Drittel unseres Geschäfts.

Vor allem beim wichtigen Geschäft mit Zügen läuft für Siemens in China kaum noch etwas. Müssen da bei Ihnen nicht die Alarmglocken schrillen?

Das Eisenbahngeschäft in China durchläuft derzeit ein Tal. Das hat eine Reihe von Gründen wie eine Pause bei der Vergabe von Großprojekten vor dem bevorstehenden Wechsel in der Regierungsspitze. Das betrifft nicht nur uns. Günstiger sieht es beispielsweise in der Industrie und im Gesundheitswesen aus.

Wie erklären Sie sich, dass bei Ihren Konkurrenten der Auftragseingang auch in China bei Weitem nicht so stark eingebrochen ist wie bei Siemens?

Die Verschiebung großer Projekte in China betrifft viele Wettbewerber. Richtig ist aber auch, dass einige von ihnen während der ersten Finanzkrise sehr viel stärkere Einbrüche hinnehmen mussten als wir. Schauen Sie sich nur mal Siemens in diesem Zeitraum im Vergleich zu Wettbewerbern an. Anders als andere haben wir uns damals sehr stabil geschlagen. Wer tiefer abdriftet, steigt jetzt wieder stärker auf. Solche Ausschläge hat es bei uns nicht gegeben.

Woher nehmen Sie bei den schlechten Konjunkturaussichten Ihren Optimismus?

Siemens kommt mit jeder Lage zurecht. Jetzt stellen wir uns auf eine flachere Entwicklung in Europa ein. Wir machen hier 40 Prozent unseres Geschäfts, und deshalb sind auch wir davon betroffen, wenn weite Teile Europas in eine Rezession abgleiten und erhebliche strukturelle Probleme bewältigen müssen. Dazu kommt der Abschwung weltweit. Die Erwartung vieler Konjunkturexperten, dass sich die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder erholen würde, tritt nicht ein. Auch nicht in unserem Geschäft.

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