Siemens: Vor diesen fünf Hürden steht Siemens

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Siemens: Vor diesen fünf Hürden steht Siemens

, aktualisiert 26. Januar 2016, 10:56 Uhr
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Siemens CEO Joe Kaeser muss sich unangenehmen Fragen stellen

von Matthias Kamp

Siemens-Chef Joe Kaeser hat mit der Anhebung der Prognose die Investoren überrascht. Trotzdem wird sich der Konzernchef auf der Hauptversammlung am Dienstag unangenehmen Fragen stellen müssen. Hier die fünf wichtigsten.

Wie stark drückt der Ölpreisverfall aufs Geschäft?

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Kostet ein Fass Öl 90 Dollar, rechne sich die Übernahme, hatte Siemens-Chef Joe Kaeser gesagt, als er im Sommer 2014 den US-Konzern Dresser-Rand kaufte. 7,8 Milliarden Dollar zahlten die Münchner für das Unternehmen aus Texas, das Ausrüstung und Anlagen für die Öl- und Gasindustrie baut. Viel zu viel, meinten schon damals viele Investoren: Kaeser hatte sich in ein Bietergefecht mit dem Schweizer Sulzer-Konzern mit Kaeser-Vorgänger Peter Löscher an der Spitze, treiben lassen.

Heute liegt der Ölpreis bei rund 30 Dollar, und das Siemens-Geschäft mit der Öl- und Gasindustrie leidet wie kaum ein anderes im Konzern. Zuletzt erzielte die Sparte eine Rendite von 6,5 Prozent, deutlich weniger als die Marge des gesamten Siemens-Industriegeschäfts von gut zehn Prozent. Weil kaum ein Experte von einem baldigen Anstieg des Ölpreises ausgeht, dürfte die Sparte weiter unter Druck bleiben. Große Ölförderer wie Royal Dutch Shell stellen geplante Milliardeninvestitionen zurück; in den USA rutschen immer mehr Fracking-Unternehmen in die Pleite. Viele Aktionäre stellen sich darum die Frage, wann Kaeser die erste Abschreibung auf den Dresser-Rand-Zukauf verkünden muss.

Siemens Kaeser kündigt starkes Jahr an

Siemens-Chef Joe Kaeser zeigt sich zufrieden: Auftragseingang und Gewinn steigen im Quartal kräftig an. Schon vor der Hauptversammlung ließ er verlauten, die Prognose für dieses Geschäftsjahr werde angehoben.

ARCHIV - Das Logo des Mischkonzerns Siemens ist am 09.06.2015 vor dem Siemens-Forum am Firmensitz in München (Bayern) auf einer Stele am Empfang zu sehen. Foto: Peter Kneffel/dpa (zu dpa "Siemens rechnet nach starkem Auftaktquartal mit mehr Gewinn" vom 25.01.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Wie findet Siemens zu alter Innovationskraft zurück?

Die Krawatten blieben im Schrank, der oberste Hemdknopf war offen, als Kaeser und sein Technologievorstand Siegfried Russwurm im Dezember der Öffentlichkeit die neue Innovationsstrategie des Konzerns vorstellten. Die beiden Vorstände wollten mit ihrem lockeren Auftreten Start-up-Flair verbreiten, und auch der Ort der Präsentation war gut gewählt: Im Deutschen Museum in München erklärten Kaeser und Russwurm, Siemens werde im laufenden Geschäftsjahr die Forschungsausgaben um 300 Millionen Euro auf 4,8 Milliarden Euro steigern. Zusätzlich legt Siemens einen mit 100 Millionen Euro ausgestatteten Innovationsfonds auf, der Ideen von Mitarbeitern in neue Geschäfte verwandeln soll. Ein neuer wissenschaftlicher Beirat soll die Innovations- und Technologiekompetenz des Konzerns stärken. Darüber hinaus will Siemens die Kooperation mit Start-ups vertiefen.

Die neun Divisionen von Siemens

  • Division Power and Gas

    Produkte und Anwendungen: Gasturbinen, Dampfturbinen, Energiegewinnung aus Schiefergas

    Umsatz 2014/2015: 13,2 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 1,4 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 10,8 Prozent

    Angestrebte Marge: 11-15 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Lisa Davis

  • Division Wind Power and Renewables

    Produkte und Anwendungen: Windkraftanlagen

    Umsatz 2014/2015: 5,7 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 0,16 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 2,8 Prozent

    Angestrebte Marge: 5-8 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Lisa Davis

  • Division Energy Management

    Produkte und Anwendungen: Stromübertragung, Kraftwerkssteuerung, Transformatoren

    Umsatz 2014/2015: 11,9 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 0,57 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 4,8 Prozent

    Angestrebte Marge: 11-15 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Lisa Davis

  • Division Building Technologies

    Produkte und Anwendungen: Gebäudesicherheit, Brandschutz, Gebäudeautomatisierung

    Umsatz 2014/2015: 6,0 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 0,553 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 9,2 Prozent

    Angestrebte Marge: 8-11 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Roland Busch

  • Division Digital Factory

    Produkte und Anwendungen: Software zur Steuerung von Fertigungsprozessen, Industrieroboter

    Umsatz 2014/2015: 10,0 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 1,7 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 17,5 Prozent

    Angestrebte Marge: 14-20 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Klaus Helmrich

  • Division Process Industries and Drive

    Produkte und Anwendungen: Industrieautomatisierung

    Umsatz 2014/2015: 9,9 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 0,536 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 5,4 Prozent

    Angestrebte Marge: 8-12 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Klaus Helmrich

  • Division Mobility

    Produkte und Anwendungen: Hochgeschwindigkeitszüge, U-Bahnen, Straßenbahnen, Zugleitsysteme

    Umsatz 2014/2015: 7,5 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 0,588 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 7,8 Prozent

    Angestrebte Marge: 6-9 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Roland Busch

  • Division Financial Services

    Produkte und Anwendungen: Finanzdienstleistungen

    Angestrebte Marge: 15-20 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Ralf Thomas

  • Eigenständige Division Healthcare

    Produkte und Anwendungen: Ultraschall, Computertomografen, Magnetresonanztomografen, Labordiagnostik

    Umsatz 2014/2015: 12,9 Milliarden Euro

    Ergebnis 2014/2015: 2,2 Milliarden Euro

    Marge 2014/2015: 16,9 Prozent

    Angestrebte Marge: 15-19 Prozent

    Zuständigkeit im Vorstand: Prof. Dr. Siegfried Russwurm

Dass sich bei Siemens in der Forschung etwas ändern muss, bestreitet niemand mehr. Scharf rechnende Controller und Bedenkenträger haben in der Vergangenheit zu viele gute Ideen blockiert. Der amerikanische  Konkurrent General Electric (GE) ist Siemens bei der Innovationskraft davon geeilt. „Siemens bräuchte mehr Visionäre statt mehr Bürokraten“, sagt ein früherer Siemens-Forscher, der bei Siemens in München im Bereich Corporate Technology gearbeitet hat.

„Es war ein Trauerspiel, wie viele geniale Ideen durch Verwalter und Bürokraten blockiert wurden. Und mit jeder Umorganisation wurden mehr Bürokraten eingestellt. Inzwischen sitzen jedem Forscher mindestens drei Controller gegenüber, die alles blockieren. Das ist ein guter Zeitpunkt, Siemens zu verlassen“, so der Wissenschaftler. Kaeser wird noch deutlicher erklären müssen, wie er den gefährlichen Trend umkehren will.

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