Siemens gegen GE: Frankreichs Rolle im Übernahme-Poker um Alstom

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Siemens gegen GE: Frankreichs Rolle im Übernahme-Poker um Alstom

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Wortgewaltig wettert Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg gegen das GE-Übernahme-Angebot.

von Karin Finkenzeller und Stephan Happel

Das Ringen um Alstom wird zäher. In die Bieterschlacht zwischen General Electric und Siemens mischt sich nun auch Frankreichs Regierung ein. Doch was sind die Kommentare wirklich wert?

Scheinbar sind die Fronten klar: Siemens und General Electric wollen große Teile des französischen Konkurrenten Alstom schlucken. Der aber will nur zu GE. 12,35 Milliarden Euro hat der US-Konzern für die drei Hauptumsatzbringer Alstoms - Kraftwerke (Thermal Power), erneuerbare Energien (renewable) und die Stromübertragungstechnik (Grid) - geboten.

Viel Geld für das sanierungsbedürftige Unternehmen. Für GE aber eine lohnenswerte Investition. Alstom "ergänzt uns technologisch und geografisch", erklärt der US-Konzern in einer aktuellen Präsentation für Investoren.

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Durch die Übernahme würde der Konzern weltweit massiv an Bedeutung gewinnen und auf dem europäischen Markt stärker werden. Auch in Indien, China und Brasilien und dem Mittleren Osten würde er deutlich Marktanteile gewinnen.

Zudem erwartet GE starke Synergieeffekte. Innerhalb der ersten fünf Jahre könnten durch den Zusammenschluss 1,2 Milliarden Dollar gespart werden, verspricht das Unternehmen und gibt sich extrem zuversichtlich: Noch 2015 soll der Deal abgeschlossen sein.

Das Tauziehen um Alstom

  • April

    Am 24. April wird bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Am nächsten Tag rufen die Übernahmegerüchte die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf in die USA mit allen Mitteln verhindern. Am 27. April greift Siemens in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert. Am 28. April schaltet sich Frankreichs Präsident Hollande in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE. Einen Tag später kündigt Siemens ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Am 30. April empfiehlt der Verwaltungsrat von Alstom den Aktionären eine bindende Offerte von GE. Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen.

  • 7. bis 11. Mai

    Siemens-Chef Kaeser betont „ernsthaftes“ Interesse an Alstom. Zugleich sagt der Manager, er wolle mit dem Übernahmeplan auch die Handlungsfähigkeit der Siemens-Führung unter Beweis stellen. Einen Tag später lehnt Montebourg das GE-Angebot für Alstom öffentlich ab. Am 9. Mai berät Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem Kollegen Montebourg über einen möglichen Alstom-Siemens-Deal. Am 11. Mai werden Medienberichte bekannt, laut denen Siemens Alstom neben der eigenen Bahnsparte auch das Geschäft mit Signaltechnik anbieten will.

  • 14. und 15. Mai

    Frankreichs Regierung sendet widersprüchliche Signale. Energieministerin Ségolène Royal bezeichnete das GE-Angebot in einem Interview als „sehr gute Gelegenheit“. Nach einem Treffen mit Kaeser teilt sie mit, das deutsche-französische Projekt komme gut voran. Einen Tag später erweitert Paris seine Eingriffsrechte bei internationalen Deals. Mittels Verordnung könne ohne die bei „nationalem Interesse“ nötige Zustimmung eine ungewünschte Alstom-Übernahme gekippt werden.

  • 18. Mai

    Der Siemens-Betriebsrat fordert für den Fall einer Alstom-Übernahme erneut den Erhalt der Arbeitsplätze in der Bahnsparte des Konzerns, die dann an die Franzosen gehen soll.

  • 20. Mai

    Nach Angaben der französischen Regierung hat Siemens um zusätzliche Informationen über das Unternehmen gebeten. Paris wertet dies als Hinweis auf ein bevorstehendes Übernahmeangebot.

  • 24. und 28. Mai

    Hollande lässt erneut ein Treffen mit GE-Chef Jeff Immelt anberaumen. Der Präsident hatte das GE-Angebot zuletzt als nicht ausreichend bezeichnet. Am 28. Mai bessert GE das eigene Angebot nochmals etwas nach.

  • 30. Mai

    Kaeser betont nochmals, dass Siemens keinen Zeitdruck verspüre und bis zum 16. Juni alle Optionen prüfen werde.

  • 11. Juni

    Überraschend geben Siemens und der japanische Konkurrent Mitsubishi Heavy Industries (MHI) bekannt, ein gemeinsames Angebot für Alstom zu prüfen.

  • 16. Juni

    Siemens und MHI legen ihr Angebot für Alstom vor. MHI will sich mit bis zu zehn Prozent an Alstom beteiligen und eine umfassende industrielle Allianz, aber keine Übernahme. Das Gasturbinen-Geschäft der Franzosen soll an Siemens gehen. Insgesamt beinhaltet die Offerte Barzahlungen von Siemens über 3,9 Milliarden Euro und von MHI über 3,1 Milliarden Euro.

Diese Zuversicht ist durchaus berechtigt. Zwar soll eine Entscheidung erst Anfang Juni fallen und ein unabhängiges Komitee alle Angebote prüfen. Doch der Alstom-Vorstand hat sich offenbar längst auf GE als Käufer festgelegt.

Das Unternehmen preist vor allem die strategischen und industriellen Vorzüge des GE-Angebotes. Alstom-Vorstandschef Patrick Kron spricht von einer "wettbewerbsfähigeren Einheit" nach dem Zusammenschluss. Wochenlang hatte Alstom zuvor schon hinter verschlossenen Türen nur mit General Electric verhandelt.

Gegenangebot von Siemens

Dieses Vorgehen passt Siemens freilich gar nicht. Man sei "besonders enttäuscht von der mangelnden Kooperation des Vorstandschefs", heißt es in einem Beschwerde-Schreiben an das Alstom-Management. Doch Siemens kann es sich nicht leisten, beleidigt aufzugeben. Dem international größten Konkurrenten kampflos das Feld zu überlassen, ist keine Option. Durch den Kauf von Alstom käme GE in eine für Siemens mehr als bedrohliche Machtposition.

Übernahme-Poker mit GE Siemens erleidet Rückschlag im Kampf um Alstom

Siemens' US-Rivale General Electric hat ein hohes Gebot für die Energietechnik-Sparte von Alstom abgegeben: mehr als 12 Milliarden Euro will GE zahlen. Ist das schon die Entscheidung im Übernahme-Poker?

Quelle: REUTERS

Siemens bekräftigt daher sein Interesse an Alstom und will in den kommenden Wochen ein Gegenangebot vorlegen - nach ausführlicher Prüfung der Bücher. Weitere Informationen gibt es erstmal nicht, heißt es aus dem Unternehmen. Laut Insiderberichten schwebt Siemens bislang ein Tauschgeschäft vor: Im Gegenzug für Alstoms Energiesektor bietet Siemens seine Zugsparte an.

Längst hat sich auch die Politik eingeschaltet. Frankreichs Spitze sieht eine mögliche Übernahme durch General Electric extrem kritisch. Sie befürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen und Entscheidungszentren an das Ausland, sobald die Amerikaner das Sagen haben.

Mehrfach hat Frankreichs Spitze deswegen in den vergangenen Tagen gegen die GE-Offerte gewettert. Die Wortwahl war oft martialisch, täuscht aber tatsächliche Stärke nur vor.

Seit 2006 ist der Staat nicht mehr an Alstom beteiligt und kann deswegen nicht direkt auf strategische Entscheidungen Einfluss nehmen. In der Diskussion sind allerdings gleich mehrere Ideen, um den Einstieg von GE bei Alstom zu verhindern.

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