Solarenergie: Die Subventions-Junkies aus der Solarbranche

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KommentarSolarenergie: Die Subventions-Junkies aus der Solarbranche

von Dieter Dürand

Strom aus Sonne kann selbst in Deutschland schon billiger sein als mit Kohle erzeugter. Doch anstatt mit solchen Erfolgen zukunftsorientierte Geschäftsmodelle zu entwickeln, gebärdet sich die heimische Solarbranche weiter so, als hinge sie vor allem von den Entscheidungen der Politik ab. Höchste Zeit, dass sich die Solarmanager aus dieser Knechtschaft befreien.

Eigentlich hätte die deutsche Solarindustrie Anlass genug, sich zu feiern. Sie hat es geschafft, Fotovoltaik-Freiflächenanlagen im Süden Deutschlands zur preiswertesten Stromquelle zu machen. 7,5 Cent kostet die Kilowattstunde nur noch. Neue Steinkohle-Kraftwerke, die zweitbilligste Quelle, produzieren Elektrizität für 8,6 Cent. Und selbst im hohen Norden der Republik ist der Solarstrom vom Acker nur mehr ein Cent teurer als mit Kohle erzeugter. Das haben Energieexperten des Marktforschungsinstituts Prognos jüngst errechnet. Niemand hatte der Fotovoltaik solche Effizienzsprünge zugetraut.

Wegen des Preisverfalls – auch der Module, die auf Dächer geschraubt werden – erreicht die Technologie in immer mehr Regionen die Schwelle zur Wirtschaftlichkeit. Mehr als 100 Länder weltweit investieren bereits in den Sonnenstrom. Marktanalysten erwarten, dass das Marktvolumen auch nächstes Jahr kräftig zulegt – von 38 Gigawatt auf etwa 45 Gigawatt neu installierter Leistung.

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Steigende Modulpreise, sinkende Überkapazitäten – weltweit erlebt die gebeutelte Solarindustrie einen Aufschwung. Warum deutsche Unternehmen kaum davon profitieren.

Quelle: imago / rainer unkel

Andere Branchen würden ob solcher Wachstumsperspektiven in Jubel ausbrechen. Doch was tun die Solar-Unternehmen bei uns, obwohl sie den Weg für den Aufschwung mit ihren Innovationen maßgeblich freigeräumt haben? Statt tatkräftig Geschäftskonzepte zu entwickeln, mit denen sie diese neuen Märkte nun erobern könnten, starren sie ängstlich auf die Koalitionsverhandlungen in Berlin, so als würde von den Beschlüssen der künftigen Bundesregierung zur Energiewende und zur Reform des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) ihr Wohl und Wehe abhängen. Genau diesen Eindruck jedenfalls vermittelte der große Branchentreff Ende vergangener Woche in Berlins Mitte.

Diese Einstellung ist fatal. Denn die Solarindustrie begibt sich damit in eine gefährliche Knechtschaft zur Politik. Sicher: Die hat mit Einspeisevorrang und garantierter Vergütung dem Fotovoltaik Strom wie auch anderen grünen Energiequellen erst zum Markteintritt verholfen. Doch mehr als 20 Jahre staatlichen Päppelns haben die Solarmanager offenbar zu Subventions-Junkies gemacht: Sie können sich gar nicht mehr vorstellen, ohne die staatlichen Spritzen auszukommen.

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Die Branche muss aber endlich erwachsen werden und sich aus dieser Abhängigkeit befreien. Die Voraussetzungen, sich auch ohne staatliche Unterstützung zu behaupten, sind gegeben. Gefragt sind vor allem Ideen, wie die Industrie an den neu entstehenden Auslandsmärkten partizipieren kann. Vor wenigen Jahren noch wurden mehr als 50 Prozent aller Solarmodule in Deutschland verkauft. Im nächsten Jahr wird dieser Anteil voraussichtlich auf rund fünf Prozent abrutschen. Wer also künftig am Wachstum teilhaben will, braucht schlagfertige Konzepte für die Fremde.

Davon allerdings war in Berlin wenig zu hören. Ändert sich das nicht bald, verspielt die Solarbranche tatsächlich ihre Zukunft.

Die Solarmanager sollte auf einen ihrer Altmeister hören, Udo Möhrstedt, Gründer und Chef des international tätigen Fotovoltaik-Systemhauses IBC Solar und seit gut 30 Jahren im Geschäft. „Wir dürfen nicht länger am Tropf der Politik hängen“, rief er seinen Kollegen in Berlin zu.

Recht hat er.

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