Siemens unter Zugzwang: Joe Kaesers nächste Großbaustelle

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Siemens unter Zugzwang: Joe Kaesers nächste Großbaustelle

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Fusion hin oder her, Alstom hat bedenken was Siemens angeht.

von Matthias Kamp, Karin Finkenzeller und Philipp Mattheis

Mit seinen Hochgeschwindigkeitszügen verdient Siemens immer weniger Geld. Die Probleme mehren sich. Wird die ICE-Sparte womöglich bald verkauft?

Der größte Stolz der Manager des Krefelder Siemens-Werks ist so schwer wie ein Jumbojet, eine mächtige, kastenartige Konstruktion mitten in der Fabrikhalle. Der Münchner Konzern hat sie mit drei Maschinenbaufirmen eigens für seine Fabrik am Niederrhein entwickelt. Die Anlage kann den kompletten Waggon eines Hochgeschwindigkeitszugs millimetergenau zusammenschweißen.

In einer der weltweit modernsten Zugfabriken bauen in Krefeld gut 2500 Mitarbeiter Loks und Waggons für die Welt. Auf einer der Linien montieren Arbeiter Sitze in türkisgrüne Waggons für die Türkei. In einer anderen Halle entstehen die Schnellzüge für die Fahrt unter dem Ärmelkanal. Und natürlich baut Siemens hier den neuen ICx, der mit Beginn des Winterfahrplans 2017 über Deutschlands Schienen rollen soll. Vor wenigen Monaten kam ein weiterer Großauftrag: 82 Regionalzüge für den RRX, der Köln und Dortmund verbinden soll, im Wert von 1,7 Milliarden Euro.

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Dennoch sorgt sich Jürgen Wilder, der bei Siemens das milliardenschwere Geschäft mit Regional- und Hochgeschwindigkeitszügen verantwortet, um die Zukunft. „Wir befassen uns intensiv mit den Chinesen“, sagt er. In China haben sich die Konkurrenten CNR und CSR gerade zum weltgrößten Anbieter CRRC zusammengeschlossen. „Und die bringen bei großen Projekten oft die Finanzierung gleich mit“, sagt Wilder. Zudem kaufen sich Hitachi und Kawasaki aus Japan zurzeit in großem Stil in Europa ein.

Siemens auf dem Weltmarkt unter Druck

Die Märkte für Hochgeschwindigkeitszüge sind massiv in Bewegung. Europa ist immer noch der größte Nachfrager, doch vor allem in Schwellenländern werden immer neue Strecken geplant. Dazu mischen bis vor Kurzem noch unbekannte Spieler wie CRRC aus China oder der neu geschmiedete Konzern aus Japans Hitachi und der italienischen Anslado mit moderner Technik und oft staatlicher Finanzierung die Branche auf.

Siemens, immer noch einer der wichtigsten Player auf dem jährlich zehn Milliarden Euro schweren Weltmarkt, gerät dadurch immer stärker unter Druck. Für Konzernchef Joe Kaeser sind die Züge neben dem kriselnden Geschäft mit Kraftwerksturbinen eine neue große Baustelle. Die Suche nach Partnern läuft, sogar ein Verkauf der ICE-Sparte ist denkbar. Als möglicher Käufer oder Partner für eine Fusion wird immer wieder der französische Alstom-Konzern genannt. Die Konsolidierung laufe, heißt es in Siemens-Kreisen, da müsse man schon fragen, wie Siemens und Alstom darauf reagierten.

Hochgeschwindigkeitszüge

Marktanteile weltweit bei Hochgeschwindigkeitszügen in Prozent ausgelieferter Züge (zum Vergrößern bitte anklicken)

Vor allem die schwachen Margen stören Kaeser. Offiziell nennt Siemens dazu keine Zahlen. Unabhängige Bahnexperten und ehemalige Siemensianer berichten aber, im Durchschnitt erwirtschafte das Unternehmen mit den Hochgeschwindigkeitszügen eine Umsatzrendite nach Steuern von drei bis vier Prozent – deutlich weniger als bei Regionalzügen sowie U- und Straßenbahnen. Ein Insider berichtet, über die vergangenen zehn Jahre gerechnet, hätten die Münchner mit den Hochgeschwindigkeitszügen sogar Geld verloren.

Siemens-Mann Wilder sagt dazu nur, je nach Projekt seien die Margen unterschiedlich. Die Division Mobility, zu der das Zuggeschäft gehört, erwirtschaftete im zweiten Quartal des Geschäftsjahres zwischen Januar und März eine Umsatzrendite nach Steuern von 8,6 Prozent bei einem Umsatz von 1,84 Milliarden Euro.

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