Siemens: Gratulation zu den Verlusten, Herr Löscher

KommentarSiemens: Gratulation zu den Verlusten, Herr Löscher

von Reinhold Böhmer

Endlich mal eine gute Nachricht zur Energiewende. Siemens-Chef Peter Löscher muss wegen Hunderter Millionen Euro Verlust mit Windparks auf hoher See die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr senken. Gut so: Deutschlands wichtigster industrieller Promotor sauberen Stroms geht, wie es sich in der Marktwirtschaft gehört, selbst ins Obligo statt zu warten, bis der Staat dafür Geld überweist.

Nachdem Siemens-Chef Löscher gestern eingestehen musste, das Geschäft mit  Windparks auf hoher See zu euphorisch angegangen zu sein, werden sich heute nun so manche seiner Gegner klammheimlich freuen. Schaut ihn euch an, wird sich so mancher Feind der Energiewende denken. Da schaltet der Mann großspurig Anzeigen in Zeitungen und  macht Werbung für den Umstieg vom Atom- zum grünen Strom. Und dann muss er seinen Aktionären gegenüber eingestehen, dass der Schwenk zu den sauberen Energien, allen voran zu den Offshore-Windanlagen, dreistellige Millionenbeträge frisst, statt die Dividende zu mehren. 

Doch die Schadenfrohen liegen grottenfalsch. Nicht nur, dass die Aktionäre  Löschers Kurs goutierten: Mit dem einprozentigen Plus der Siemens-Anteilsscheine  am gestrigen Tag zeigen sie, dass sie an die Lernfähigkeit der Konzerningenieure glauben.  

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Umgekehrt wird aus den Verlusten  ein Schuh. Wenn ein Unternehmen auch jahrelange Anfangsverluste nicht mehr in Kauf nimmt, um einen Zukunftsmarkt zu erobern und dann die Ernte einzufahren, schürte es Zweifel an seiner eigenen Zukunftsfähigkeit. Allein für Deutschland sagen Prognosen bis 2050 den Bau von Windanlage auf See mit einer Gesamtleistung von 32 Gigawatt vor. Das entspricht 30 mittleren Atommeilern. Nicht eingerechnet sind darin die bestimmt um ein Vielfaches höheren Neubauten rund um den Globus, hat die Technik erst einmal ihre Kinderkrankheiten überwunden. Es wäre geradezu fahrlässig von einem Technik-Konzern wie Siemens, hier nicht in Vorkasse zu treten, um die schon jetzt erkennbare Marktführerschaft bei den großen Offshore-Windanlagen mit später vielleicht einmal sechs oder zehn Megawatt  zu betonieren. 

Hinzukommt, dass Siemens ohnehin im Ruf steht, zu sehr auf die Taschen der Steuerzahler zu schielen. Die WirtschaftsWoche schlüsselte vor gut einem halben Jahr auf, dass die Münchner durch ihre Strategie weg vom Endkonsumenten und hin zu Infrastruktur, Gesundheit, Energie und Massenverkehr schätzungsweise rund ein Drittel ihres Umsatzes mit Auftraggebern aus dem öffentlichen Sektor und dessen Umfeld machen. Auch vor diesem Hintergrund tut Konzernchef Löscher gut daran, mit  Geld aus der Firmenkasse etwas unternehmerisch zu wagen, statt beim Staat die Hand aufzuhalten. Zum Unternehmersein gehört es nun mal essenziell, etwas zu riskieren und dabei auch  Geld zu verlieren. 

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Bestes Vorbild auf hoher See sollte für Siemens der New Yorker Kaufmann Cyrus Field sein, der  Mitte des 19. Jahrhundert große Summen von Kapitalgebern einsammelte, um ein Telegraphie-Kabel durch den Atlantik nach Europa zu verlegen. Der erste Versuch scheiterte kläglich, vermutlich weil das Kabel schlecht isoliert war. Die Geldgeber mussten ihre Investitionen abschreiben. Trotzdem gelang es Field, noch einmal Geld zu bekommen, um schließlich zu obsiegen. Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig war davon so begeistert, dass er das „Erste Wort über den Ozean“, wie er Fields Errungenschaft beschrieb, zu den „Sternstunden der Menschheit“ zählte – zusammen mit der Schlacht um Waterloo, der Eroberung von Byzanz und der Komposition der französischen Nationalhymne Marseillaise.  

Also dann:  Aux éoliennes,  Herr Löscher, an die Windanlagen!

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