Siemens: Peter Löscher versucht den Befreiungsschlag

ThemaSiemens

Siemens: Peter Löscher versucht den Befreiungsschlag

Bild vergrößern

Sehr viele Fehleinschätzungen kann Löscher sich nicht mehr leisten.

von Matthias Kamp

Der Konzernchef drückt bei der Neuordnung des Geschäfts aufs Tempo. Das muss er auch, denn der Druck auf ihn wächst.

Es gibt Analysten, die sehen Peter Löscher bereits als angezählt. "Wir rechnen nicht damit, dass er seine zweite Amtszeit zu Ende bringt", sagte einer kürzlich. Im Sommer hatte der Siemens-Chef, der 2007 ans Ruder kam, seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert.

Anzeige

Die Probleme, die sich vor Löscher auftürmen, sind gewaltig. Die Renditen befinden sich auf Talfahrt. Der Auftragseingang bei den Münchnern ist zuletzt viel stärker als bei der Konkurrenz gefallen. Bei einer Reihe von Zukäufen in den letzten Jahren hatte Löscher keine glückliche Hand, und wegen der Probleme bei der Anbindung der Windparks in der Nordsee musste der Konzern gut eine halbe Milliarden Euro abschreiben. Löscher braucht Erfolge, und zwar schnell. Sollte der das kürzlich ausgegebene Ziel, die Rendite bis 2014 auf zwölf Prozent zu heben, nicht erreichen, könnte es tatsächlich eng werden für den Österreicher. Auch wenn er in Aufsichtsratschef Gerhard Cromme einen starken Fürsprecher hat. Der hatte Löscher 2007 schließlich zu Siemens geholt.

Der Kauf der Bahntechniksparte des britischen Technologiekonzerns Invensys für 2,2 Milliarden Euro ist als einer von mehreren Schritten eines Befreiungsschlags zu verstehen – Löscher will aufräumen. Vom Geschäft mit Sortieranlagen für Post und Gepäck wollen die Münchner sich trennen. Zu wenige Synergien, heißt es. Zeitgleich kündigte Siemens an, die Lichttochter Osram im Zuge eines Spin-offs an die Börse zu bringen. Am selben Tag gaben die Münchner bekannt, dass der Vertrag von Einkaufschefin Barbara Kux nicht verlängert wird. Löscher ordnet das Portfolio. Weitere Ankündigungen in den nächsten Wochen dürften folgen.

Bedenklich an der breit angelegten Neuordnung ist nur eines: Es ist keine langfristige Strategie mehr zu erkennen. Wo will Löscher hin mit Siemens? Noch im Juni legte er einen Sieben-Punkte-Plan vor. Wichtigstes Vorhaben: Aus Siemens solle ein grüner Konzern werden. Mit voller Kraft solle das Umweltgeschäft ausgebaut werden. Fünf Monate später trennt Siemens sich vom Geschäft mit der Wasseraufbereitung. Zu wenige Synergien, heißt es auch hier. Auch die Solarthermiesparte stoßen die Münchner ab – ein Verlustbringer von Anfang an.

weitere Artikel

Siemens hatte die Aussichten bei der Solarthermie falsch eingeschätzt, genau so wie Löscher erwartet hatte, in der zweiten Hälfte dieses Jahres werde sich die Wirtschaft erholen – schlicht verschätzt. Das Problematische: In Erwartung des Aufschwungs hatte Siemens noch Tausende neue Mitarbeiter eingestellt. Die Stellen müssen jetzt wieder abgebaut werden. Sehr viele Fehleinschätzungen kann Löscher sich nicht mehr leisten.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%