So aufregend wie ein Schluck Wasser: Gepflegte Langeweile bei ThyssenKrupp

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So aufregend wie ein Schluck Wasser: Gepflegte Langeweile bei ThyssenKrupp

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Der Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp, Heinrich Hiesinger. Eine aufregende Hauptversammlung sieht anders aus.

von Andreas Wildhagen

Wer auf der Hauptversammlung zeternde Aktionäre erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Anleger scheinen sich an die Krise im Konzern gewöhnt zu haben. Das Highlight dürfte für viele die Würstchen gewesen sein.

Wer erboste Aktionäre auf der Hauptversammlung von ThyssenKrupp heute in Bochum erwartet hatte, wurde enttäuscht. Nur ein paar Aktionäre hauten im übertragenen Sinn auf den Tisch, einer zeigte dem eine mitgebrachte gelbe Karte, das war es schon an Empörung. Viele dieser Aktionäre sind altbekannte Redner, die schon bei der Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999 dabei waren und ihren Mut und Unmut kundtaten. Einige von ihnen sind den Pensionären unter den Belegschaftsaktionären im Saal wohlbekannt.

So kommt der hochgewachsene Heinz Kriwet, einst Vorstandschef von Thyssen und erster Aufsichtsratvorsitzender des fusionierten Konzerns ThyssenKrupp hoch erhobenen Hauptes in den Saal und begrüßt herzlich einen älteren Aktionär aus Hamburg, den er schon aus der furiosen Fusions-Hauptversammlung in der Duisburger Mercatorhalle gut kennt und der dem ThyssenKrupp-Vorstand soeben komplettes Versagen Versagen vorgeworfen hat. Macht nichts. Das gehört zum Hauptversammlungstheater offenbar dazu.

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Zorn gibt es nur über Obermann

Angesichts der gefährlichen Schieflage, in der sich der Konzern immer noch befindet, ist die Hauptversammlung am Freitag eine Art Familientreffen gewesen. Ein Aktionär erregt sich, dass der Konzern die Fahrt mit der Straßenbahn zum Bochumer Veranstaltungsort nicht mehr bezahlt. Angesichts der horrenden Luxusreisen des Vorstandes in der Vergangenheit sei das eine Unverschämtheit. Der Finanzchef muss einräumen, dass der Konzern damit 17.000 Euro eingespart habe und gleichzeitig nicht ausschließt, dass „irgendwann einmal“ die Hauptversammlung gänzlich ins Internet gestellt hat. Gedruckte Geschäftsberichte versendet ThyssenKrupp schon in diesem Jahr nur noch in Ausnahmefällen, man könne ja auf das Internet zurückgreifen. Die oft betagten Kleinaktionäre hören das mit deutlichem Murren.

Die Lobby ist voll, die Würstchen schmecken trotzdem. Ein Kleinaktionär berichtet mampfend, dass er die erste Hauptversammlung der August-Thyssen-Hütte im Januar 1955 miterlebt habe. „Damals steckten wir uns noch die Würstchen in die Taschen, um sie nach Hause zu bringen. Die Familie wartete darauf“. Eigentlicher Zorn entzündet sich nur über den neuen Aufsichtsrat und früheren Telekom-Chef Rene Obermann. Er sei kein Stahlmann, rümpfen die Aktionäre die Nase. Dass es ein Stahlmann war, der ThyssenKrupp die zwölf Milliarden schwere Fehlinvestition in Übersee, in Brasilien und Alabama (USA) beschert hat, ist schon längst vergessen.

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