Solarindustrie: Sonnenbranche wird zum Verlierer der Energiewende

Solarindustrie: Sonnenbranche wird zum Verlierer der Energiewende

, aktualisiert 10. November 2011, 14:15 Uhr
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Photovoltaik-Anlage in Thüringen: Die deutsche Solarbranche steckt im Tief.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Boom ist vorbei, die Solarindustrie bläst Trübsal. Auch Conergy, Centrotherm und Phoenix Solar legen rote Zahlen vor. Grund zur Freude hat allein die preisgünstige Konkurrenz aus Asien.

DüsseldorfDie neue Aufbruchstimmung nach dem verkündeten Atomausstieg ist vorbei. Die deutsche Solarindustrie droht zum Verlierer der Energiewende zu werden. Gekürzte Subventionen senken die Nachfrage, die Unternehmen können ihre Bestände nicht abbauen und die Konkurrenz aus Asien produziert wesentlich günstiger. Mit Conergy, Centrotherm und Phoenix Solar legten am Donnerstag drei weitere Branchenvertreter rote Zahlen vor.

Bei einem Umsatzrückgang um rund 35 Prozent auf 182,4 Millionen Euro verbuchte Conergy im dritten Quartal einen operativen Verlust (Ebit) von 105 Millionen Euro nach einer Million Gewinn vor Jahresfrist. Außerplanmäßige Abschreibungen von knapp 70 Millionen Euro im Zuge von Umstrukturierungen in der Fabrik in Frankfurt/Oder hätten zu dem hohen Minus geführt.

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Eine Trendwende scheint auch 2012 nicht in Sicht, weshalb das Solarunternehmen - bei dem Ende Februar auf eigenen Wunsch Finanzvorstand Sebastian Biedenkopf seinen Hut nimmt - mit zusätzlichem Personalabbau in der Verwaltung gegensteuern will. Der Konzern gibt die Produktion von Solar-Wafern und Zellen auf, die asiatische Wettbewerber zu Billigpreisen auf den Markt werfen, und verlegt sich auf die Fertigung von Module. Fixkosten sollen so deutlich reduziert werden.

Verluste sind in der Branche mittlerweile an der Tagesordnung - selbst beim lange erfolgsverwöhnten Solar-Anlagenbauer Centrotherm. Eine Besserung sieht Finanzvorstand Thomas Riegler derzeit nicht. „2012 wird erneut ein schwieriges Jahr“, prophezeite er am Donnerstag. Er hoffe auf eine rasche Marktbereinigung. „Die Schwachen müssen herausgeschüttelt werden.“ Dann könne es wieder aufwärtsgehen.

Centrotherm fuhr einen Quartalsverlust von knapp 21 Millionen Euro ein, obwohl der Umsatz um 15 Prozent auf 207 Millionen Euro stieg. Zwei asiatische Kunden - darunter ein Staatsbetrieb - hätten die Endabnahme von Anlagen und damit die Zahlungen hinausgeschoben. Abschreibungen seien die Folge.

Auch die Solartechnikfirma Phoenix Solar kam im dritten Quartal trotz Umsatzsteigerungen nicht aus den roten Zahlen. Auch Firmen-Chef Andreas Hänel nannte als Grund den beschleunigten Preisverfall bei Solarmodulen. Abschreibungen auf Lagerbestände waren die Folge. „2011 war das schlimmste Jahr, das die Industrie je gesehen hat“, sagte er. Er will mit Personalkürzungen und Konzentration auf margenstarke Bereiche 2012 wieder profitabel werden. Dank starker Auslandsgeschäfte stieg der Umsatz im dritten Quartal um 18,7 Prozent auf 113,1 Millionen Euro. Netto schlug ein Minus von 19 (Vorjahr: plus 2,3) Millionen Euro zu Buche.


Viele schlechte Nachrichten

Die neuesten Zahlen stehen in einer ganzen Reihe von Hiobsbotschaften aus der Branche, die vom Preiskampf zerrüttet wird. Seit Anfang 2011 fiel etwa der Preis für Solarmodule auf die Hälfte. Die Photovoltaik-Firmen sitzen auf immensen Kapazitäten. „Das Produktionsangebot ist aktuell ungefähr zwei Mal so hoch wie die Nachfrage“, sagte Nektarios Kessidis, Analyst für erneuerbare Energien bei der DWS, unlängst der „Süddeutschen Zeitung“.

Im Gegensatz zu ihren deutschen Konkurrenten produzieren chinesische Unternehmen immer mehr - und dies deutlich preisgünstiger. Schon bald, so berichtete die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf Marktforscher von IMS Research, dürften 85 Prozent der weitweit hergestellten Solarzellen aus chinesischer Produktion kommen. Ein Ende ist nicht in Sicht. Als unbestritten gilt in der Branche, dass im kommenden Jahr die Preise erneut zumindest um 15 Prozent sinken.

Der Atomausstieg sollte den Ausbau der Erneuerbaren Energien eigentlich beflügeln. Das Gegenteil ist der Fall. Unklare Vorgaben für die Netzeinspeisung und gekürzte Subventionen verunsichern die Abnehmer und machen der Branche schwer zu schaffen. Die Hoffnung, das bislang flaue Geschäft zum Jahresende noch beleben zu können, ist gering.

Erst gestern senkte die Bosch-Tochter Aleo Solar angesichts der schwachen Nachfrage ihre Umsatzprognose. „Wir erwarten keine Endrally wie in den vergangenen Jahren“, sagte Vorstandschef York zu Putlitz dem Handelsblatt. Das noch vor drei Monaten angekündigte Umsatzziel von 515 Millionen Euro wurde kassiert. Jetzt erwartet zu Putlitz nur noch 440 Millionen Euro. Das ist ein Fünftel weniger als 2010, dem Rekordjahr der Branche. Außerdem rechnet er mit einem Verlust für 2011.

Eine Trendwende im kommenden Jahr ist fraglich: Die Stromerzeugung auf dem eigenen Dach verspricht Hausbesitzern längst keine so attraktive Rendite mehr wie in der Vergangenheit. Ende 2010 strich die Bundesregierung die Vergütung für Solarstrom, der ins Netz eingespeist wird von 33 Cent pro Kilowattstunde auf 28,74 Cent zusammen. Von 2012 an gibt es erneut weniger Geld für den selbst produzierten Strom. Die Betreiber erhalten dann je nach Standort und Größe ihrer Solarstrom-Anlage nur noch zwischen 17,94 und 24,43 Cent je Kilowattstunde.

Quelle:  Handelsblatt Online
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