ThemaSolarenergie

Solarworld-Chef Asbeck: Der Fall des Sonnenkönigs

19. April 2013
von Mario Brück, Nele Hansen und Rebecca Eisert

Während Anleger und Beschäftigte bluten, sonnt sich Solarworld-Gründer Frank Asbeck in den zig Millionen, die er mit dem Solarkonzern dank der Ökostromumlage jahrelang verdiente.

Man muss sich schon ein wenig wundern. Am Mittwoch informierte der Bonner Solarkonzern, dass das Eigenkapital restlos aufgezehrt ist. Den Verlust nach Steuern für das Jahr 2012 beziffert Chef Frank Asbeck auf 520 bis 550 Millionen Euro - das Eigenkapital auf minus 20 bis minus 50 Millionen. Was für ein Absturz. Zur Zeiten des Solarbooms notierte die Solarworld-Aktie bei fast 48 Euro, nach den Schreckensbotschaften brach sie am Donnerstag zeitweise auf 56 Cent ein. Für die Anleger bleibt vom Solarabenteuer nichts übrig. Ganz anders für den Firmenchef. Der verzichtet zwar seit März 2012 auf jegliche Bezahlung, bis der Konzern wieder schwarze Zahlen schreibt. Das kann sich er sich aber auch leisten. Denn Asbeck hat gut vorgesorgt.

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Wildromantisch liegt das Jagdschloss Calmuth in einem Seitental des Mittelrheins, zwischen Remagen und Oberwinter. Das Fachwerk-Haupthaus ist schmuck renoviert, Forellenteiche zieren die Umgebung, 350 Hektar Privatwald schließen sich an. Seit 2008 gehört das Anwesen Frank Asbeck, Gründer der nordrhein-westfälischen Grünen und des Bonner Solarkonzerns Solarworld.

Noch prunkvoller und pompöser ist Asbecks neue Erwerbung fünf Autominuten Richtung Rhein: Schloss Marienfels. Auf 800 Quadratmeter Wohnfläche verteilen sich 14 Zimmer, ein Schwimmbad, eine Sauna, ein Whirlpool, ein Wintergarten sowie weitere zehn Hektar Wald. „Das habe ich aus meinem Privatvermögen bezahlt“, sagt Asbeck über sein Zweitschloss, das er TV-Moderator Thomas Gottschalk abkaufte.

Das alles und viel mehr verdankt der 53-jährige Diplomingenieur seinen Parteifreunden, den Grünen, sowie Solarworld, Deutschlands einstigem Vorzeigeunternehmen in der Solarbranche. Aus dem Nichts baute die schillernde Frontfigur der hiesigen Ökokapitalisten Solarworld auf, brachte es 1999 an die Börse und steigerte seinen Wert in Spitzenzeiten auf über fünf Milliarden Euro. Den Treibstoff dazu lieferten die Grünen in Berlin, indem sie 2000 in der Regierung mit der SPD das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschlossen, das Solarstromproduzenten gigantische Einnahmen garantierte – und Firmen wie Solarworld ein Absatzfeld schuf.

Doch vergangen, vorbei. Solarworld kämpft ums Überleben. Und Asbeck erweist sich als einer, der es verstand, an der Spitze von Solarworld mit der Hilfe der Firma sein Vermögen vortrefflich zu mehren. Weitere Stellen würden gestrichen, um die Kosten zu senken, teilte Asbeck wenige Tage vor Bekanntwerden seines neuerlichen Schlosserwerbs mit. Schon 2011 gab er 500 Leiharbeitern den Laufpass, 2012 entließ er weitere 250 von insgesamt noch 2500 Mitarbeitern. Die Aktionäre verloren in den zurückliegenden zwölf Monaten drei Viertel ihres Vermögens. Wer Solarworld Geld lieh, würde beim Verkauf der Anleihen zurzeit nur noch ein Fünftel des Nennwertes erhalten. Und Asbeck kann nun auf zehn Hektar Wald mehr jagen.

Solange Solarworld gut lief, in den Jahren zwischen 2005 und 2009, nahm niemand davon Notiz, wie viel Asbeck damit selbst verdiente: als Vorstandschef und Großaktionär. Niemand nahm Anstoß an seinen Maserati und Rolls-Royce, der burgähnlichen Villa im Bonner Süden und seinen mondänen Partys.

Erste Fragezeichen hinter Asbecks Finanzgebaren tauchten vor gut einem Jahr auf. Trotz der Rekordnachfrage nach Solaranlagen in Deutschland war Solarworld 2011 erstmals seit 2003 tief in die roten Zahlen und in eine bedrohliche Verschuldung geraten. Obwohl das Unternehmen 233 Millionen Euro Verlust meldete, schüttete Solarworld rund zehn Millionen Euro Dividende aus. Mehr als ein Viertel davon ging auf das Privatkonto von Asbeck, der heute knapp 28 Prozent der Aktien hält.

„Ich halte so etwas für unvertretbar“, schimpfte Christian Strenger, Unternehmensführungsexperte und langjähriger Chef der Investmentgesellschaft DWS, nach dem Beschluss der Hauptversammlung. „Das dient nicht dem Interesse des Unternehmens.“ Zwar verkündete Asbeck wenige Wochen nach der Hauptversammlung, er werde künftig auf sein Gehalt, seinen Bonus und seinen Dividendenanteil so lange verzichten, bis Solarworld wieder Gewinne schreibe. Aber eben erst nach der Ausschüttung.

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Kommentare | 9Alle Kommentare
  • 20.04.2013, 10:47 Uhrwiwomaxxx

    Die verbleibende deutsche Solarindustrie wird in die Hand der Asiaten gehen. So oder so. Aber alles Schlechtes hat sein Gutes. Weitere Preissenkungen durch Innovationen sind absehbar. Billige Anlagen = günstiger Strom vom Dach zur Selbstversorgung.

  • 19.04.2013, 20:10 UhrOvid

    Die echte Qualität eines Unternehmers beweist sich erst in Krisenzeiten. Asbeck gehört nicht zu den guten Qualitäten, weil er nachweislich Querdenkerideen ablehnte, er lebt und lebte nur von Subventionen.

  • 05.02.2013, 11:48 Uhrsteigenberger

    WiWo müsste noch viel tiefer bohren !

    - Wie konnte Asbeck mit Trittin u. Kelber ( Grüne,SPD ) das für die
    Stromkunden bald unbezahlbare EEG-Gesetz, ohne Preissteigerungs-
    begrenzungen ! durchdrücken,

    - erst die Grün/-Rot gesetzlich beförderte SolarstromÜBERsubventionnier-
    ung machte die "Solarklitschen" á la Solarworld zu Milliardenunter-
    nehmen = risikolose Geldvermehrung für die Gründer !

    - Asbeck gehörte die Mehrheit an Solarworld, wenn er bei hohen Aktien-
    kursen rechtzeitig Anteile verkauft hat müsste er immer noch ein
    Privatvermögen zwischen 500 - 1000 Millionen Eu. haben,da lohnt es
    sich schon eine Bankbeteiligung zu halten um das Sümmchen noch zu
    mehren.

    - Asbeck weiss sicher die verbleibenden Chancen von Solarworld realist-
    isch einzuschätzen, deshalb wird er lieber solide in Grund u. Boden
    investieren, als seiner Solarfirma noch gutes , eigenes Geld nach-
    zuschmeissen.

    - Die Gläubiger sollen bluten u. die Arbeitnehmerschaft schrumpfen,
    damit Asbeck,s Wohlleben weiter gehen kann.

    Es ist höchst verdienstvoll, dass Wiso diesen " Mega-Subventionsgewinnler" mal entzaubert u. mit ihm auch die Rot-Grünen
    Weltverbesserer, die wie die Maden im Speck auf Kosten anderer leben
    u. ihre Ideologie verbreiten :

    Sozialdemokratische Wähler können die Ökospinnereien kaum noch bezahlen

    denn die Verkehrs/-Strom/-Heizkosten fressen gerade bei Normalverdienern

    immer mehr vom stagnierenden Lohn/-Rente weg; diese Wähler werden hoffentlich vor den Wahlen am 22.9.13 aufwachen u. ihre Stimme nicht
    mehr rot/-grünen Ökospinnern geben !!

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