Sparplan beschlossen: Bilanzdesaster und Machtkampf bei SGL

Sparplan beschlossen: Bilanzdesaster und Machtkampf bei SGL

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Sowohl bei Graphitelektroden, Graphitspezialitäten als es auch im Geschäftsfeld Kohlefaser läuft es für SGL derzeit schleicht.

von Jürgen Salz

Egal, wo man hinschaut: Die Geschäfte des Technologiekonzerns SGL laufen überall schlecht. Zudem sind sich Vorstandschef Robert Koehler und die Aufsichtsratsvorsitzende Susanne Klatten nicht grün.

Wenn es in einem Bereich mal schlecht läuft, können das andere Sparten ausgleichen. Sagt die Management-Theorie. Um das Risiko breiter zu streuen, gibt es beim Wiesbadener Technologiekonzern SGL drei Geschäftsbereiche. Das Problem ist nur, dass  die SGL Sparten derzeit alle schlecht laufen – die schöne Idee des Risikoausgleichs ist damit perdu.  Sowohl bei Graphitelektroden, Graphitspezialitäten als es auch im Geschäftsfeld Kohlefaser läuft es für SGL derzeit gar nicht rund. Mit Hilfe von Graphitelektroden lässt sich Stahl recyceln, was sich aber in Zeiten des billigen Stahls kaum noch lohnt.

Graphitspezialitäten, etwa hitzeständige Teile für Solaranlagen, lassen sich auch schlechter absetzen, seitdem die deutsche Solarbranche sich mehr und mehr auflöst. Und Karbonfasern, wie sie etwa im BMW-Elektroauto i3 oder im Dreamliner von Boeing Verwendung finden, sind zwar eine große Hoffnung für die Zukunft, kosten aber erst einmal Geld. Dass die Produktion des Dreamliners deutlich hinter dem Zeitplan zurückliegt, belastet SGL beträchtlich.

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Entsprechend schlecht fielen die Halbjahreszahlen  aus, die SGL am heutigen Donnerstag präsentierte: Bei einem immerhin noch leicht steigenden Umsatz auf 828 Millionen Euro reduzierte sich das Konzernergebnis  von 23 Millionen auf minus 243 Millionen Euro. Zahlreiche Abschreibungen und Wertberichtigungen belasteten das Ergebnis. Die Gewinnprognose für das Jahr 2013 hatte Koehler schon Ende Juni kassiert. Der Konzerngewinn 2013 - vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – wird demnach  um 50 bis 60 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen.

Koehler hat jetzt ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt. Inwiefern und wie viele Arbeitsplätze wegfallen, ist noch unklar. Der Maßnahmenkatalog umfasst die ganze, übliche Palette: Geschäfte sollen möglicherweise ausgegliedert und verlagert, Produktionsteile verkauft und die Organisation  stärker auf Effizienz getrimmt werden.  Klingt eher beunruhigend für die Mitarbeiter. Details dazu will SGL in Kürze bekannt geben.

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Auch nicht gerade förderlich ist, dass sich Vorstandschef Koehler und die Aufsichtsratsvorsitzende Susanne Klatten aus der Quandt-Dynastie nicht wirklich grün sind. Koehlers Kritiker sagen, dass er sich in den gut zwei Jahrzehnten seines Wirkens das Unternehmen untertan gemacht hat. Sein aufwändiger Führungsstil und sein rüder Umgangston stoßen vielen sauer.

Dienstliche Besprechungen sollen auch schon mal „in Ausnahmefällen“ in seinen Privathäusern in Spanien und Österreich stattgefunden haben. Der neuen Aufsichtsratschefin gefällt das selbstherrliche Gebaren nicht. Koehlers Vertrag läuft 2014 aus; der Chef erreicht dann die Pensionsgrenze. Ob Klatten Koehler so lange im Amt hält, ist fraglich. Noch fraglicher ist, ob Koehler als Chef noch den Aufschwung der SGL-Geschäfte erlebt.                   

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