Siliziumhersteller: Solarpleiten verhageln Wacker Chemie die Bilanz

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Siliziumhersteller: Solarpleiten verhageln Wacker Chemie die Bilanz

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Erst im April hat Wacker Chemie eine neue Anlage zur Herstellung von Solarsilizium in Betrieb genommen. Investition: 900 Millionen Euro. Jährlich entstehen hier 15.000 Tonnen Polysilicium. Doch das Geschäft mit dem Ausgangstoff für Solarzellen ist drastisch eingebrochen.

von Rebecca Eisert

Der Preisverfall im Solargeschäft macht Wacker Chemie zu schaffen. Der MDax-gelistete Konzern senkt seine Umsatzprognose für 2012.

Die Pleiteserie in der Solarindustrie schlägt auf die Quartalsbilanz der wichtigsten Zulieferern der Branche durch. Wacker Chemie meldet für das zweite Quartal einen Umsatzrückgang von acht Prozent gegenüber Vorjahr. In absoluten Zahlen bedeutet das 1,2 Milliarden Euro weniger Umsatz. Der Gewinn sank um rund 57 Prozent auf 60,6 Millionen Euro.

Den größten Umsatzeinbruch - fast ein Drittel - meldet Wacker in der Sparte Polysilicon. In diesem Geschäftsbereich ist der Verkauf von mit Solarsilicium verortet - dem wichtigsten Rohstoff zur Produktion von Solarzellen ist.

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Entwicklung nach Geschäftsbereichen

  • Polysilicon = Solarsilicium-Sparte

    Überkapazitäten und Pleiten in der Solarindustrie haben die Marktpreise für Solarsilicium stark fallen lassen. Der Umsatz der Sparte 'Polysilicon' sankt um knapp 28 Prozent auf rund 287 Millionen Euro (Vorjahresquartal 399 Millionen Euro). Gegenüber dem 1. Quartal 2012 ging der Umsatz um knapp 22 Prozent zurück.

  • Polymere

    Der Umsatz kletterte um 11 Prozent gegenüber Vorjahresquartal auf 276 Millionen Euro. Gegenüber dem ersten Quartal 2012 legte Wacker hier sogar um 18 Prozent zu. Grund sind unter das in den Frühjahrsmonaten anziehenden Baugeschäft, wo Polymer-Produkte zum Einsatz kommen.

  • Silikone

    Mit mehr als 3000 Siliconprodukten zählt Wacker zu den weltweit größten Silan- und Siliconherstellern und ist darüber hinaus Marktführer in wichtigen Teilsegmenten. Die Sparte erzielte mit knapp 423 Millionen Euro in etwa den Umsatz des Vorjahreszeitraum (421 Mio. Euro). Gegenüber dem 1. Quartal 2 verbesserte sich der Umsatz um 5 Prozent.

  • Siltronic

    Das Geschäft mit Siliciumwafern brach gegenüber 2011 um 11 Prozent ein, stieg jedoch gegenüber dem ersten Quartal 2012 um 23 Prozent. Damit liegt der Umsatz aktuell bei 247 Millionen Euro (Vorjahr 277 Mio. Euro). Siliciumwafer sind die Grundlage der modernen Mikro- und Nanoelektronik. Elektronische Bauelemente aus Silicium kommen zum Beispiel in Computern, Smartphones, Flachdisplays, Navigationssystemen, Motorsteuerungen und vielen anderen Anwendungen zum Einsatz.

  • Bisolutions

    Die Life-Science-Sparte bietet Lösungen und Produkte für die Nahrungsmittel-, Pharma- und Agroindustrie. Hier blieb der Umsatz gegenüber Vorjahr stabil auf gut 40 Millionen Euro.

Doch gerade deren Abnehmer haben zwischen April und Juni besonders gelitten. In Deutschland musste eine ganze Reihe von Solarunternehmen Insolvenz anmelden. Auslöser der Pleitewelle sind zum einen ein massiver Preisverfall, weil immer mehr asiatische Produzenten günstigere Solarzellen anboten. Zum andern brachte die Ankündigung der Bundesregierung, die Solarförderung zu kürzen eine Reihe von Solarunternehmen in die Bredouille.

Die Folgen für Wacker Chemie: Kunden nahmen die ursprünglich georderten Mengen nur zum Teil oder gar nicht ab. Zeitgleich fiel der Marktpreis für Solarsilicium. Der Umsatz der Sparte brach in der Konsequenz um volle 28 Prozent ein. Kein Wunder also, dass für Wacker Chemie in Deutschland die Geschäfte besonders schlecht liefen. Der Halbleiterzuliefere setzte fast ein Drittel weniger um als im zweiten Quartal 2011, im übrigen Europa sanken die Umsätze von April bis Juni um 11 Prozent.

Diese Probleme brachten Wacker dazu, die Umsatzprognose für das Gesamtjahr zu kappen: Statt rund fünf Milliarden Euro rechnet Wacker nun mit einem Umsatz leicht unter dem Vorjahreswert von 4,9 Milliarden Euro. Das Ebitda des Geschäftsjahres 2012 wird deutlich unter dem Wert des Vorjahres (1,1 Milliarden Euro) erwartet. Ob die Ziele erreicht werden, hänge maßgeblich davon ab, wie sich die weltweite Konjunktur, die Wettbewerbsbedingungen in der Solarindustrie und die Nachfrage auf dem Halbleitermarkt entwickelten.

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