Siemens: Joe Kaeser hat große Ziele fürs neue Jahr

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Siemens: Joe Kaeser hat große Ziele fürs neue Jahr

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Konzernchef Kaeser präsentiert am 12.11.2015 die Zahlen für 2015 und gibt einen Ausblick aufs kommende Jahr.

von Matthias Kamp

Seine Prognose für die vergangene Geschäftsperiode hat Konzernchef Joe Kaeser eingehalten. Jetzt sollen Umsatz und Auftragseingang wieder deutlich zulegen – das wird schwierig.

Knapp gewonnen ist auch gewonnen. Eine Marge im industriellen Geschäft zwischen zehn und elf Prozent hatte Siemens-Chef Kaeser den Investoren für das am 30. September abgelaufene Geschäftsjahr versprochen. Am Donnerstag lieferte er: Bei 10,1 Prozent lag die Marge, verkündete Kaeser nicht ohne Stolz, als er in Berlin die Jahresbilanz vorlegte. Der Umsatz schrumpfte leicht um ein Prozent auf 75,6 Milliarden Euro. Auch das hatte der Siemens-Chef so prognostiziert.

Nach dem radikalen Konzernumbau sollte das vergangene Geschäftsjahr das Jahr der „operativen Konsolidierung“ sein. Jetzt aber soll Siemens wieder durchstarten. Kaeser verspricht, der schwächelnde Umsatz werde wieder moderat wachsen, und zwar um bis zu fünf Prozent.

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Wie Siemens 2014 abgeschnitten hat

  • Konzern

    Umsatz: 71,9 Milliarden Euro (2013: 73,4 Milliarden Euro)
    Gewinn nach Steuern: 5,5 Milliarden Euro (2013: 4,4 Milliarden Euro)
    Operative Rendite: 10,3 Prozent
    Nettorendite: 7,6 Prozent
    Free Cashflow: 5,40 Milliarden Euro (2013: 5,38 Milliarden Euro)

    Quelle: Geschäftsbericht 2014

  • Power and Gas (Gasturbinen und Dampf)

    Umsatz: 12,7 Milliarden Euro (2013: 14,0 Milliarden Euro)
    Ergebnis: 2,2 Milliarden Euro (2013: 2,1 Milliarden Euro)
    Rendite: 17,4 Prozent

  • Wind Power and Renewables (Windkraftanlagen)

    Umsatz: 5,6 Milliarden Euro (2013: 5,4 Milliarden Euro)
    Ergebnis: 0,006 Milliarden Euro (2013: 0,007 Milliarden Euro)
    Rendite: 0,1 Prozent

  • Energy Management (Stromübertragung)

    Umsatz: 10,7 Milliarden Euro (2013: 11,7 Milliarden Euro)
    Ergebnis: -0,09 Milliarden Euro (2013: -0,25 Milliarden Euro)
    Rendite: -0,8 Prozent

  • Building Technologies (Gebäudetechnik)

    Umsatz: 5,6 Milliarden Euro (2013: 5,8 Milliarden Euro)
    Ergebnis: 0,51 Milliarden Euro (2013: 0,38 Milliarden Euro)
    Rendite: 9,2 Prozent

  • Mobility (Zug- und Bahntechnik)

    Umsatz: 7,2 Milliarden Euro (2013: 5,8 Milliarden Euro)
    Ergebnis: 0,53 Milliarden Euro (2013: -0,23 Milliarden Euro)
    Rendite: 7,3 Prozent

  • Digital Factory (Automatisierung, Industriesoftware)

    Umsatz: 9,2 Milliarden Euro (2013: 9,0 Milliarden Euro)
    Ergebnis: 1,7 Milliarden Euro (2013: 1,3 Milliarden Euro)
    Rendite: 18,3 Prozent

  • Process Industries and Drives (Antriebssysteme)

    Umsatz: 9,6 Milliarden Euro (2013: 9,8 Milliarden Euro)
    Ergebnis: 0,77 Milliarden Euro (2013: 0,51 Milliarden Euro)
    Rendite: 8,0 Prozent

  • Healthcare (Medizintechnik)

    Umsatz: 11,7 Milliarden Euro (2013: 12,0 Milliarden Euro)
    Ergebnis: 2,1 Milliarden Euro (2013: 2,1 Milliarden Euro)
    Rendite: 17,7 Prozent

Den Gewinn pro Aktie will der ehrgeizige Niederbayer um 14 Prozent steigern; sehr ambitioniert, wenn man bedenkt, dass, anders als zuletzt, kaum noch größere Veräußerungsgewinne anfallen dürften. Die Marge soll im laufenden Geschäftsjahr erneut zwischen zehn und elf Prozent liegen. Ursprünglich wollte Kaeser gar kein Margenziel mehr vorgeben, war doch sein Vorgänger Peter Löscher über sein nicht eingehaltenes Renditeziel gestolpert.

Nun hat er es sich offenbar anders überlegt. Seine ambitionierten Ziele werde er erfüllen, weil Siemens kräftig in Innovationen investiert habe – in Produkte, „die unsere Kunden wirklich nachfragen“, wie Kaeser es formuliert. Die Investitionen aus dem Jahr 2014 trügen nun Früchte. Dazu komme das relativ ordentlich gefüllte Auftragsbuch, das für höheren Umsatz sorgen werde. Züge, Windkraftanlagen und Turbinen werde man verkaufen.

Auch rechnet Kaeser für die zweite Hälfte des kommenden Jahres mit einem Anziehen des kurzzyklischen Geschäfts: Anlagen für das Energiemanagement oder Ausrüstungen für Fabriken würden dann wieder verstärkt nachgefragt.

Aber starkes Auftragsplus Siemens überrascht mit schwachem Gewinn

Siemens will nach dem radikalen Konzernumbau wieder Fahrt aufnehmen. Für das neue Geschäftsjahr hofft Konzernchef Joe Kaeser trotz der weltweiten Konjunktureintrübung auf ein moderates Wachstum des Umsatzes.

Siemens überrascht mit schwachem Gewinn Quelle: dpa

Doch diese positiven Impulse dürften durch das zunehmend schwierige weltwirtschaftliche Umfeld deutlich relativiert werden. Kaeser weiß das. Er lässt kaum eine Gelegenheit aus, um darauf hinzuweisen, dass es für Unternehmen, die im Geschäft mit Investitionsgütern unterwegs sind, zurzeit sehr schwierig ist. Das Russland-Geschäft der Münchner liegt praktisch brach. „Wir hoffen, dass sich das geopolitische Umfeld bessert“, sagt Kaeser, „denn Russland braucht industrielle Entwicklung.“

Doch eine baldige Entspannung ist nicht zu erwarten. Kaum besser läuft es in Brasilien. Richtig schwierig ist aber China, wo Siemens fast zehn Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet. Die Industrieproduktion schrumpft kontinuierlich, mit der Folge, dass die Unternehmen weniger in Fabriken investieren. Teilweise ist der Schwenk sogar von der Regierung gewollt, denn das Riesenreich soll künftig vor allem mit Dienstleistungen wachsen.

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Das Nachsehen hat Siemens, auch wenn die Konjunktur irgendwann wieder anzieht. Gleichzeitig treiben die Chinesen den Ausbau der Gesundheitsversorgung voran, vor allem in ärmeren ländlichen Regionen. Dort aber bestellen die Behörden und Krankenhäuser lieber preisgünstigere Computertomografen und Ultraschallgeräte. Die Folge: weniger Umsatz für Siemens.

Dass Kaeser für die zweite Hälfte des kommenden Jahres mit einer Erholung der chinesischen Wirtschaft rechnet, klingt eher nach Beschwörung als nach realistischer Prognose. Gegenwind dürfte es für die Münchner aber auch weiterhin beim Energiegeschäft geben. Weil der Ölpreis wohl noch einige Zeit auf dem niedrigen Niveau verharren dürfte, investieren die Förderer deutlich weniger in Ausrüstungen.

Die Folge: Bei Dresser-Rand, dem US-Unternehmen, das Kaeser für mehr als sieben Milliarden Dollar übernommen hatte, schrumpft das Geschäft. Wenn Kaeser in einem Jahr die Bilanz für das neue Geschäftsjahr vorlegt, dürfte es erneut knapp werden.

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