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Siemens: Wie lange bleibt Löscher noch Siemens-Chef?

von Matthias Kamp

Konzernchef Peter Löscher wirkt nicht wie der Antreiber, sondern wie ein Getriebener. Er provoziert Kritik in und außerhalb des Konzerns. Die Zweifel: Ist er für die nächsten fünf Jahre der Richtige an der Spitze?

Peter Löscher Quelle: Getty Images/AFP
Abgetaucht: In Vorstandssitzungen redet Löscher wenig, die Sektorenchefs führen das Wort Quelle: Getty Images/AFP

Der 8. November ist ein grauer Tag in Berlin. Immer wieder jagen Regenschauer über die Hauptstadt. Im Gasturbinenwerk von Siemens in Moabit verkünden Konzernchef Peter Löscher und sein Finanzvorstand Joe Kaeser am Morgen die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr, dazu ein umfangreiches Sparprogramm – keine guten Nachrichten.

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Sodann nimmt das Schauspiel seinen Lauf. Kaeser ergreift sofort die Rolle des humorigen Charmeurs. Sein frisch abrasierter Schnauzbart, witzelt er, symbolisiere eine Art Neuanfang für Siemens. Jedenfalls sei die Zeit der „tief hängenden Früchte“ vorbei, die zunächst auch jemand von außen habe leicht pflücken können – eine Spitze gegen Löscher.

Der kommentiert, wenige Meter von Kaeser entfernt, leise und fast unsicher das Zahlenwerk. Der Chef von mehr als 400.000 Mitarbeitern fremdelt, wirkt steif. Trotz seiner 1,94 Meter steht er fast verloren da – im Schatten seines frischen Finanzlers.

Was ist los in der Beziehung Löscher/Siemens?

Note 3,0 - Rang 18. Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse kann laut Ranking in Sachen Investmentexpertise punkten. Die Kehrseite der Medaille: Fast alle Aktionärsvertreter sind Vertreter von Investmentfirmen und haben kaum Erfahrung im Management und in operativen Funktionen.

Bild: dpa

Chef der Mann von außen

Eigentlich müsste der 55-jährige Österreicher, der kürzlich einen weiteren Fünf-Jahres-Vertrag als Vorstandschef des deutschen Traditionskonzerns erhalten hat, in die Offensive gehen. Denn für Siemens ist der eigene Chef der Mann von außen – und der verschworene Siemensianer-Orden macht ihn immer mehr zum Außenseiter.

Stattdessen taucht Löscher ab und provoziert damit handfeste Zweifel, ob ihn eigentlich seine bisherigen Leistungen für das nächste halbe Jahrzehnt an der Konzernspitze prädestinieren.

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Für erste Analysten ist der Konzernchef bereits angezählt. „Als Löscher 2007 bei Siemens anfing, hat er beteuert, verlässlich zu liefern – bisher ein leeres Versprechen“, sagt Heinz Steffen von Fairesearch in Frankfurt. „Er hat seine zweite Amtszeit im Juli 2012 angetreten, und wir rechnen nicht damit, dass er sie zu Ende bringt.“

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 31.01.2013, 11:34 Uhrjurinix

    Die Missverstaendnisse mit Loescher liegen meiner Ansicht daran, dass man Deutsch und Oesterreichisch fuer die gleiche Sprache haelt. Die Worte sind in vielen Faellen die gleichen, der Satzinhalt ist aber sehr verschieden.
    Ich fuehre SIEMENS zu 100 Mia Unsatz heisst nicht, dass Siemens 100 Mia Umsatz machen wird, es heisst nur, dass der Kaffee vor dem Mittagessen sehr sehr gut war !

  • 11.12.2012, 11:44 UhrRealsatire

    Hervorragend recherchiert und geschrieben! Löscher hat Gutes getan, doch für den weiteren Weg fehlen ihm die Siemens-tragenden Impulse - so erlebe ich diesen Vorstandsvorsitzenden in diesen Wochen. Zu sehr auf seine eigene, finanzielle Sicherung bedacht (man sehe sich die Gehahltsentwicklung HvP, KK und PL an) und zuwenig Herzblut für das Unternehmen. Tauscht Löscher und Hiesinger! Das bringt beide Unternehmen solide voran - aber handelt zügig! Wer wissend zusieht trägt die gleiche Verantwortung wie der Täter. Ein Hinweis an den Redakteur: "Lehmschicht" wird im Konzern "Lähmschicht" ausgesprochen...

  • 11.12.2012, 08:55 UhrLeopold

    Hektische Reaktionen
    Seit ca. fünfzehn Jahren versucht Siemens seine Schwerpunkte zu finden. Siemens hatte sich bis unter von Pierer auf einer gesunden Basis von innen heraus weiterentwickelt. Dann holte man Manager von aussen und die haben sich eben in ihren Entscheidungen danach gerichtet, was alle anderen auch machen. Man hat hektisch gekauft und eigenes Geschäft abgebaut. Und eine immense Unruhe in die Mitarbeiterschaft gebracht. Denn die ursprüngliche Siemens-Kernmannschaft wird seit über zehn Jahren umorganisiert und abgebaut. Solche externe Manager haben nur einen sehr engen Planungshorizont und ihr Einkommen ist an kurzfristigem Gewinn orientiert. Da kann man eben nichts anderes verlangen!

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