Siemens-Quartalszahlen: Das Schwerste kommt erst noch

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KommentarSiemens-Quartalszahlen: Das Schwerste kommt erst noch

von Matthias Kamp

Joe Kaeser kann für die Monate Oktober bis Dezember ordentliche Zahlen vorlegen. Um das Unternehmen wieder nachhaltig in die Erfolgsspur zu führen, ist allerdings noch viel Arbeit erforderlich.

 Der Gewinn nach Steuern schoss zwischen Oktober und Dezember, dem ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2014, um 20 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro nach oben. Der Auftragseingang kletterte um zwölf Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. Und auch wenn den Umsatz leicht fiel – Joe Kaeser wirkt heute nicht unzufrieden, als er in München die neuen Geschäftszahlen vorlegt. Nach den turbulenten Wochen im vergangenen Sommer, als Kaeser in einem beispiellosen Schmierentheater Peter Löscher als Vorstandvorsitzenden ablöste und kurz darauf umfassende Stellenstreichungen bekannt wurden, scheint nun bei Siemens so etwas wie Ruhe einzukehren.

Wo Siemens den Anschluss verpasst hat

  • Telefonie

    Nach jahrelangen Verlusten verkaufte Siemens das Handygeschäft an die später in die Pleite geschlitterte BenQ. Die Heimtelefone wurden ins selbstständige Unternehmen Gigaset ausgelagert.

  • Netzwerke

    Weil Siemens bei der Technologie für Kommunikationsnetzwerke hoffnungslos hinterherhinkte, schob man das Geschäft in das Joint-Venture NSN ab, das Nokia jetzt komplett übernimmt.

  • Computer

    Auch im einst großen IT-Geschäft geriet Siemens ins Hintertreffen und verkaufte: Die Hardware ging an den japanischen Partner Fujitsu, die IT-Dienstleistungen an die französische Atos.

  • Halbleiter

    Im Jahr 2000 brachte Siemens seine Chipaktivitäten als Infineon an die Börse; passive Bauelemente wie Transistoren wurden als Epcos abgespalten. Sie gehören heute TDK aus Japan.

  • Lichttechnik

    Weil Siemens den anhaltenden Preisdruck und die notwendigen Investitionen nicht allein stemmen wollte, ging die Lichttochter Osram Anfang Juli an die Börse.

Vorübergehend zumindest. Denn Kaeser weiß: Soll der Technologiekonzern bei Innovationskraft und Rendite wieder dauerhaft zu Konkurrenten wie General Electric aufschließen, ist noch viel zu tun. Die peinlichen Verzögerungen bei der Anbindung der Nordsee-Windparks und der Auslieferung der ICE-Züge wirken immer noch nach. Auch für die Zukunft wollte Kaeser darum heute neue Belastungen nicht ausschließen. „Natürlich ist vieles nicht gelungen im Operativen und Strategischen“, räumt der Niederbayer ein. „Das Unternehmen ist seit Jahren nicht gewachsen.“

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Im Mai will Kaeser darum seinen Plan für den strategischen Umbau des Konzerns vorlegen. Es dürften – und es müssen – tief greifende Veränderungen sein, die der Siemens-Chef dann der Öffentlichkeit präsentiert. Tabus soll es keine geben, alles kommt auf den Prüfstand. So etwa der Zuschnitt des Sektors Infrastruktur & Städte, in dem etwas willkürlich zusammen gewürfelte Geschäftsfelder gebündelt sind. Auch über einen Verkauf des Medizintechnik-Sektors wird immer wieder spekuliert. Großes Potenzial verspricht sich Kaeser vom Trend zur digitalen Fabrik. In der Softwareindustrie ist der Konzernchef daher auf der Suche nach Übernahmezielen.

Wo der Elektronik- und Industriegigant heute noch technologisch führt

  • Gasturbinen

    Gasturbinen In Erlangen, Berlin und Mülheim hat Siemens die effizienteste Gasturbine der Welt mit einem Wirkungsgrad von rund 60 Prozent entwickelt. Ein Kohlekraftwerk kommt nur auf die Hälfte.

  • Computertomografie

    Die aus Erlangen stammenden Computertomografen gelten in der Medizin als die besten dank der Top-Bildgebung und geringer Strahlenbelastung.

  • Windenergie

    Im Østerild in Dänemark testet Siemens die erste Sechs-Megawatt-Windturbine, angetrieben von einem 154-Meter-Rotor. Es ist das größte Offshore-Windrad der Welt

  • Industrie- Automation

    Das Geschäft mit Sitz in Erlangen gilt als führend in Sachen Industrieroboter. Damit ist Siemens Vorreiter in dem Digitalisierungsprojekt „Industrie 4.0“ der Bundesregierung.

  • Energieübertragung

    2009 hat Siemens die weltweit erste Anlage zur Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) mit 800 000 Volt in Betrieb genommen. HGÜ ist wichtig beim Netzumbau.

Erste Duftmarken bei der Neuausrichtung des Unternehmens hat der frühere Finanzvorstand bereits gesetzt. So hat er die Cluster-Struktur abgeschafft, nach der Siemens bisher seine Landesgesellschaften organisiert hatte. Damit will er die Entscheidungswege verkürzen. Jetzt will Kaeser den Konzern in den USA von der Börse nehmen, um dem „veränderten Anlageverhalten“ Rechnung zu tragen, wie es der Vorstandsvorsitzende formuliert.

Zu Gute kommen könnte ihm dabei, dass er mit einigem Rückenwind ins neue Jahr startet. So konnte Siemens im Dezember in den USA zwei Milliardenaufträge für einen Offshore-Windpark und einen Windpark an Land verbuchen. Auch zeitigt das Umbauprogramm „Siemens 2014“ erste Erfolge. Zwischen Oktober und Dezember konnte Siemens Einsparungen im Volumen von 165 Millionen Euro realisieren.

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Eine offene Baustelle hat Kaeser noch im Aufsichtsrat, wo Gerhard Cromme, der bald 71-jährige Chef des Aufsichtsgremiums, sich mit lauter werdender Kritik der Aktionäre auseinandersetzen muss. Mehr oder weniger offen räumte der Siemens-Chef heute ein, dass ihm bei dieser Personalie die Hände gebunden seien. Für zeitweilige Unruhe dürfte gesorgt sein.

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