Siemens: China-Geschäft auf dem Prüfstand

ThemaSiemens

Siemens: China-Geschäft auf dem Prüfstand

von Matthias Kamp

Der Siemens-Vorstand stellt jetzt die künftige Strategie für den ehemals wichtigsten Wachstumsmarkt von Siemens auf den Prüfstand.

Doppelt so schnell wie Chinas Wirtschaftsleistung sollte der Umsatz von Siemens im Reich der Mitte jedes Jahr wachsen. Diese Zielmarke gab der abberufene Konzern-Lenker Peter Löscher noch 2010 aus. Damals verzeichnete China ein Wirtschaftswachstum von 10,3 Prozent. Inzwischen hat Siemens sich von Zielvorgaben dieser Größenordnung längst verabschiedet. In der Zentrale am Wittelsbacher Platz in München ist man schon froh, wenn die Umsätze in dem einst als Lokomotive der Weltwirtschaft gepriesenen Land nicht stärker schrumpfen.

Im Geschäftsjahr 2012, das am 30. September endete, setzte Siemens in China 6,35 Milliarden Euro um. Im Jahr zuvor waren es noch 6,39 Milliarden Euro. Der Auftragseingang sank im selben Zeitraum von 6,24 auf 6,04 Milliarden Euro. „Keine Impulse“ gebe es aus China, klagte Löscher Anfang Mai dieses Jahres.

Anzeige

Führungswechsel Löschers erfolgloser Kampf gegen die alten Kräfte

Peter Löscher ist auch gescheitert, weil er sich nicht gegen die alten Kräfte im drittgrößten deutschen Industriekonzerns durchsetzen konnte.

Peter Löscher Quelle: dapd

Jetzt will der Österreicher Ursachenforschung betreiben und stellt die Strategie für das Riesenreich auf den Prüfstand. Im Rahmen einer „geschäftspolitischen Durchsprache“, wie die Bestandsaufnahme im Konzern-Beamtensprech heißt, nimmt die Strategieabteilung einen sogenannten Inside-Out-View vor: Dabei wird jeder Stein der China-Aktivitäten umgedreht. Gleichzeitig liefern die Landesgesellschaft sowie die vier Sektoren Medizintechnik, Industrie, Energie, Infrastruktur/Städte Berichte zu den Aktivitäten im Reich der Mitte. Im Oktober will der Vorstand die Ergebnisse diskutieren und Schlüsse ziehen. Ursprünglich wollte Siemens auch externe Berater dazuholen, doch das ist vom Tisch.

Weitere Artikel

Zuletzt hatte Siemens seine China-Strategie 2010 neu justiert. Löscher wollte das Geschäft stark lokalisieren und fuhr die Zahl der aus Deutschland entsandten Mitarbeiter zurück. China-Chef Richard Hausmann, ein Konzerngewächs aus der umsatz- und renditestarken Medizintechniksparte, musste gehen und wechselte zum Konkurrenten General Electric in die USA. Ihm folgte Cheng Meiwei, ein gebürtiger Taiwaner mit amerikanischem Pass, der zuvor das China-Geschäft von Ford geleitet hatte. Was Löscher bei der Personalie nicht bedacht hatte: Bei den lokalen Behörden, die letztlich über die Auftragsvergabe entscheiden, gilt Cheng als Amerikaner und nicht als Chinese.

Besonders schwer hat es die Industriesparte. Chinas Provinzen, Städte und Unternehmen sind hoch verschuldet, in fast allen Bereichen gibt es gewaltige Überkapazitäten, viele Großprojekte wurden gestoppt. Die Regierung drosselt die Investitionen, in Zukunft soll der private Konsum zum Wachstumstreiber werden. Sieben Prozent Wirtschaftswachstum seien ausreichend, heißt es aus Peking. Zufrieden ist Siemens nur mit dem Medizintechnikgeschäft im Reich der Mitte. Hier profitiert das Unternehmen von den Anstrengungen der Regierung, das marode Gesundheitssystem zu modernisieren.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%