Bild: dapdDer Hamburger Solarkonzern Conergy ist noch immer nicht über den Berg: 2012 endete mit einem Betriebsverlust von 69 Millionen Euro. Nur noch 1400 Mitarbeiter stehen bei Conergy in Lohn und Brot – 2007 waren es mehr als 2600. Immerhin der Trend ist positiv: 2008 fuhr Conergy noch Verluste in Höhe von 306 Millionen Euro ein, 2011 hatte sich der Betrag mit 162 Millionen Euro nahezu halbiert. Allerdings war dafür auch eine harte Sanierung nötig. Am Produktionsstandort Frankfurt Oder musst im September 2011 fast ein Drittel der 350 Festangestellten gehen. Die Wafer- und Zellfertigung stellte Conergy dort ein. Man wolle sich fortan auf die (noch) profitable Modulfertigung konzentrieren.
Bild: ZBRoth & Rau
Verluste halbiert: Der Photovoltaik-Anlagenbauer aus Sachsen kündigte im Februar 2012 ein Restrukturierungsprogramm an. Mehrere Hundert Arbeitsplätze im In- und Ausland fielen weg, Tochtergesellschaften wurden verkauft. Bis zur Bekanntgabe der Sparmaßnahmen arbeiteten bei Roth & Rau knapp 1400 Menschen, zum Jahresende 2012 waren es nur noch 900. Betroffen waren die Standorte in Hohenstein-Ernstthal, wo 15 Prozent der 420 Stellen gestrichen wurden. Roth & Rau gehört seit Februar 2011 zur Schweizer Meyer Burger-Gruppe. 2012 setzen die Sachsen 154 Millionen Euro um, 2011 waren es noch 208 Millionen Euro. Die Verluste (Ebit) belaufen sich auf 40 Millionen Euro - nach 106 Millionen Euro im Jahr 2011. Die Richtung stimmt.
Bild: dpaSunways
Das Amtsgericht Konstanz hat am 7. Mai ein Insolvenzverfahren über die Solarfirma eröffnet. Antragstellerin ist die Baden-Württembergische Bank (BW-Bank). Laut Unternehmensangaben läuft das Verfahren über das Vermögen der Sunways AG sowie ihrer hundertprozentigen Tochtergesellschaft, der Sunways Production GmbH. Der vorläufige Insolvenzverwalter Thorsten Schleich hat nun drei Monate Zeit, um über die Zukunft von Sunways zu entscheiden. Die BW-Bank zählt zu jenen Banken, die Sunways vor wenigen Wochen Kredite über insgesamt 6,6 Millionen Euro gekündigt hatten. Damals zeigte man sich in Konstanz noch zuversichtlich und wollte weiter verhandeln. Am Dienstagabend erklärte ein Sprecher, der Insolvenzantrag der BW-Bank habe das Unternehmen überrascht.
Das Sunways-Betriebsergebnis (Ebit) hatte Ende September bei minus 24,5 Millionen Euro (2011: minus 21,6 Mio Euro) gelegen. Nach der Kredit-Kündigung hatte Sunways die für Ende April geplante Veröffentlichung des Jahresabschlusses auf unbestimmte Zeit verschoben. Ende 2012 beschäftigte der Konzern 265 Mitarbeiter. Sunways-Hauptaktionär ist die chinesische LDK Solar. Ob sie für das Unternehmen einspringen werde, war zunächst unklar.
Bild: dpaCentrotherm
Raus aus der Insolvenz: Der Solarzulieferer aus dem schwäbischen Blaubeuren hatte am 10. Juli 2012 beim Amtsgericht Ulm Antrag auf Einleitung eines Schutzschirm- und eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt - Anfang Juni 2013 wurde das Verfahren aufgehoben. Der Insolvenzplan sieht vor, dass Teile der Forderungen der Gläubiger in Aktien einer Verwaltungsgesellschaft umgewandelt werden, die in Zukunft 80 Prozent der Anteile an der Centrotherm Photovoltaics AG halten wird. Im ersten Schritt wird das Grundkapital durch einen Aktienschnitt reduziert. Dann wird das Sachkapital durch die Einbringung der Gläubigerforderungen wieder erhöht. 20 Prozent der Aktien an Centrotherm bleiben bei den Altaktionären. Von ehemals 1900 Arbeitsplätzen konnten 900 erhalten bleiben. Die Kurzarbeit an den Standorten Blaubeuren und Dresden werde nun für drei Monate unterbrochen, sagte Centrotherm-Chef Jan Schuckmann. „Entwarnung können wir an der Stelle noch nicht gegeben.“ Den letzte Jahresabschluss für 2011 legte Centrotherm vor einem Jahr vor. Damals machte das Unternehmen knapp 700 Millionen Euro Umsatz bei einem operativen Verlust von 20 Millionen Euro.
Bild: ScreenshotAlfasolar
Der norddeutsche Modulhersteller hat am 24. April die vorläufige Insolvenz beantragt. Alfasolar ist seit zwanzig Jahren am Markt und beschäftigt rund100 Mitarbeiter. Die Produktionsanlage in Hannover hat eine Gesamtkapazität von 40 Megawatt - damit zählt das Unternehmen zu den kleinen Modulherstellern. Der Mittelständler kann wie viele andere Unternehmen der Branche dem Preisverfall nicht länger standhalten. Produktion und Geschäftsbetrieb laufen jedoch vorläufig weiter. Manuel Sack aus der Kanzlei Brinkmann & Partner in Hannover wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Bild: dpaSolarworld
Der Bonner Solarmodulproduzent steckt tief in den roten Zahlen. 2012 machte der Betrieb rund 550 Millionen Euro Verlust. Mitte April gab Chef Frank Asbeck in einer Ad hoc-Mitteilung bekannt, dass das Kapital der Aktionäre restlos aufgebraucht sei, die Bonner hängen am Tropf ihrer Gläubiger. Doch das kann einen Asbeck nicht schrecken. Obwohl sein Unternehmen ums Überleben kämpft, denkt er darüber nach, Teile der Bosch-Produktion zu kaufen. Er sei "insbesondere an der Solarzellen-Fertigung" interessiert, sagte er dem Handelsblatt. Bosch hatte vor kurzem den Ausstieg aus dem Solargeschäft beschlossen und will den Bereich, zu dem die börsennotierte Tochter Aleo Solar gehört, verkaufen.
Hier lesen Sie mehr über den Fall des Sonnenkönigs.
Bild: APBosch Solarsparte
Alle Standorte des Solargeschäfts werden dicht gemacht, 3000 Bosch-Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Damit zieht Bosch-Chef Volkmar Denner den endgültigen Schlussstrich unter das Solar-Abenteuer. 2,4 Milliarden Euro verbrannten der Stuttgarter Technologiekonzern seit dem Einstieg ins Photovoltaik-Geschäft im Jahr 2008. Der weltweit größte Automobilzulieferer bot die gesamte Palette von Modulen für private Hausbesitzer bis hin zu Solar-Kraftwerken an. Schon 2011 gab es wegen der Preiseinbrüche Abschreibungen von rund 500 Millionen Euro. 2012 kam es noch dicker: Bosch machte mit seiner Sonnenenergiesparte gut eine Milliarde Euro Verlust. Das in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehende Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro ein (2011: 2,7 Milliarden Euro).
Bild: REUTERSSuntech
Der chinesische Solarzellen-Hersteller Suntech hat Konkurs angemeldet, heißt es von der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die Gläubigerbanken des früheren Marktführers hätten bei Gericht einen Antrag auf Sanierung im Insolvenzverfahren eingereicht, meldete die Agentur am Mittwoch. Suntech lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Die auch in Deutschland gelisteten Aktien von Suntech stürzten nach der Mitteilung um 50 Prozent auf ein Rekordtief von 0,24 Euro. Der ehemals größte Solarzellen-Hersteller der Welt hatte am Montag mitgeteilt, Ende der Woche fällige Anleihen im Volumen von 541 Millionen Dollar nicht bedienen zu können. Der Aktienkurs des Unternehmens war schon länger in den Keller gesackt. Die Insolvenz ist nach Ansicht von Experten ein Zeichen, dass die Konsolidierung in der Solarindustrie in Europa und den USA jetzt auch China erreicht hat.
Bild: dpaNordex
2012 hat der Windturbinenbauer Nordex herbe Verluste wegstecken müssen. Ihm machte vor allem das schwache Asien- und US-Geschäft zu schaffen. Das Unternehmen mit Stammsitz in Rostock musste 2011 einen Verlust von nahezu 50 Millionen Euro verbuchen - im vergangenen Jahr hätte Nordex bereits wieder 14 Millionen Euro operativen Gewinn erzielt, wären da nicht die Einmalkosten von 75 Millionen Euro, die zur Anpassung der Kostenstruktur der nicht ausgelasteten Gesellschaften verwendet wurden. 2013 soll es weiter aufwärts gehen, Nordex plant wieder mit Gewinn und strebt eine Ebit-Marge von 2 bis 3 Prozent an, der Umsatz soll prozentual zweistellig wachsen und maximal 1,3 Milliarden Euro erreichen. Auf Dividendenzahlungen will Nordex-Finanzchef Bernd Schäferbarthold aber noch bis 2016 verzichten.
Bild: dpaDer Ausflug in die Solarenergie-Technik kommt Siemens teuer zu stehen. Der Konzern müsse mit dem Ausstieg aus dem Geschäft erneut Belastungen von brutto mehr als 250 Millionen Euro verbuchen, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Siemens-Kreise. Diese würden sich aus Firmenwertabschreibungen, operativen Verlusten sowie Abschreibungen auf bereits begonnene Solaranlagen zusammensetzen. Insgesamt habe die Münchener das 2009 gestartete Experiment mit Sonnenstrom einen Betrag in der Größenordnung von 800 Millionen Euro gekostet. Siemens war am Sonntagabend auf Anfrage zunächst nicht zu erreichen.
Siemens hatte angekündigt, das Solarthermie- und Photovoltaikgeschäft zu verkaufen. Von den Plänen sind weltweit 680 Mitarbeiter betroffen. Elektrotechnische Komponenten wie Generatoren und Netztechnik soll es aber weiterhin geben. Der Konzern hatte vor allem auf Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonnenhitze gesetzt und dafür eigens die israelische Solel für 418 Millionen Dollar gekauft. Die Strategie zahlte sich jedoch nicht aus. Solel machte mehr Verlust als Umsatz.
Der Hamburger Solarkonzern Conergy ist noch immer nicht über den Berg: 2012 endete mit einem Betriebsverlust von 69 Millionen Euro. Nur noch 1400 Mitarbeiter stehen bei Conergy in Lohn und Brot – 2007 waren es mehr als 2600. Immerhin der Trend ist positiv: 2008 fuhr Conergy noch Verluste in Höhe von 306 Millionen Euro ein, 2011 hatte sich der Betrag mit 162 Millionen Euro nahezu halbiert. Allerdings war dafür auch eine harte Sanierung nötig. Am Produktionsstandort Frankfurt Oder musst im September 2011 fast ein Drittel der 350 Festangestellten gehen. Die Wafer- und Zellfertigung stellte Conergy dort ein. Man wolle sich fortan auf die (noch) profitable Modulfertigung konzentrieren.
Man muss sich schon ein wenig wundern. Am Mittwoch informierte der Bonner Solarkonzern, dass das Eigenkapital restlos aufgezehrt ist. Den Verlust nach Steuern für das Jahr 2012 beziffert Chef Frank Asbeck auf 520 bis 550 Millionen Euro - das Eigenkapital auf minus 20 bis minus 50 Millionen. Was für ein Absturz. Zur Zeiten des Solarbooms notierte die Solarworld-Aktie bei fast 48 Euro, nach den Schreckensbotschaften brach sie am Donnerstag zeitweise auf 56 Cent ein. Für die Anleger bleibt vom Solarabenteuer nichts übrig. Ganz anders für den Firmenchef. Der verzichtet zwar seit März 2012 auf jegliche Bezahlung, bis der Konzern wieder schwarze Zahlen schreibt. Das kann sich er sich aber auch leisten. Denn Asbeck hat gut vorgesorgt.
Wildromantisch liegt das Jagdschloss Calmuth in einem Seitental des Mittelrheins, zwischen Remagen und Oberwinter. Das Fachwerk-Haupthaus ist schmuck renoviert, Forellenteiche zieren die Umgebung, 350 Hektar Privatwald schließen sich an. Seit 2008 gehört das Anwesen Frank Asbeck, Gründer der nordrhein-westfälischen Grünen und des Bonner Solarkonzerns Solarworld.
Noch prunkvoller und pompöser ist Asbecks neue Erwerbung fünf Autominuten Richtung Rhein: Schloss Marienfels. Auf 800 Quadratmeter Wohnfläche verteilen sich 14 Zimmer, ein Schwimmbad, eine Sauna, ein Whirlpool, ein Wintergarten sowie weitere zehn Hektar Wald. „Das habe ich aus meinem Privatvermögen bezahlt“, sagt Asbeck über sein Zweitschloss, das er TV-Moderator Thomas Gottschalk abkaufte.
Das alles und viel mehr verdankt der 53-jährige Diplomingenieur seinen Parteifreunden, den Grünen, sowie Solarworld, Deutschlands einstigem Vorzeigeunternehmen in der Solarbranche. Aus dem Nichts baute die schillernde Frontfigur der hiesigen Ökokapitalisten Solarworld auf, brachte es 1999 an die Börse und steigerte seinen Wert in Spitzenzeiten auf über fünf Milliarden Euro. Den Treibstoff dazu lieferten die Grünen in Berlin, indem sie 2000 in der Regierung mit der SPD das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschlossen, das Solarstromproduzenten gigantische Einnahmen garantierte – und Firmen wie Solarworld ein Absatzfeld schuf.
Doch vergangen, vorbei. Solarworld kämpft ums Überleben. Und Asbeck erweist sich als einer, der es verstand, an der Spitze von Solarworld mit der Hilfe der Firma sein Vermögen vortrefflich zu mehren. Weitere Stellen würden gestrichen, um die Kosten zu senken, teilte Asbeck wenige Tage vor Bekanntwerden seines neuerlichen Schlosserwerbs mit. Schon 2011 gab er 500 Leiharbeitern den Laufpass, 2012 entließ er weitere 250 von insgesamt noch 2500 Mitarbeitern. Die Aktionäre verloren in den zurückliegenden zwölf Monaten drei Viertel ihres Vermögens. Wer Solarworld Geld lieh, würde beim Verkauf der Anleihen zurzeit nur noch ein Fünftel des Nennwertes erhalten. Und Asbeck kann nun auf zehn Hektar Wald mehr jagen.
Industrie: Aktien-Info Solarworld
ISIN: DE0005108401
Chancen: 10/10
Risiken: 10/10
Solarworld-Aktien sind reine Zocker-Papiere: Überlebt das Unternehmen, kann sich der Einsatz mehr als verdoppeln. Wenn nicht, droht Totalverlust.
ISIN: DE0005108401
Chancen: 10/10
Risiken: 10/10
Solarworld-Aktien sind reine Zocker-Papiere: Überlebt das Unternehmen, kann sich der Einsatz mehr als verdoppeln. Wenn nicht, droht Totalverlust.
Solange Solarworld gut lief, in den Jahren zwischen 2005 und 2009, nahm niemand davon Notiz, wie viel Asbeck damit selbst verdiente: als Vorstandschef und Großaktionär. Niemand nahm Anstoß an seinen Maserati und Rolls-Royce, der burgähnlichen Villa im Bonner Süden und seinen mondänen Partys.
Erste Fragezeichen hinter Asbecks Finanzgebaren tauchten vor gut einem Jahr auf. Trotz der Rekordnachfrage nach Solaranlagen in Deutschland war Solarworld 2011 erstmals seit 2003 tief in die roten Zahlen und in eine bedrohliche Verschuldung geraten. Obwohl das Unternehmen 233 Millionen Euro Verlust meldete, schüttete Solarworld rund zehn Millionen Euro Dividende aus. Mehr als ein Viertel davon ging auf das Privatkonto von Asbeck, der heute knapp 28 Prozent der Aktien hält.
„Ich halte so etwas für unvertretbar“, schimpfte Christian Strenger, Unternehmensführungsexperte und langjähriger Chef der Investmentgesellschaft DWS, nach dem Beschluss der Hauptversammlung. „Das dient nicht dem Interesse des Unternehmens.“ Zwar verkündete Asbeck wenige Wochen nach der Hauptversammlung, er werde künftig auf sein Gehalt, seinen Bonus und seinen Dividendenanteil so lange verzichten, bis Solarworld wieder Gewinne schreibe. Aber eben erst nach der Ausschüttung.
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